Argentiniens Trainer Scaloni: Der Mann, der es Maradona zeigte

Argentiniens Trainer Scaloni im Porträt:Der Mann, der es Diego Maradona zeigte

von Heiko Oldörp

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Lionel Scaloni sollte eine Notlösung sein, ist nun aber schon seit acht Jahren Nationaltrainer Argentiniens. Zu drei Titeln hat er das Land geführt. Der vierte könnte bald folgen.

Argentiniens Trainer Lionel Scaloni.

Argentiniens Trainer Lionel Scaloni

Quelle: dpa

Diego Maradona war direkt. "Ein super Typ, aber er kann noch nicht einmal den Verkehr regeln", unkte Maradona, als Argentiniens Fußball-Verband im Herbst 2018 Lionel Scaloni als neuen Nationaltrainer vorstellte.

Scaloni hatte den Posten zwar schon im August des Jahres übernommen. Aber er war nur als Interimslösung für zwei Länderspiele eingeplant. Doch nun sollte "dieser Junge", wie Maradona Scaloni bezeichnete, tatsächlich die Nationalmannschaft trainieren? Für den Fußball-Gott ein Unding.

Menotti? Martino? Nein, Scaloni

Vor allem, da Scaloni keine Trainer-Erfahrung hatte und es laut Maradona bessere Optionen gab. Cesar Luis Menotti zum Beispiel, den Weltmeister-Coach von 1978, oder Gerardo Martino, mit dem Maradona einst bei Newell's Old Boys in Argentinien zusammenspielte.

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Seitdem ist viel passiert. Maradona und Menotti leben nicht mehr, Argentinien ist 2022 Weltmeister geworden, hat zudem 2021 und 2024 jeweils die Südamerika-Meisterschaft, die Copa America, gewonnen. All dies hat natürlich viel mit Lionel Messi zu tun, aber eben auch mit Scaloni.

Zweiter der ewigen Trainerliste der Nationalmannschaft

Aus dem angedachten Intermezzo ist eine erfolgreiche Langzeitlösung geworden. Scaloni wird am Mittwoch (21 Uhr in der ARD) im Halbfinale der WM 2026 gegen England zum 103. Mal als Coach an der Seitenlinie stehen.

Länger im Amt - und erfolgreicher in der Anzahl der Titel - war nur Guillermo Stabile. Der hatte von 1939 bis 1958 in 127 Länderspielen das Sagen und sechs Mal die Copa America gewonnen. Was ihm seine Länderspiele bedeuten? Es sei "eine gewaltige Zahl, vor allem in diesem Trikot", betont Scaloni. Er weiß, welche Rolle der Fußball in seiner Heimat spielt. Dass er dort mehr ist als nur Sport.

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Scaloni 2006 gemeinsam mit Messi auf der Bank

Der einstige Rechtsverteidiger hat selbst erlebt, was es bedeutet, das Nationaltrikot zu tragen. 1997 wurde Scaloni mit Argentinien U20-Weltmeister. 2006 gehörte er zum Kader für die WM in Deutschland und saß - zusammen mit dem damals 19-jährigen Messi - auf der Bank, als im Viertelfinale gegen Deutschland das Aus kam.

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Aber ob Sieg oder Niederlage, gute oder schlechte Partie, Scaloni sieht immer erst den Menschen und dann den Fußballer. "Argentiniens größte Stärke ist nicht Messi, sondern Scalonis Humanität", schreibt die "USA Today".

"Wir sind keine Fußballspieler, sondern Menschen, die Fußball spielen", hebt Scaloni-Schützling Rodrigo de Paul einen der Leitsätze seines Nationalcoaches hervor. "Wenn du weißt", sagt der Mittelfeldmann, "da ist ein Trainer, der deine persönlichen Probleme, Träume und Freude versteht, fühlst du dich viel wohler".

Scaloni eher auf der Bremse als auf dem Gaspedal

In einem Land, das bei jedem Ballkontakt von Messi reflexartig in Ekstase gerät, drückt Scaloni nicht noch zusätzlich aufs Gaspedal, sondern sucht eher die Bremse.

Als Enzo Fernandez in der Nachspielzeit des Achtelfinales gegen Ägypten das 3:2 köpfte und somit Argentiniens Drei-Tore-Aufholjagd krönte, rannte Scaloni nicht jubelnd auf den Rasen, sondern hielt sich ungläubig die Hände vor Nase und Mund.

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Messi mit grandioser Tor-Quote unter Scaloni

Von seinen 102 Länderspielen hat er 75 gewonnen und nur neun verloren. Und Messi entdeckte unter Scaloni seine Torjäger-Qualitäten, weil dieser ihm vorne alle Freiheiten gewährt und andere hinter ihm überzeugt hat, die Defensivarbeit für das Fußball-Phänomen zu übernehmen.

Für Scaloni hat Messi in 77 Spielen 60 Tore erzielt. In der Zeit vor ihm, als die Nationaltrainer unter anderem Maradona und Martino hießen, waren es in 128 Partien 65 Treffer.

Apropos Maradona: Auf dessen Worte nach seiner Verpflichtung als Nationaltrainer angesprochen, meinte Scaloni einst, dass die Kritik "total normal" gewesen sei:

Ich hatte zwar eine Trainer-Ausbildung, aber keine Erfahrung, das war Realität.

Lionel Scaloni, seit 2018 Nationaltrainer

Deshalb habe er damals gewusst: "Ich musste zeigen, dass ich es drauf habe." Was ihm gelungen ist - schon vor dem Halbfinale der WM 2026 gegen England.

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