US Open: Für Zverev kann sich im Finale Kreis schließen

Sechs Jahre nach verlorenem Endspiel:Für Zverev kann sich im US-Open-Finale ein Kreis schließen

von Petra Philippsen

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Vor sechs Jahren hatte Alexander Zverev in New York die große Chance auf seinen ersten Grand-Slam-Titel. Das Scheitern verfolgte ihn. Am Sonntag könnte sich der Kreis schließen.

Alexander Zverev feiert seinen Sieg gegen Karen Khachanov im Halbfinale der US Open in New York.

Alexander Zverev könnte mit dem Gewinn der US Open am Sonntag gegen den US-Amerikaner Ben Shelton seine letzten Kritiker zum Verstummen bringen.

Quelle: AP Photo / Kirsty Wigglesworth

Vor sechs Jahren war da nur Leere im New Yorker Arthur-Ashe-Stadium. Das Coronavirus herrschte, die gewaltig-hohen Tribünen des größten Tennisstadions der Welt daher menschenleer.

Und Alexander Zverev spürte nach diesem befremdlichen Finale bei den US Open auch eine Leere. Gegen den Österreicher Dominic Thiem hatte er mit 2:0 in den Sätzen geführt und brauchte nur noch zwei Punkte für den großen Triumph. Doch der gelang Zverev nicht.

Alexander Zverev schlägt den Ball im Halbfinale der US Open gegen Karen Khachanov zurück.

Alexander Zverev hat das Finale der US Open erreicht. Der Weltranglisten-Zweite gewann das Halbfinale gegen den Russen Karen Chatschanow mit 6:3, 7:6 (9:7), 7:6 (8:6).

12.09.2026 | 1:23 min

Sieg 2020 hätte bei Zverev viel Druck rausgenommen

Nun steht Zverev mit inzwischen 29 Jahren am Sonntag wieder im Endspiel von New York und für ihn könnte sich der Kreis einer langen Reise endgültig schließen. Denn diese zwei verpassten Punkte gegen Thiem waren Zverev wie böse Geister gefolgt.

Je länger es dauerte mit dem erhofften Grand-Slam-Sieg, desto mehr schwang die Frage mit, wie Zverevs Karriere wohl verlaufen wäre, hätte er 2020 diese beiden Punkte einfach gemacht. Genau lässt sich das nicht beantworten. Aber der Druck auf jenen, dem als Teenager schon prophezeit wurde, er würde einmal die Nummer eins der Welt werden, wäre weg gewesen.

Tennisspieler Alexander Zverev

Sechstes Grand-Slam-Finale, das dritte in 2026: Alexander Zverev über seinen Dreisatz-Sieg im Halbfinale und seine Leistungssteigerung bei den US Open. Interview: Jannik Schneider.

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Zverev hätte sich befreit von einem Ballast, den er danach sechs lange Jahre lang mitschleppte. Die Zweifel, auch von ihm selbst, spielten immer mit. Der eigene Frust, die Ungeduld wuchsen. Die kritischen Fragen mehrten sich über die Jahre und nervten ihn gewaltig. Zverev, der als kleiner Steppke schon mit Roger Federer trainieren durfte, lief Gefahr, das ewige Talent ohne großen Titel zu bleiben.

Ich habe daran geglaubt, dass es möglich ist, einen Grand Slam zu gewinnen. Ich glaube, die meisten von euch haben das nicht getan.

Alexander Zverev

Dieser fatale Abend in New York vor sechs Jahren hatte Spuren bei Zverev hinterlassen, bis zu den French Open in diesem Frühjahr. "Bis ich in Paris gewonnen habe" sei das so gewesen, sagte er nun, "das hat mir Ruhe gegeben." Die ist ihm anzumerken, Zverev scheint nach den unruhigen Jahren seine Mitte gefunden zu haben.

Zverev hat seinen Frieden gemacht

Er hat seinen Frieden gemacht mit den Geistern der Vergangenheit. Und mit seinem zweiten Grand-Slam-Sieg könnten sie ganz verschwinden. Ein leichter Makel schwingt bei seinem Paris-Triumph mitunter mit, schließlich hätte Zverev von den Schwächen und Verletzungen der Dominatoren Jannik Sinner und Carlos Alcaraz profitiert, heißt es.

Auch in New York hatte sich Zverev gegen keinen von beiden behaupten müssen. Sinner fehlte verletzt, Alcaraz schied im Viertelfinale aus. Zverevs Schuld ist das nicht und es hatte in der Vergangenheit schon Champions gegeben, die auf dem Weg zum Titel keinen Gegner aus den Top Ten bezwingen mussten.

Mit zweitem Titel würde letzte Kritik gegen Zverev verstummen

Hinterher fragt niemand mehr nach dem Wie, nur die Trophäe zählt. Doch Zverev würde mit seinem zweiten Grand-Slam-Erfolg wohl auch die letzten Stimmen verstummen lassen, die seinen Paris-Titel nur als glückliche Fügung sehen. Als Sieg einer Eintagsfliege. Zverev tangiert das Gerede nicht mehr.

Manchmal laufen die Dinge einfach für einen. Ich hatte bei den Majors oft zu kämpfen und war so oft ganz nah dran. Vielleicht hat Gott dieses Jahr gesagt: "Das wird dein Jahr, genieße einfach die Zeit auf dem Platz." Und ich genieße es.

Alexander Zverev

Zverev spielt die beste Saison seines Lebens, stand auch in Wimbledon im Finale. In New York steigerte er sich nach schwachem Auftakt zur Bestform. Im Endspiel gegen den US-Amerikaner Ben Shelton ist Zverev der klare Favorit, der 23-Jährige spielt wie er damals sein erstes großes Finale.

Zverev wird 24.000 Fans gegen sich haben

Noch nie hat Zverev gegen Shelton verloren, kann nun der erste deutsche US-Open-Sieger seit Boris Becker 1989 werden. Drei Finals hintereinander hatte aber nicht einmal Becker geschafft.

Screenshot aus Video: Doppel-Interview Tennis

Nach ihrem Sieg im Halbfinale bei den US Open sind Kevin Krawietz und Tim Pütz zufrieden mit ihrer Leistung. Ein Sieg fehlt noch zum ersten gemeinsamen Major-Titel.

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Anders als 2020 werden die Tribünen des Arthur-Ashe-Stadiums randvoll sein, mit 24.000 euphorischen Fans, die Shelton zum ersten US-Sieger seit 23 Jahren schreien wollen. Zverev freut sich auf die Atmosphäre. "Am Ende des Tages wird es ein Riesenmatch. Und hoffentlich kann ich den amerikanischen Traum am Sonntag verhindern."

Alexander Zverev

Nach seinem souveränen Halbfinaleinzug bei den US Open stimmt Alexander Zverev auch kritische Töne an. Zudem spricht er über den Spielzeiten-Wechsel und seinen Halbfinal-Gegner.

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