Neuer Ligaverband will gegensteuern:Warum die besten Bundesliga-Spielerinnen nach England gehen
von Pauline Herrle
Cerci, Nusken, Knaak & Co. zieht es nach England. Warum die Women’s Super League der Bundesliga enteilt ist - und wie der neue Ligaverband den Rückstand aufholen will.
Die Frauen-Bundesliga wächst, aber immer mehr Top-Spielerinnen zieht es ins Ausland. Darunter auch Nationalspielerinnen wie Lea Schüller und Selina Cerci. Woran das liegt.
19.08.2026 | 1:40 minVor vier Jahren standen sich Deutschland und England im Finale der Frauen-Europameisterschaft gegenüber. England gewann im eigenen Land - und der Titel gab dem wachsenden Frauenfußball auf der Insel einen weiteren Schub. Heute sind die Folgen des englischen Booms auch in Deutschland zu spüren.
Immer mehr deutsche Top-Spielerinnen wechseln in die englische Women’s Super League (WSL). Nahezu die Hälfte der deutschen Nationalspielerinnen spielt mittlerweile im Ausland, die meisten davon in England. Rebecca Knaak, Sjoeke Nüsken, Lea Schüller, Selina Cerci, Vivien Endemann und Sydney Lohmann sind Beispiele dafür. Für ZDF-Expertin Kathrin Lehmann ist der Trend eindeutig:
Es ist vor allem die englische Liga, die zieht. Deutschland ist klar Nummer zwei, wenn wir jetzt in Europa bleiben.
Kathrin Lehmann, ZDF-Expertin
Frauen-Bundesliga von Women's Super League überholt
Auch internationale Stars kehren der Bundesliga den Rücken. Georgia Stanway wechselte vom FC Bayern nach England und verwies dabei auf den Wunsch nach einer Liga mit größerem Wettbewerb und dauerhaft hohem Druck. Dass England inzwischen die besten Spielerinnen aus der Bundesliga anzieht, kommt für Lehmann nicht überraschend: "Viele Jahre war Deutschland das Maß der Dinge. Andere Ligen haben sich das abgeschaut und Deutschland überholt."
Die Frauen des FC Bayern starten standesgemäß in die neue Saison. Mit einem 3:0 gegen den VfL Wolfsburg gewinnen sie den DFL-Supercup - zum dritten Mal in Serie.
15.08.2026 | 6:59 minDer Aufstieg der WSL begann allerdings nicht erst mit der Heim-EM 2022. Bereits seit 2018/19 gelten für die Vereine professionelle Mindeststandards, etwa bei Jugendakademien, Investitionen und Trainingsumfang. Frauenfußball wurde damit zunehmend zum Vollzeitberuf.
Arsenal, Chelsea und Co. mit hohen Jahresumsätzen
Heute kommen acht der 15 umsatzstärksten Frauenfußballklubs der Welt aus England. Arsenal führt mit rund 25,6 Millionen Euro Jahresumsatz. Der FC Bayern als bester deutscher Klub steht auf Platz Neun und kommt auf nur rund 7,2 Millionen Euro.
Den größten Anteil an den Umsätzen der englischen Teams machen kommerzielle Einnahmen aus. Das Geld ermöglicht weitere Investitionen - etwa in weitere Vermarktung und Zuschauergewinnung. Arsenal versucht beispielsweise, seine unterschiedlichen Zielgruppen mithilfe von Daten besser zu verstehen. Das Ergebnis: Arsenal kam vergangene Saison auf einen Zuschauerschnitt von mehr als 33.000.
Zweitligist Viktoria Berlin ist ein Sonderfall im Frauenfußball. Die Himmelblauen sind an keinen großen Männerverein angedockt und werden von Gründerinnen geführt. Und die haben große Pläne.
12.05.2026 | 1:35 minDas zeigt, worum es im modernen Frauenfußball zunehmend geht: Nicht allein um sportliche Qualität, sondern um ein professionelles Gesamtprodukt. Das Ergebnis ist eine Liga mit mehreren ambitionierten Klubs.
Das plant der neue Ligaverband
In Deutschland soll nun ein neuer Ligaverband für das professionelle Gesamtprodukt sorgen. Der Frauen-Bundesliga FBL e.V. wurde im vergangenen Dezember gegründet und soll die Frauen-Bundesliga ab der Saison 2027/28 unabhängig vom DFB organisieren. Katharina Kiel, Präsidentin des neuen Ligaverbands, sieht einen zentralen Ansatzpunkt bei den Arbeitsbedingungen der Spielerinnen:
Wenn die Spielerinnen keine professionellen Bedingungen haben, dann leidet am Ende das Spiel - und das ist das Wichtigste.
Katharina Kiel, Präsidentin Frauen-Bundesliga FBL
Der Verband will den Frauenfußball zudem unabhängiger vom Männerfußball machen und eine eigene Identität schaffen. Ein zentraler Hebel ist die Vermarktung. Nicht nur die 90 Minuten auf dem Platz sollen verkauft werden. Die Liga will Klubs und Spielerinnen stärker zu ihren wichtigsten Botschaftern machen, Geschichten erzählen und große Spiele zentral vermarkten.
Gesamtprodukt "Frauen-Bundesliga" soll überzeugen
Kiel spricht von einer "Always-on-Strategie": Auch zwischen den Spieltagen sollen hochwertige Inhalte entstehen, die Interesse wecken und Zuschauerinnen und Zuschauer für die Spiele begeistern.
Die BVB-Frauen steigen in die Landesliga auf und planen für die Zukunft. Die SGS Essen hat den Bundesliga-Klassenerhalt geschafft, die Talente sind bei der Konkurrenz begehrt.
21.05.2023 | 27:32 minOb das reicht, um den Rückstand auf England aufzuholen, wird sich erst in einigen Jahren zeigen. Die Entwicklung lässt sich nicht innerhalb einer Saison umkehren. Eine Chance bietet die Frauenfußball-Europameisterschaft 2029 in Deutschland. Sie könnte zum Startschuss werden, um die Aufmerksamkeit für den Frauenfußball erneut zu nutzen.
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