Zwischen Chancen und Risiken für Musiker:So revolutioniert Künstliche Intelligenz die Musikwelt
von Sophie Steinfeld
KI erstellt Songs günstig und massenhaft. Für Musiker wächst der Druck: weniger Jobs, Streit ums Urheberrecht. Zwischen Sorge und Chancen steht die Branche vor einem Umbruch.
Zwischen Innovation und Existenzangst: KI verändert die Musikwelt grundlegend. Künstler fordern daher klare Regeln und faire Bezahlung.
27.04.2026 | 3:01 minEin Prompt - und der Song ist fertig. KI-Tools generieren Songs mittlerweile verblüffend einfach, kostengünstig und in wachsender Menge. Die Folge: Immer mehr KI-Tracks landen auf Streamingplattformen.
"KI ist gerade durch die Bank weg in allen Gesprächen eigentlich das Thema. Da ist eine große Unsicherheit bei vielen Musikschaffenden zurzeit da", sagt Christopher Annen von der Band AnnenMayKantereit im ZDF-Gespräch.
Annen: "Raubzug an urheberrechtlich geschützten Stücken"
Und das in einer Zeit, in der die Branche laut Annen ohnehin unter Druck steht: niedrigere Streaming-Einnahmen, weniger Förderungen, unsichere Konzertlandschaften. Für Annen wirkt Künstliche Intelligenz da wie ein "Brandbeschleuniger".
Besonders heikel: das Urheberrecht. KI wird derzeit meist mit urheberrechtlich geschützter Musik trainiert. Das Problem dabei: Die Künstler sehen in der Regel keinen Cent für ihre Arbeit. Das macht Annen besonders wütend:
Was bisher stattgefunden hat, war ein Raubzug an urheberrechtlich geschützten Stücken, mit denen dann riesige Werte geschaffen wurden, an denen wir nicht beteiligt werden. Das ist superproblematisch.
Christopher Annen, Musiker
Als Musiker und Vorsitzender des Verbands "Pro Musik" fordert er eine klare Kennzeichnung von KI-Musik und eine faire Bezahlung. "Wir müssen an den Erlösen beteiligt werden - sowohl für das Training als auch für den Output."
Country-Sänger Breaking Rust generiert monatlich 2,9 Millionen Spotify-Streams. Hinter der rauchigen Stimme steckt jedoch kein echter Sänger, sondern Künstliche Intelligenz.
09.12.2025 | 1:09 minMissbrauch von KI in der Musikbranche
Immer häufiger wird KI-generierte Musik zudem zu Betrugszwecken eingesetzt. Das zeigt der Fall der Musikerin Tara Nome Doyle. Betrüger veröffentlichten KI-Songs unter ihrem Namen - offenbar mit dem Ziel, die Einnahmen zu kassieren.
Für die Musikerin aus Berlin war das ein Schock. Die Plattformen reagierten, die KI-Songs wurden gelöscht. Ein ungutes Gefühl bleibt, sagt Nome Doyle im ZDF-Gespräch und fordert mehr Schutz für Musikschaffende.
Ab heute gelten in der EU strengere Vorschriften für Künstliche Intelligenz. Anbieter müssen nun mehr Daten offenlegen. Damit soll das Urheberrecht besser geschützt werden.
02.08.2025 | 1:40 minDabei kann Künstliche Intelligenz bei der Musikproduktion auch helfen: Sie kann das Mixen und Mastern von Songs übernehmen, damit Prozesse beschleunigen und Kosten senken, so Nome Doyle. Gleichzeitig bedeute das wiederum weniger Jobs:
Das sieht man ja jetzt schon, dass dann KI-Künstler erstellt werden, die man nicht bezahlen muss und die dann schön Klicks generieren.
Tara Nome Doyle, Musikerin
Künstliche Intelligenz als Chance
Ali Nikrang von der Hochschule für Musik und Theater in München hält die Sorge vieler Musikerinnen und Musiker für berechtigt. Gleichzeitig sieht der KI-Forscher aber auch ein enormes kreatives Potenzial: Neue Technologien hätten die Musik schon immer verändert.
Sein Vergleich: Die Schallplatte, einst gefürchtet - später Grundlage einer ganzen Industrie. Ähnlich könne es diesmal mit Künstlicher Intelligenz laufen, so Nikrang im ZDF-Gespräch.
"Digital by nature" heißt die erste große Einzelausstellung des Künstlers Miguel Chevalier in der Kunsthalle München. Er arbeitet seit vierzig Jahren mit Computer-Kunst, jetzt auch mit KI.
18.09.2025 | 2:26 minDenn klar sei auch: Rein technisch könne KI unabhängig vom Menschen zwar Musik komponieren. Und das relativ schnell und kostengünstig. Kunst lebe aber vor allem vom Kontext und von Bedeutung - und die können nur Menschen liefern.
Gerade darin liegt laut Nikrang auch die große Chance für die Musik:
Kunst muss sich weiterentwickeln. Wenn keine neuen Ideen entstehen, gibt es Stillstand und das kann nicht funktionieren.
Ali Nikrang, Professor für KI und Musikalische Kreation
KI könne dabei helfen, kreative Prozesse anzustoßen und neue Wege zu eröffnen - vorausgesetzt, sie wird verantwortungsvoll eingesetzt.
Musikbranche im Umbruch
Die Musikbranche steht an einem Wendepunkt. Künstliche Intelligenz kann vieles: Produktion demokratisieren, Kreativität pushen, neue Genres ermöglichen. Gleichzeitig stellt sie zentrale Fragen nach Urheberrecht und dem Wert von Kunst - und gerade diese Fragen müssen wohl noch geklärt werden.
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