Streit um "Massenüberwachung":KI-Firma Anthropic verklagt US-Regierung
Im Streit um die militärische Nutzung seiner KI hat Anthropic Klage gegen die Trump-Regierung eingereicht. Das Pentagon hatte das Unternehmen zuvor zum Sicherheitsrisiko erklärt.
Das US-Unternehmen Anthropic wehrt sich gegen die uneingeschränkte militärische Nutzung seiner KI.
Quelle: APDas US-Unternehmen Anthropic hat im Streit um die Nutzung Künstlicher Intelligenz (KI) für das US-Militär Klage gegen die US-Regierung erhoben. In der am Montag bei einem Bundesgericht in San Francisco eingereichten 48-seitigen Klageschrift fordert Anthropic, dass die durch das Pentagon vorgenommene Einstufung des Unternehmens als "Sicherheitsrisiko in der Lieferkette" für gesetzwidrig erklärt und gestoppt wird.
Der SPD-Digitalexperte Matthias Mieves fordert, das KI-Unternehmen Anthropic nach Europa zu holen. Er sieht darin eine Chance für mehr digitale Souveränität.
03.03.2026 | 0:32 minDer Konzern um den Chatbot Claude hatte dem Pentagon die uneingeschränkte militärische Nutzung seiner Technologie verweigert. Anthropic hatte erklärt, es wolle seine KI-Technologie nicht wie von der Regierung gewünscht für die "Massenüberwachung im Inland" oder in vollautonomen Waffensystemen einsetzen lassen.
Trump: Behörden dürfen Anthropic-KI nicht mehr nutzen
Verteidigungsminister Pete Hegseth ließ Anthropic daraufhin als "Sicherheitsrisiko in der Lieferkette" einstufen. Präsident Donald Trump ordnete an, dass alle US-Bundesbehörden die Nutzung von Anthropic-Technologie einstellen sollen. Anthropic war bisher die einzige KI-Firma, deren Software auch für eine als vertraulich eingestufte Nutzung im US-Militär freigegeben war.
Auch die Bundeswehr setzt auf KI: In Erding entwickelt sie mit Forschern und Start-ups autonome, KI-gesteuerte Waffensysteme. Ziel ist mehr Schutz für Soldaten – bei wachsender Kritik von Experten.
05.02.2026 | 2:41 minNun ist die Firma das erste US-Unternehmen überhaupt, das mit einer derartigen Maßnahme öffentlich abgestraft wird. Eine solche Bewertung vergibt die US-Regierung üblicherweise an Unternehmen aus Ländern, die von den USA als Gegner betrachtet werden, wie etwa den chinesischen Technologiekonzern Huawei.
OpenAI will Anthropic ersetzen
Nach dem Streit mit Anthropic schloss der ChatGPT-Entwickler OpenAI eine Vereinbarung mit dem Pentagon. OpenAI-Chef Sam Altman ließ sich zwar auf die Bedingungen des Ministeriums ein, versicherte aber später, dass es technische Hürden für den Einsatz zur Massenüberwachung in den USA geben sollte. Die Robotik-Chefin von OpenAI, Caitlin Kalinowski, trat am Wochenende aus Protest gegen den Deal zurück. Anthropics KI-Software Claude ist ein scharfer Konkurrent von ChatGPT unter anderem für den Einsatz in Unternehmen.
"Deutschland wird in den kommenden Jahren vor dem Dilemma stehen", praktisch notwendige und ethische Standards bei KI-Waffensystemen zu vereinen, so KI-Expertin Verena Jackson.
05.02.2026 | 5:42 minAnthropic-Chef Dario Amodei warnte, dass Künstliche Intelligenz es möglich mache, über das Netz verstreute Daten einzelner Menschen in großem Stil automatisiert zu einem detaillierten Bild ihres Lebens zusammenzusetzen. Zugleich sei KI noch nicht verlässlich genug, um in vollständig autonomen Waffen eingesetzt zu werden. "Wir werden nicht wissentlich ein Produkt liefern, das Amerikas Kämpfer und Zivilisten in Gefahr bringt", schrieb Amodei in einem Blogbeitrag.
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