Fußball-WM: Vom Schiedsrichter zum Supervisor

Technische Entwicklung bei der WM 2026:Wenn der Schiedsrichter zum Supervisor wird

von Pauline Herrle

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Ein Smartball, 3D-Avatare und KI-Systeme: Die WM zeigt, wie rasant der Fußball technischer wird. Für Schiedsrichter bedeutet das Unterstützung – aber auch eine völlig neue Rolle.

Schiedsrichter Espen Eskas im Spiel von Portugal gegen Kroatien.

Schiedsrichter Espen Eskas in Diskussion mit den kroatischen Nationalspielern, nachdem das Last-Minute-Tor gegen Portugal aufgrund eines Sensorsausschlags des Balls zurückgenommen wurde.

Quelle: action press

Ein Spielball, der geladen werden muss, digitalisierte Spieler als 3D-Avatare und eine neue Ball-im-Aus-Technologie: Bei der Fußball-WM 2026 kommt mehr Technik zum Einsatz als je zuvor. Am kuriosesten ist wohl der neue offizielle Spielball: Der "Trionda" ist quasi ein "Smartball".

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WM-Spielball muss regelmäßig aufgeladen werden

Im Inneren des Balls steckt ein Bewegungssensor. Er erfasst dessen Bewegungen 500-mal pro Sekunde und übermittelt die Daten in Echtzeit an den VAR-Raum. So können die Offiziellen den nahezu exakten Zeitpunkt einer Ballberührung bestimmen. Der Clou: Der Ball muss regelmäßig aufgeladen werden. Eine Ladung reicht mindestens für eine Partie, dann muss der Ball wieder induktiv geladen werden.

Der neue Sensor des Balls schlug bei der laufenden WM bereits an: Im Sechzehntelfinale zwischen Portugal und Kroatien (2:1) schoss Joško Gvardiol nach Vorlage von Mario Pašalić für die Kroaten in der Verlängerung vermeintlich den Ausgleich. Die TV-Bilder ließen offen, ob Teamkollege Igor Matanović den Ball in der Torvorbereitung berührt hatte.

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Die Sensordaten registrierten einen minimalen Kontakt Matanovićs und belegten damit eine Abseitsstellung des finalen Vorlagengebers Pašalić - der Treffer wurde aberkannt. Für ZDF-Schiedsrichterexperte Thorsten Kinhöfer ist das ein Gewinn für die Schiedsrichter. "Klar, diese neue Technik geht manchmal zu Lasten von Emotionen und führt zu neuen Diskussionen." In Kroatien sorgte die Entscheidung für erheblichen Ärger.

Wenn ich die Technik rufe, dann kann ich sie nicht kritisieren, wenn sie zum Einsatz kommt.

ZDF-Schiedsrichterexperte Thorsten Kinhöfer

Neue Ball-Aus-Technik kam noch nicht zum Einsatz

Neu ist auch die Ball-im-Aus-Technologie. Sie basiert auf dem Kamerasystem der halbautomatischen Abseitserkennung und nutzt 16 Trackingkameras in jedem Stadion.

Eingesetzt werden darf sie allerdings nur in Situationen, in denen auch der Video-Assistent eingreifen kann - etwa bei Toren oder Strafstößen. Noch kam die Technologie nicht zum Einsatz. Kinhöfer ist dennoch überzeugt: "Sie wird sich durchsetzen."

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Sofortiger Audioalarm bei Abseitsstellung

Auch die halbautomatische Abseitserkennung wurde für die WM 2026 weiterentwickelt. Alle 1.248 Spieler der 48 Kader wurden vor dem Turnier als 3D-Avatare erfasst. Während des Spiels verfolgen Kameras ihre Bewegungen, während der Sensor im Ball den Zeitpunkt des Zuspiels bestimmt.

Steht ein Spieler klar im Abseits, erhalten die Offiziellen einen sofortigen Audioalarm, statt wie im vergangenen Turnier auf eine manuelle Videolinie zu warten. Für die Zuschauer werden die Entscheidungen anschließend als 3D-Grafiken visualisiert.

Die Rolle des Schiedsrichters im Wandel

Gleichzeitig arbeitet das System deutlich präziser als bei der vergangenen WM. Die höhere Genauigkeit führte bereits zu knappen Entscheidungen, etwa beim aberkannten vermeintlichen 1:0 Kolumbiens gegen Portugal (Endstand: 0:0).

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Die FIFA setzt bei der laufenden WM stärker denn je auf technische Unterstützung. Für die Schiedsrichter bedeutet das mehr Präzision, aber auch einen Rollenwandel. Viele Entscheidungen, insbesondere jene der Assistenten, können mittlerweile automatisiert getroffen werden - von Einwürfen bis hin zu Eck- und Abstößen.

Der Mensch Schiedsrichter wird in Zukunft die Rolle des Supervisors spielen.

ZDF-Schiedsrichterexperte Thorsten Kinhöfer

Vollständig ersetzen werde die Technik den Menschen aber nicht, sagt Kinhöfer: "Noch bleibt der Schiedsrichter die entscheidende Instanz." Die WM 2026 zeigt jedoch, wohin die Entwicklung geht.

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