KI wie einen Rechtsanwalt nutzen: Schnellerer Zugang zu Recht?

Recht für alle?:Wie KI den Zugang zum Recht demokratisiert

von Anna Möllers

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Bisher war juristischer Rat oft teuer. Kann KI die Hürden nun einreißen? Wie Künstliche Intelligenz den Zugang zum Recht verändert - und wo Fallstricke und Gefahren lauern.

Forecast me

Eine KI sagt zwei Anwält*innen voraus, wie ihr Beruf in drei bis zehn Jahren aussehen könnte. Das Urteil: unbequem. Die Frage: so weitermachen oder alles verändern? ForecastME, das Experiment!

30.04.2026 | 17:06 min

Wer sein Recht durchsetzen will, braucht häufig einen langen Atem und vor allem: ein entsprechendes Budget für den passenden Rechtsbeistand. Ändert sich das gerade dank Künstlicher Intelligenz?

Während die WISO-Doku "ForecastME" zeigt, wie sich der Anwaltsberuf unter Einfluss von KI-Bedingungen wandeln wird, entstehen im Schatten dieser Entwicklung auch Veränderungen für Verbraucher*innen. Rechtsexpertin Alisha Andert spricht gar von einer beginnenden "Demokratisierung des Rechts". Was hat es damit auf sich? Drei beispielhafte Entwicklungen:

1. Sein eigener Anwalt sein?

Am 1. Januar 2026 hat sich die Zuständigkeit bei Zivilstreitigkeiten geändert: Nach Paragraf 23 des Gerichtsverfahrensgesetzes (GVG) übernehmen die Amtsgerichte nun Fälle bis zu einem Streitwert in Höhe von 10.000 Euro. Vorher war bereits ab 5.000 Euro eine höhere Instanz zuständig - die Landgerichte.

Das Entscheidende für Verbraucher*innen: Vor dem Amtsgericht entfällt in Zivilsachen der sonst übliche Anwaltszwang. Wer will, kann sich selbst vertreten - jetzt auch bei höheren Streitwerten.

Experiment für die Berufswelt 
:Wie funktioniert die KI-Anwendung "ForecastME"?

Eine eigens von ZDF-Magazin WISO entwickelte KI entwirft auf der Basis einer exklusiven Datenbank Prognosen für die Berufswelt von morgen. Wie funktioniert die Anwendung?
von Anna Möllers und Ute Mattigkeit
mit Video17:06
Grafik: WISO-KI mit Linien zu verschiedenen Symbolen

Mit KI als digitalem Sparringspartner könnte eine Selbstvertretung für viele realistischer erscheinen. Doch die KI-Hilfe könne zu einer gefährlichen Selbstüberschätzung führen, warnen die Rechtsexpert*innen, die im Rahmen der WISO-Doku "ForecastME" interviewt wurden.

Eine KI kann zwar fundiert klingende Antworten liefern, aber nicht selten übersieht sie entscheidende juristische Details. Wer ohne Anwalt agiert, trägt das volle Risiko für versäumte Fristen oder formale Fehler, die ein Verfahren sofort beenden können. Zudem wird ein Prozess oft nicht nur durch Paragrafen gewonnen, sondern mit der richtigen Verhandlungstaktik. Algorithmen übernehmen in dieser Disziplin keine Haftung.

ZDF-Wirtschaftsexperte Florian Neuhann kommt auf den Betrachter zu, während im Hintergrund Menschen an Servern arbeiten

KI schreibt Texte, analysiert Verträge und programmiert Code – sie verändert die Arbeitswelt rasant. Wie bedroht sind unsere Jobs? Florian Neuhann geht der Frage nach, auch mit einem Avatar.

01.05.2026 | 53:44 min

2. ChatGPT und Co. als juristische Türöffner

Oft beginnt es mit einer einfachen Frage an KI-Modelle wie ChatGPT, Claude oder Gemini: "Darf mein Vermieter das?" oder "Ist diese Klausel im Arbeitsvertrag zulässig?". In diesem Moment fungiert die befragte KI als Augenöffner. Klingt banal, aber viele Menschen stellen im lockeren Chat mit einem Sprachmodell (LLM) zum ersten Mal fest, dass ihnen überhaupt bestimmte Rechte zustehen könnten, weiß Rechtsanwältin Alisha Andert:

Ich glaube daran, dass KI-Technologien genau diese Demokratisierung des Rechts bewirken können, also den Zugang niedrigschwelliger machen können.

Alisha Andert, Vorständin Legal Tech Verband

Waveforms of audio files from various instruments are displayed on a computer screen during the creation of an AI musical piece at SUNO, Tuesday, Jan. 13, 2026, in Cambridge, Mass.

Songs in Sekunden, Künstler ohne Einnahmen: KI verändert die Musikwelt grundlegend. Musiker kämpfen um Urheberrecht und Identität - und fragen, welche Rolle der Mensch noch spielt.

27.04.2026 | 3:03 min

Die Hemmschwelle, sich mit "Juristendeutsch" zu beschäftigen, sinkt. Die KI übersetzt komplexe Sachverhalte und ermutigt Betroffene, ihre Ansprüche zu prüfen.

Aber: Sprachmodelle wie ChatGPT ersetzen keine rechtliche Beratung. Zwar können KIs allgemeine Orientierungshilfen liefern und juristische Grundlagen erklären. Sie bieten aber keine verbindliche Einzelfallberatung. Also alles doch nicht so positiv?

PUR+ - KI in der Schule

Künstliche Intelligenz in der Schule: Wie arbeiten Schülerinnen und Schüler mit KI im Unterricht? Welche Rolle spielen Lehrerinnen und Lehrer dabei? Oder werden sie bald überflüssig?

30.04.2026 | 23:54 min

3. Rechtshilfe per Knopfdruck

Gerade bei häufig auftretenden, eher unkomplizierten Problemen gibt es niedrigschwellige Hilfe. Was früher eine kostspielige Erstberatung erforderte, erledigen heute spezialisierte - oft KI-gestützte - Online-Portale in Echtzeit. Sogenannte "Legal Tech"-Angebote ermöglichen einen einfachen, schnellen und professionellen Zugang zum Recht.

Ob es um die Prüfung von Mietverträgen, die Analyse von Arbeitszeugnissen oder die Abwicklung von Fluggastrechten geht: Algorithmen können Standardfragen präzise vorsortieren und Ansprüche in Echtzeit prüfen. Ein Service, der früher für weite Teile der Bevölkerung unerschwinglich oder schlicht zu aufwendig war, wird nun leichter zugänglich.

  • Legal Tech (kurz für Legal Technology) bezeichnet den Einsatz digitaler Algorithmen und automatisierter Prozesse, um Rechtsansprüche - vor allem für Verbraucher*innen - effizient zu prüfen und auch durchzusetzen.
  • Anstatt direkt zu einer Anwaltskanzlei zu gehen, wird online oder in einer App geprüft, ob bestimmte Ansprüche gegenüber Unternehmen existieren. Typische Beispiele sind das Prüfen von Erstattungen bei Flugausfällen, ob eine Mieterhöhung rechtens oder die Nebenkostenabrechnung richtig ist.
  • Neben kommerziellen Dienstleistern, die im Erfolgsfall oft eine Provision einbehalten, stellen zum Beispiel die Verbraucherzentralen auch kostenlose Anwendungen bereit. Diese helfen dabei, eigene Forderungen gegenüber Unternehmen rechtssicher zu formulieren und ohne Gebühren durchzusetzen.


Doch auch diese verbrauchernahen Angebote haben Grenzen: Sie eignen sich primär für Standardfälle, während individuelle Besonderheiten oft unberücksichtigt bleiben, so zum Beispiel auch das Fazit des Bundesverbands Verbraucherzentrale.

Dennoch zeigt der aktuelle Monitor des deutschen Legal-Tech-Verbands: Der Bereich hat sich in Deutschland in den letzten Jahren rasant entwickelt, und KI-gestützte Angebote sind zu einem wichtigen Bestandteil des Rechtsdienstleistungsmarktes geworden.

Dass KI einen Rechtsbeistand in Zukunft aber ganz ersetzen wird, bleibt unwahrscheinlich.

Ein humanoider Roboter arbeitet in einer dunklen, futuristischen Autofabrik mit einem Werkzeug an einer schwarzen Fahrzeugkarosserie. Im Hintergrund sind weitere Roboter und ein orangefarbener Industrieroboter zu sehen.

Fast menschenleere Hallen, Autos im Minutentakt. China zeigt die automatisierte Realität. Deutschland hinkt hinterher. Wenn KI übernimmt, welche Arbeit bleibt uns?

30.04.2026 | 27:46 min

Über dieses Thema berichtet WISO in der Sendung "ForecastME: Ersetzt KI Anwälte?", online verfügbar am 30.04.2026 um 8 Uhr, im ZDF am 04.05.2026 ab 19:25 Uhr.

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