Fußball-WM: Endet endlich Schottlands Geschichte des Scheiterns?

Die Bravehearts gegen Brasilien:Endet Schottlands Geschichte des Scheiterns?

von Maik Rosner

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Die Schotten haben in ihrem 13. großen Turnier die große Chance, erstmals eine K.o.-Runde zu erreichen. Sollte das gegen Brasilien gelingen, käme das einer Befreiung gleich.

Andy Robertson und Lawrence Shankland von Schottland

Die gute Laune ist da, könnte sich, wenn es mit dem Einzug in die K.o.-Runde klappt, aber noch steigern.

Quelle: Imago

Niemand weiß besser als die Schotten, dass das Scheitern zum menschlichen Dasein gehört. Jedenfalls gilt das für jenen Teil der rund fünfeinhalb Millionen Menschen ganz im Norden der Britischen Inseln, die es mit ihrer Fußball-Nationalmannschaft halten.

An ihrer neunten Weltmeisterschaft nehmen die kickenden Bravehearts bereits teil, doch nie sind sie bisher über die Gruppenphase hinausgekommen. Und auch bei ihren vier Europameisterschaften blieb das Erreichen der K.o.-Runde immer ein unerfüllter Wunsch.

Zur Geisterstunde gegen Brasilien

Es könnte also Geschichte geschrieben werden, wenn Schottland genau zur Geisterstunde um 00:00 Uhr deutscher Zeit in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag in Miami auf Brasilien trifft. Mit einem Unentschieden hätte die Mannschaft von Trainer Steve Clarke vier Punkte gesammelt, was ihr in diesem WM-Modus nach ihrem 1:0 gegen Haiti und 0:1 gegen Marokko in den beiden vorigen Gruppenspielen einen stabilen dritten Platz und das Weiterkommen bescheren würde. Auch ein müdes 0:0 würde dafür genügen.

Der schottische Nationalspieler Scott McTominay versucht sich beim WM-Spiel gegen seinen marokkanischen Kontrahenten Issa Diop durchzusetzen.

Im zweiten Spiel der Gruppe C treffen Schottland und Marokko in Boston aufeinander. Der Sieger macht einen großen Schritt Richtung K.-o.-Runde.

20.06.2026 | 6:01 min

Es fällt nicht schwer, sich vorzustellen, dass die ohnehin feierfreudigen schottischen Fans dieses für sie sporthistorische Ereignis wie eine Befreiung zelebrieren würden. Sogar eine nicht allzu hohe Niederlage könnte den Schotten reichen, um einer der besten acht Gruppendritten zu werden, die ins Sechzehntelfinale einziehen. Nur vier Gruppendritte scheiden aus. Aber bitte nicht wieder wir, sagen die Schotten.

Bei der WM 1974 fehlte nur ein Treffer

Ihre Stoßgebete richten sich längst an den Fußballgott, an Torwart Angus Gunn und an Mittelfeldstar Scott McTominay - oder an alle drei gleichzeitig. "The Scottish Sun" klammerte sich gar an eine Hochrechnung, wonach eine Niederlage mit drei Toren Unterschied mit einer Wahrscheinlichkeit von 55 Prozent zum Einzug in die K.o.-Runde reichen würde. "Reden wir uns das in den kommenden Tagen immer wieder ein", empfahl das Boulevardblatt.

Die Schotten sind leidgeprüft. Bei der WM 1974 in Deutschland schieden sie sogar nach einem Sieg und zwei Unentschieden aus, was schon als besondere Kunstform des Scheiterns bezeichnet werden kann. Einzig die Tordifferenz war damals schlechter als die der punktgleichen Jugoslawen und Brasilianer. Nur ein läppisches Tor fehlte den Schotten.

Der schottische Nationalspieler Lewis Ferguson geht im Zweikampf mit dem haitianischen Nationalspieler Danley Jean Jacques zu Boden

Als klarer Favorit ist Schottland in das WM-Gruppenduell mit Haiti gegangen. Doch der Inselstaat wehrte sich nach Kräften.

14.06.2026 | 5:36 min

Schottland und die Tordifferenz

Auch vier Jahre später in Argentinien wurden die Bravehearts nur aufgrund der Tordifferenz Dritter, diesmal im Vergleich zu den Niederlanden. Und auch weitere vier Jahre später, bei der WM 1982, scheiterten die Schotten zum dritten Mal hintereinander als Gruppendritter an ihrer Tordifferenz. Bei der EM 1996 in England traf Schottland in der Gruppe auf die Gastgeber und - man ahnt es - schied nach einer 0:2-Niederlage gegen den Erzrivalen als Dritter aufgrund der schlechteren Tordifferenz aus.

Nun sind die Bravehearts erstmals seit der WM 1998 wieder beim Weltturnier dabei. Vielleicht musste es so kommen, dass das Spiel der Gegensätze gegen den Rekordweltmeister Brasilien ihr Schicksal bestimmt. Zum fünften Mal begegnen die Schotten bereits der Seleção, kein anderes Gruppenspiel gab es in der WM-Geschichte häufiger.

Ein unrühmlicher Rekord droht

Neunmal die K.o.-Phase zu verpassen, wäre ein unrühmlicher Rekord. Aber es gibt Hoffnung. Erstens ermöglichte McTominay mit einem geradezu brasilianisch anmutenden Fallrückziehertor gegen Dänemark maßgeblich die Qualifikation zur WM. Zweitens wirkt diese brasilianische Auswahl fragiler als viele ihrer Vorgänger. Und drittens kommt es Schottland womöglich entgegen, dass es als chancenlos betrachtet wird.

"Manchmal ist die schottische Psyche so: Wir fühlen uns wohler, wenn wir die Außenseiter sind", sagte Clarke. Vielleicht heilt die schottische Seele ja in Miami.

Schottlands Scott McTominay jubelt ausgelassen mit seinem Team über die WM-Qualifikation

Schottland hat es geschafft. Im Hexenkessel Hampden Park besiegen die Schotten in einem turbulenten Spiel dezimierte Dänen. Die Entscheidung fällt in der Nachspielzeit.

19.11.2025 | 2:54 min

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