Debatte um KI im Krieg:Stößt Anthropic OpenAI vom Thron?
von Dennis Berger
OpenAI unter Druck: Nach einem Deal mit dem US-Militär wenden sich Millionen Nutzer von ChatGPT ab. Die Claude AI von Anthropic hingegen stürmt in den App-Charts auf Platz 1.
Streit um KI-Einsatz im Militär: Die US-Regierung hat dem KI-Unternehmen Anthropic gekündigt. Anthropic hatte sein Modell Claude nicht für alle militärischen Ziele freigeben wollen.
12.03.2026 | 44:50 minDer KI-Assistent Claude von Anthropic führt derzeit die App-Store-Charts in den USA und Deutschland an und überholt mächtige Konkurrenten wie ChatGPT von OpenAI und Gemini von Google. Claude erreichte mit mehr als 500.000 Installationen an einem Tag einen neuen Rekord. Vorausgegangen war ein Streit zwischen Anthropic und dem US-Militär über den KI-Einsatz in Kriegszeiten.
Anthropic streitet mit US-Militär
Anthropics KI ist stark in die Systeme des US-Militärs eingebunden. Doch CEO Dario Amodei stellte unmissverständlich klar, dass seine KI weder für Massenüberwachung noch für autonome Waffensysteme genutzt werden solle.
Amodeis Haltung hat Konsequenzen: Die USA stuften Anthropic offiziell als "Supply Chain Risk", also als Lieferkettenrisiko, ein - ein Begriff, der sonst eher auf ausländische Feindunternehmen angewendet wird. Damit ist es Anthropic eigentlich untersagt, mit dem US-Militär oder dessen Partnern Geschäfte zu machen. Noch gilt aber eine Übergangsfrist von sechs Monaten.
Der SPD-Digitalexperte Matthias Mieves fordert, das KI-Unternehmen Anthropic nach Europa zu holen. Er sieht darin eine Chance für mehr digitale Souveränität.
03.03.2026 | 0:32 minFür Anthropics Geschäft ist das ein schwerer Schlag: Milliarden potenzieller Einnahmen stehen auf dem Spiel. Unternehmenskunden zögern, die Zusammenarbeit fortzusetzen. Anthropic rechnete 2026 im öffentlichen Sektor mit über 500 Millionen US-Dollar Wachstum. Nun drohe das wegzubrechen, sagte Anthropics Finanzchef Krishna Rao vor einem US-Bundesgericht.
Das Pentagon, das US-Verteidigungsministerium, ist ein globaler Wirtschaftsfaktor. Es zählt zu den größten Auftraggebern für Technologie, Produktion und Dienstleistungen weltweit. Das Pentagon-Budget gehört zu den größten der Welt und umfasst hunderte Milliarden Dollar jährlich - im Haushaltsjahr 2025 waren es rund 850 Milliarden Dollar. Das US-Militär investiert massiv in zukunftsweisende Technologien wie Künstliche Intelligenz.
OpenAI füllt die Lücke
Während Anthropic rechtlich gegen die US-Regierung vorgeht, schloss OpenAI unter CEO Sam Altman einen neuen Vertrag mit dem Pentagon. Angeblich will OpenAI die roten Linien ebenfalls einhalten. Gleichzeitig distanzierte sich CEO Altman von der Verantwortung.
Die operativen Entscheidungen des Militärs liegen bei der Regierung. OpenAI kann die militärische Nutzung nicht vollständig kontrollieren.
Sam Altman, CEO von OpenAI
Autonome Waffen und Künstliche Intelligenz spielen längst eine wichtige Rolle im Kriegsgeschehen. Wo liegt der militärische Nutzen? Und was sind die Risiken des Einsatzes?
23.02.2026 | 2:41 minNutzer protestieren gegen OpenAI
ChatGPT als Kriegswaffe? Für Millionen Nutzer ist das offenbar ethisch nicht vertretbar. Sie kündigten ihre Konten und wechselten zu Anthropic. Proteste und Boykottaufrufe verbreiteten sich in sozialen Netzwerken. Websites wie cancelchatgpt geben Tipps für den Wechsel zu Anthropics Claude.
Der Deal hat OpenAI kurzfristig spürbar geschadet, vor allem beim Image und bei einem Teil der engagierten Nutzer.
Dr. Marc Scheufen, Institut der deutschen Wirtschaft
Anthropic profitiere davon, weil einige gerade ein Zeichen setzen wollen, sagt Marc Scheufen, KI-Experte und Senior Economist für Künstliche Intelligenz am Institut der deutschen Wirtschaft. Langfristig sei ChatGPT aber so etabliert und tief im Alltag wie auch in Unternehmen verankert, dass ein einzelner Aufreger kaum zu einem nachhaltigen wirtschaftlichen Schaden führen werde, führt Scheufen aus.
Wenn OpenAI transparent agiert und die Produktqualität hoch bleibt, wird der Effekt wahrscheinlich verpuffen.
Dr. Marc Scheufen, Institut der deutschen Wirtschaft
Sollten jedoch weitere kontroverse Entscheidungen folgen, warnt der KI-Experte, könnte ein dauerhafter Vertrauensverlust eintreten.
Hunderte Milliarden fließen in KI, doch Investoren zweifeln am Ertrag. Experten warnen: Sollte die Blase platzen, drohen der Weltwirtschaft weitreichende Folgen.
26.02.2026 | 3:16 minEin ungleiches Rennen?
OpenAI beeindruckt unterdessen mit offiziellen Zahlen: 900 Millionen aktive Nutzer pro Woche, über 50 Millionen zahlende Abonnenten. Anthropic hingegen schweigt zu offiziellen Zahlen. Laut einer Schätzung besuchten im Dezember 2025 rund 176 Millionen Nutzer die Claude-Website. Noch hat OpenAI als Marktführer ganz klar die Nase vorn.
Dennis Berger ist Redakteur im ZDF-Team Wirtschaft und Finanzen.
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