Letzte Mission von Trainer Deschamps:Was Frankreich vor dem WM-Auftakt noch Sorgen bereitet
von Frank Hellmann, New York
Frankreichs Nationaltrainer steht bei seinem letzten Turnier im Fokus. Sorgen macht ihm vor dem Auftakt weniger die WM-Pleite gegen Senegal vor 24 Jahren als der Reisestress.
Für Didier Deschamps, französischer Nationaltrainer, wird die Fußball-WM 2026 wohl die letzte sein.
Quelle: imagoFast ein bisschen schade, dass die französische Nationalmannschaft bei ihrer Stippvisite in New York während der Fußball-WM keinen Abstecher ins Rockefeller Center machen kann. Dort sind im Herzen der Megacity historische Momente der WM-Geschichte mit viel Liebe zum Detail ausgestellt. Devotionalien von den Triumphen der "Equipe Tricolore" von 1998 und 2018 dürfen da natürlich nicht fehlen.
Beide Male hatte Didier Deschamps entscheidenden Anteil: Das erste Mal hielt der "General" genannte Mittelfeldmann dem Genius Zinedine Zidane den Rücken frei, um in der Heimat zu reüssieren, zwei Jahrzehnte später lenkte er als Trainer die Grande Nation mit einem gewissen Pragmatismus in Russland zur Krönung. Doch nun, nach 14 Jahren in dem Amt, soll nach der WM 2026 Schluss sein.
Topfavorit Frankreich mit all seinen Superstars bekommt es in Gruppe I mit Erling Haalands Norwegern zu tun. Außerdem in der Gruppe: Senegal und der Irak.
28.05.2026 | 2:11 minKlar, dass sich vor dem Auftaktspiel gegen Senegal (Dienstag, 21 Uhr MESZ) viele Augen auf den in Ehren ergrauten 57-Jährigen richten. Die Auftaktpartie weckt unweigerlich Erinnerungen: Bei der WM 2002 leistete sich Frankreich im Eröffnungsspiel in Seoul gegen die Senegalesen eine 0:1-Pleite. Deschamps hatte seine aktive Karriere nach dem EM-Titel 2000 zwar beendet, trotzdem erreichten ihn am Montag in East Rutherford Fragen zur Vergangenheit.
Frankreich mit schwieriger Gruppe
"Die meisten Spieler waren 2002 noch nicht einmal geboren. Für Senegal war das damals ein schöner Moment, aber wir werden sicherstellen, dass das Ergebnis diesmal für uns positiv ausfällt", sagte er. Leicht werde es gegen die Mannschaft um Topstar Sadio Mané aber nicht, die eigentlich auch als Afrikameister gekommen wäre, wenn der eigene Kontinentalverband ihr diese Auszeichnung nach den skandalösen Vorfällen beim Endspiel gegen Marokko nicht aberkannt hätte.
Sie sind eines der besten Teams in Afrika und weltweit.
Didier Deschamps, französischer Nationaltrainer
Ohnehin findet er nicht, dass sein Ensemble einen leichten Weg habe: "Man muss nur auf unsere Vorrundengruppe schauen, die ist mit den Gegnern Senegal, Irak und Norwegen schwierig."
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Lange Reisen sorgen Deschamps
Am meisten Respekt hat der Grandseigneur ohnehin vor dem Reisestress. Deswegen brachte er auch nicht seinen Kapitän Kylian Mbappé mit zur Pressekonferenz draußen auf einem ehemaligen Sumpfgebiet, das sich heute Meadowlands Sports Complex nennt. "Mein oberstes Ziel ist es, die Spieler zu schützen." Tatsächlich herrschten bereits bei der Partie Brasilien gegen Marokko vor und nach Abpfiff chaotische Zustände rund um die Heimstätte der NFL-Klubs New York Giants und New York Jets.
Genau darüber hatte sich Deschamps bereits im März bei der US-Reise beklagt: "Wir haben Probleme mit den Anfahrtswegen. Nicht wegen der Entfernung, sondern wegen der Zeit." Im März hatten "Les Bleus" in Foxborough, weit draußen vor den Toren von Boston, und im Northwest Stadium nahe der Hauptstadt Washington getestet und lange zu den Stadien gebraucht. "Das Klima, die Reiserei" seien auch jetzt wieder die Herausforderungen, wenn die US-Tour seine Fußballer über New Jersey nach Philadelphia und Foxborough führt.
Dickes Lob für Michael Olise
Wenn erst einmal der Ball rollt, sind diese Franzosen allerdings nur noch schwer zu stoppen. Eine Angriffsreihe mit Ousmane Dembélé von Paris Saint-Germain, Michael Olise vom FC Bayern und eben Torjäger Kylian Mbappé von Real Madrid sucht seinesgleichen.
Für den zum besten Bundesligaspieler gewählten Olise hatte Deschamps zuletzt in einem "Welt"-Interview viel Lob: "Er strotzt vor Selbstvertrauen und ist unglaublich entscheidungsfreudig." Es sei kein Geheimnis, dass der 24-Jährige introvertiert sei.
Es hat etwas gedauert, bis er aufgetaut ist, doch er ist ein sehr sympathischer Junge.
Didier Deschamps
Mit ihm harmoniert auch Mbappé immer besser, der sich selbst bei diesem XXL-Turnier für den Trainer in der Bringschuld sieht: "Die beste Art, ihm Tribut zu zollen, ist der WM-Sieg. Denn er liebt es, zu gewinnen. Deshalb werden wir dafür sorgen, dass er die beste WM aller Zeiten erlebt." Und dann vielleicht sogar auch einen Platz im Museum bekommt?
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