Radsport-WM in Montreal:Wo Deutschland auf Medaillen hoffen kann
von Benno Krieger
Am Sonntag startet die einwöchige Rad-WM. Die Strecke in Kanada ist flacher als im Jahr zuvor in Ruanda. Die deutschen Medaillenchancen sind höher und das liegt nicht an Lipowitz.
Im Mixed-Zeitfahren, hier Franziska Koch, Justyna Czapla und Antonia Niedermaier bei der WM 2025, rechnet sich das deutsche Team Medaillenchancen aus.
Quelle: imagoFlorian Lipowitz bestreitet nach seinem Schlüsselbeinbruch bei der Tour de France im Juli sein erstes großes Rennen bei der Radsport-WM in Montreal. Lipowitz startet nur im abschließenden Straßenrennen am 27. September. Eine Top-Platzierung für ihn ist aber unwahrscheinlich. Die Weltmeisterschaft dient eher als Härtetest.
Die Strecke mit 3.800 Höhenmetern weist keine langen Anstiege auf, an denen der Tour-de-France-Dritte von 2025 seine Stärken ausspielen kann. Außerdem ist Lipowitz kein Spezialist für Eintagesrennen und nach der Verletzungspause nicht in Topform.
Wiedererstarkte deutsche Mixed-Staffel
Insgesamt ist das deutsche Team im Vergleich zum Vorjahr stärker. 2025 war einigen die Reise nach Ruanda zu aufwändig. Zudem ging vor Ort eine Magen-Darm-Welle durch die Mannschaft. Insbesondere das Mixed-Zeitfahrteam war dadurch stark geschwächt. In Kanada zählt die Staffel im Rennen am Dienstag zu den größten Medaillenhoffnungen Deutschlands.
Das deutsche Aufgebot für die Radsport-WM 2026
Antonia Niedermaier (23/Rosenheim)
Franziska Koch (26/Mettmann)
Jasha Sütterlin (33/Freiburg)
Max Walscheid (33/Neuwied)
Nikias Arndt (34/Buchholz)
Jasha Sütterlin (33/Freiburg)
Max Walscheid (33/Neuwied)
Antonia Niedermaier (23/Rosenheim)
Franziska Koch (26/Mettmann)
Ricarda Bauernfeind (26/Ingolstadt)
Antonia Niedermaier (23/Rosenheim)
Franziska Koch (26/Mettmann)
Liane Lippert (28/Friedrichshafen)
Ricarda Bauernfeind (26/Ingolstadt)
Linda Riedmann (23/Karbach)
Florian Lipowitz (25/Laichingen)
Marco Brenner (24/Augsburg)
Georg Zimmermann (28/Augsburg)
Felix Engelhardt (26/Ulm)
Nico Denz (32/Waldshut-Tiengen)
Maximilian Schachmann (32/Berlin)
2019, 2021, 2023 und 2024 hat Deutschland in dieser Disziplin bereits Edelmetall gewonnen. Aus dem diesjährigen Team haben sogar alle sechs Fahrer bereits mit der deutschen Staffel auf dem Podium gestanden. Arndt und Walscheid wurden 2021 mit Deutschland sogar Weltmeister. Das Männer-Trio zusammen mit Sütterlin ist sehr erfahren, und die Frauen, insbesondere Niedermaier und Koch, kennen sich bestens.
Frauen: Hoffnungsträgerin Franziska Koch
Frauen-Bundestrainer Andre Korff hofft mit Franziska Koch und Antonia Niedermaier bereits im Einzelzeitfahren der Frauen am Sonntag - dem ersten Rennen dieser WM - auf eine gute Platzierung. Klare Favoritin ist Titelverteidigerin Marlen Reusser (Schweiz). Dahinter wirkt der Kampf ums Podium offen. Ein Platz unter den besten Zehn ist für die beiden Deutschen auf jeden Fall drin, wenn alles passt, gar eine Medaille.
Sonntag 20.09. (15:00 – 17:20 Uhr):
Einzelzeitfahren Frauen (39 km / 220 Höhenmeter)
Sonntag 20.09. (18:45 – 21:15 Uhr):
Einzelzeitfahren Männer (39 km / 220 Höhenmeter)
Dienstag 22.09. (14:30 – 17:15 Uhr):
Teamzeitfahren Mixed (41 km / 290 Höhenmeter)
Samstag 26.09. (17:00 – 20:00 Uhr):
Straßenrennen Frauen (180 km / 2.570 Höhenmeter)
Sonntag 27.09. (17:30 – 21:30):
Straßenrennen Männer (274 km / 3.800 Höhenmeter)
Im Straßenrennen liegt der Fokus auf Franziska Koch. Hügelige Eintagesrennen, wie das am kommenden Samstag in Montreal, liegen der dreifachen Deutschen Meisterin. Dazu fährt die 26-Jährige mit ihrem Sieg bei Paris-Roubaix und Platz drei bei Strade Bianche die bisher beste Saison ihrer Karriere. Mit Liane Lippert und Antonia Niedermaier als Co-Kapitäninnen hat Deutschland sogar drei Fahrerinnen mit Top-10- oder gar Top-5-Potenzial.
Herren: Top-10-Platzierung als Ziel
Für das Zeitfahren am Sonntag hat Männer-Bundestrainer Jens Zemke mit Max Walscheid und Jasha Sütterlin zwei Fahrer nominiert, die mit dem flachen und kurvenreichen Kurs durch die kanadische Metropole gut zurechtkommen dürften. Die Chancen stehen jedoch etwas schlechter als bei den Frauen.
Top-Sprinter Paul Magnier (Frankreich) hat die letzte Etappe der Deutschland Tour gewonnen. Die Gesamtwertung ging an Top-Favorit Isaac del Toro.
23.08.2026 | 1:49 minWalscheids beste WM-Platzierung ist bisher Rang 11 im Zeitfahren. In Montreal will der 33-Jährige erstmals unter die besten Zehn. Die Konkurrenz ist groß. Hinter Titelverteidiger Remco Evenepoel (Belgien) zählen Filippo Ganna (Italien) und der formstarke Stefan Küng (Schweiz) zu den Favoriten.
Ein Platz unter den besten Zehn im Straßenrennen der Männer wäre laut Zemke für die deutschen Fahrer ein "Traumergebnis". Die besten Karten dafür dürften Eschborn-Frankfurt-Sieger Georg Zimmermann, der erfahrene Max Schachmann und Marco Brenner haben. Gerade Brenners Form nach seinem Etappenerfolg bei der Vuelta a Espana und dem Gesamtsieg bei der Polen-Rundfahrt macht Hoffnung.
Bessere Medaillenchancen als bei WM 2025
Auch in der U23-Altersklasse haben die Deutschen bei den Frauen die etwas besseren Chancen. Bundestrainer Korff setzt dort auf Justyna Czapla. Die 22-Jährige fuhr im vergangenen Jahr aushilfsweise in der Mixed-Staffel mit und ist im Zeitfahren am Montag aussichtsreiche Medaillenkandidatin. Große deutsche Favoriten gibt es ansonsten bei den U23- und Juniorenrennen nicht. Gleichzeitig haben viele die Möglichkeit vorne mitzumischen.
- Rückblick: Was bleibt von der Rad-WM in Ruanda?
In jedem Fall stehen nach der medaillenlosen WM in Ruanda die Chancen besser, aus Kanada wieder mit Edelmetall zurückzukehren. Denn außer dem deutschen Zeitfahrmeister Nils Politt und dem verletzten Karl Herzog bei den Junioren konnten die Bundestrainer aus den Vollen schöpfen.