Experiment für die Berufswelt :Wie funktioniert die KI-Anwendung "ForecastME"?
von Anna Möllers und Ute Mattigkeit
Eine eigens von ZDF-Magazin WISO entwickelte KI entwirft auf der Basis einer exklusiven Datenbank Prognosen für die Berufswelt von morgen. Wie funktioniert die Anwendung?
Eine KI sagt zwei Anwält*innen voraus, wie ihr Beruf in drei bis zehn Jahren aussehen könnte. Das Urteil: unbequem. Die Frage: so weitermachen oder alles verändern? ForecastME, das Experiment!
30.04.2026 | 17:06 minWas sagt eine KI, wenn sie selbst Zukunftsszenarien für verschiedene Jobs entwerfen soll? Dieser Frage geht die WISO-Doku "ForecastME" in der ersten Folge am Beispiel des Anwaltsberufs nach.
Das Herzstück des Doku-Experiments: eine KI, die die WISO-Redaktion mit einer exklusiven, redaktionell kuratierten Wissensdatenbank ausgestattet hat. Doch was kann das Tool? Und wieso nicht einfach gängige Large Language Modelle (LLMs) wie ChatGPT, Claude oder Gemini befragen?
Ein Large Language Model (LLM) ist ein KI-System, das darauf trainiert wurde, menschliche Sprache zu verstehen, zu generieren und zu verarbeiten. Aber: Ein LLM "weiß" nichts im menschlichen Sinne. Es berechnet Wahrscheinlichkeiten basierend auf Mustern in seinen Trainingsdaten.
Wieso halluzinieren LLMs?
Große Sprachmodelle schlagen keine Fakten nach, sondern berechnen Antworten nach Wahrscheinlichkeiten. Deshalb können sie Informationen liefern, die zwar täuschend echt klingen, aber nicht immer stimmen. Die erste Regel sei deshalb:
KI nicht als Suchmaschine nutzen.
Marc Ohrendorf, KI- und Lega-Tech-Experte bei YPOG
Hinzu kommt: Jedes Modell hat ein sogenanntes Cut-Off-Date, also ein Datum, bis zu dem es trainiert wurde. Alles, was danach passiert, kennt die KI erst einmal nicht.
KI-Chatbots sind für viele 10- bis 17-Jährige Alltag: Laut DAK nutzen sie knapp 40 Prozent regelmäßig. Nicht nur für schulische Dinge, sondern auch für Persönliches.
24.03.2026 | 1:47 minKI-Tool "ForecastME" wurde mit Fachwissen ausgestattet
"Es geht daher immer darum, wie man den richtigen Kontext in die Anfrage an die KI mitgibt", erklärt KI-Experte Marc Ohrendorf. Genau hier setzt die "WISO-KI" an:
Das Tool wurde mit Fachwissen zur Zukunft der Rechtsbranche ausgestattet - in Form einer exklusiven Wissensdatenbank. Diese wurde dann mit ChatGPT verknüpft. Das bedeutet: Die "WISO-KI" nutzt die Sprach- und Analysefähigkeiten von ChatGPT, ihr Wissen bezieht sie aber in erster Linie aus der Datenbank.
Dieses Verfahren nennt sich RAG-System (Retrieval-Augmented Generation). Es funktioniert wie eine kuratierte "Fachbibliothek": Die "WISO-KI" durchsucht bei jeder Frage gezielt die "Bibliothek" und priorisiert dieses Fachwissen dann gegenüber ihrem allgemeinen Trainingswissen.
In den USA sind große Datenzentren ein Milliardenmarkt, der von der Trump-Regierung gefördert wird. Der Wasserverbrauch der Rechenzentren könnte Dürren, zum Beispiel in Wyoming, verschlimmern.
22.04.2026 | 6:28 minDie Datenbasis der "WISO-KI"
Die "Fachbibliothek" besteht aus einer großen Datenbasis, die die WISO-Redaktion zusammengestellt hat: Analysen, wissenschaftliche Studien und Daten zur Transformation der Rechtsbranche.
Darüber hinaus hat die Redaktion Interviews mit insgesamt 18 Expert*innen geführt - darunter Wissenschaftler*innen und Fachleute aus Rechtsabteilungen und Kanzleien. Im Fokus: Wie wird KI die Rechtsbranche in den nächsten drei bis zehn Jahren verändern - und was bedeutet das für den Berufsalltag von Anwält*innen? Auch diese Interviews sind in die Datenbasis für die "WISO-KI" eingeflossen.
Ihre Werke werden ohne Erlaubnis zur Schulung von KI genutzt. Autoren wie Markus Orths, aber auch Verlage fordern schärfere Regeln, um das Überleben der Kreativbranche zu sichern.
23.04.2026 | 2:50 minDafür wurden alle Informationen in kleine Container (sogenannte Chunks) zerlegt. Sie bilden die "Bücher" im Regal. Stellt man der "WISO-KI" eine Frage, durchsucht das System blitzschnell diese Bücher. Die Zukunftsszenarien und Handlungsempfehlungen, die die "WISO-KI" aus den Daten ableitet, sind dann ihre eigene Interpretation.
KI kann aus Bestehendem anderes formen.
Marc Ohrendorf, KI- und Lega-Tech-Experte bei YPOG
Wichtig: Die Inhalte der Wissensdatenbank werden nicht in das KI-Modell eintrainiert, sondern nur bei Bedarf abgerufen. Auch Nutzereingaben werden von ChatGPT nicht für sein Trainingswissen verwendet.
KI schreibt Texte, analysiert Verträge und programmiert Code – sie verändert die Arbeitswelt rasant. Wie bedroht sind unsere Jobs? Florian Neuhann geht der Frage nach, auch mit einem Avatar.
01.05.2026 | 53:44 minAntworten der KI werden in gesprochene Sprache umgewandelt
Die "WISO-KI" antwortet per Stimme. Dafür wurde das System an eine Stimmgenerierungs-Software angeschlossen, die die KI-Antworten in gesprochene Sprache umwandelt. Eine professionelle Sprecherin hat die Stimme zuvor eingesprochen und trainiert. Auch hier gilt: Was die KI sagt, ist von ihr generiert - basierend auf der Wissensdatenbank im Hintergrund.
Unternehmen im Bereich der Wirtschaft setzen vermehrt auf Künstliche Intelligenz. Besonders in der IT steigt die Zahl der Uni-Absolventen, die keinen Arbeitsplatz finden.
26.09.2025 | 1:33 minNatürlich kann eine KI die Zukunft nicht genau vorhersagen - selbst mit kuratierter Datenbank nicht. Was die "WISO-KI" aber liefern kann: fundierte Szenarien, die auf heute verfügbarem Fachwissen basieren. Was die Menschen daraus machen, müssen sie dann selbst entscheiden.
- Karsten U. Bartels, LL.M., IT-Rechtsanwalt
- Prof. Dr. Martin Ebers, Präsident Robotics & AI Law Society
- Prof. Dr. Matthias Grabmair, LL.M., Assistant Professor LegalTech, TU München
- Dr. Daniel Halft, Rechtsanwalt, Experte für digitale Transformation in der Rechtsberatung
- Prof. Niko Härting, Vorstand Deutscher Anwaltverein Reinhard Karger, Unternehmenssprecher Deutsches Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz
- Lina Keßler, Legal Design Ventures Dr. Leif-Nissen Lundbæk, CEO & Co-Founder, Noxtua
- Prof. Dr. Sarah Rachut, Direktorin Institut für Rechtswissenschaften, TU Braunschweig
- Dr. Frank Remmertz, Rechtsanwalt und Experte der Bundesrechtsanwaltskammer
- Prof. Dr. Michael M. Resch, Direktor Höchstleistungsrechenzentrum Stuttgart
- Nathalie Schomerus, Leiterin Rechtsinnovation, Legora
- Prof. Christian Solmecke, LL.M., Partner Medienrechtskanzlei, WBS.LEGAL
- Lukas Treichl, LL.M., Partner und Co-Head Lab, Freshfields
- Achim Tschauder, Experte Legal Operations
- Dr. Hariolf Wenzler, Direktor des Bucerius Center on the Legal Profession
- Marc Ohrendorf, LL.M., Rechtsanwalt, KI- & Legal-Tech-Experte, YPOG
- Alisha Andert, LL.M., Vorständin Legal Tech Verband
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