Heilsame Mensch-Tier-Beziehung :Tiergestützte Therapie: Tiere als Helfer in schweren Zeiten
von Susanne Juliana Becker
Tiere wirken dort, wo Sprache endet. Ihre Nähe schafft Vertrauen, beruhigt, stärkt und kann heilsam sein. Wie Kontakt zu Tieren neue Wege in Therapie und Begleitung öffnet.
Das Lamazentrum Berlin-Brandenburg in Stahnsdorf arbeitet mit tiergestützter Therapie. Lamas, Alpakas und Pferde begleiten Kinder mit Förderbedarf und Menschen mit psychischen Belastungen.
04.05.2026 | 3:21 minEin Pferd striegeln - ihm etwas Gutes tun und gleichzeitig spüren, was dies im eigenen Inneren auslöst; oder das soziale Verhalten von Tieren beobachten: Tiere werden häufig leichter und selbstverständlicher berührt als Menschen. Und dieser warme, weiche Kontakt wird als wohltuend empfunden.
Studien belegen, dass die Ausschüttung von Oxytocin - dem sogenannten Bindungshormon - nach dem Streicheln eines vertrauten Tieres signifikant erhöht ist. Immer wenn Nähe oder Vertrauen empfunden wird, baut dieses Hormon Stress ab und stärkt Bindungen. Hinzu kommen visuelle, akustische und geruchliche Reize von Tieren, die positive Stimulationen beim Menschen auslösen.
Tiergestützte Angebote ergänzen psychologische Arbeit auf besondere Weise. Was sie bewirken und wie sie in der Praxis eingesetzt werden, erklärt Diplom-Sozialarbeiterin Dorothea Dapper.
04.05.2026 | 5:53 minWas bedeutet tiergestützte Intervention?
Hierzu zählen alle professionellen, zielgerichteten Einsätze von Tieren. Diese umfassen therapeutische, sozialpädagogische und motivierende Aktivitäten. Sie fördern das emotionale und soziale Wohlbefinden, stärken soziale Kompetenzen und Selbstvertrauen und helfen beim Abbau von Ängsten.
Dorothea Dapper, Fachkraft für tiergestützte Therapie und systemische Familientherapeutin, beschreibt dies so: Tiergestützte Intervention "nutzt die besondere Qualität der Mensch-Tier-Beziehung gezielt, um Entwicklungsprozesse zu begleiten und positive Veränderungen anzustoßen". Eingesetzt wird sie unter anderem in Schulen, Krankenhäusern, Pflegeheimen, Psychiatrien oder bei Menschen mit Behinderung. Dabei ersetzen Tiere keine therapeutischen Fachkräfte, sondern unterstützen deren Arbeit.
Das Gefühl, Angst zu haben, kennt jeder. Aber wann spricht man von einer Angststörung und wie wird sie therapiert? Mai spricht mit der pyschologischen Psychotherapeutin Amanda Nentwig-Utzig.
26.10.2025 | 25:51 minBasis ist eine gute Beziehung zwischen Mensch und Tier
"Im Idealfall entsteht eine Beziehung, in der sich beide wohlfühlen", so Dorothea Dapper - etwa, wenn das Tier von sich aus Kontakt aufnimmt und ihm Raum gegeben wird. Solche Begegnungen wirken nachhaltig und können viel bewegen. Tiere geben unmittelbares Feedback - ohne Sprache und Bewertung - und stoßen Prozesse an, die allein durch Gespräche schwer erreichbar sind.
Carola Otterstedt von der Stiftung Bündnis Mensch & Tier betont: "Es braucht keine Diagnose, um eine wertvolle Begegnung mit einem Tier zu haben." Auch ohne akute Probleme profitieren Menschen von Tierkontakten, etwa als Ausgleich zum Alltag.
Tierischer Besuch in einem Pflegeheim in Irland. Der Kontakt mit den Tieren steigert das Wohlbefinden und die Gesundheit und zaubert den Bewohnern ein Lächeln ins Gesicht.
26.03.2025 | 1:00 minTierwohl steht an erster Stelle
Sowohl Carola Otterstedt als auch Dorothea Dapper sind sich einig, dass Tierwohl die zentrale Voraussetzung für tiergestützte Arbeit ist: Die Haltung muss an den Bedürfnissen der Tiere ausgerichtet sein - mit artgerechter Unterbringung, guter Versorgung und einer vertrauensvollen Beziehung zum Tierhalter. Nur gesunde und entspannte Tiere können ihre positive Wirkung entfalten.
Dorothea Dapper verweist auf die Empfehlungen der Tierärztlichen Vereinigung für Tierschutz (TVT) in Bezug auf die Angebote. Demnach sollten Interessenten auf Sauberkeit, Geruch, den Ernährungszustand der Tiere sowie einen respektvollen Umgang achten. Ihre Worte dazu: "Tierhaltung stinkt nicht. Vertrauen Sie Ihrer Nase." Wenn es in einer Einrichtung übel rieche, liege dies an Mängeln, für die der Tierhalter verantwortlich ist.
Das EU-Parlament stimmt in Straßburg über neue Regeln zum Schutz von Hunden und Katzen ab. So sollen Qualzuchten verboten sowie eine Chip-Pflicht eingeführt werden.
28.04.2026 | 2:04 minQualitätsmerkmale der Angebote: Wie kann man sich orientieren?
Dorothea Dapper empfiehlt, bei der Auswahl auf klare Qualitätsmerkmale zu achten: Grundlage ist die Genehmigung nach Paragraph 11 des Tierschutzgesetzes durch das Veterinäramt. Orientierung bieten zudem anerkannte Verbände wie der Bundesverband Tiergestützte Intervention oder Netzwerke wie die Begegnungshöfe.
Zertifizierungen setzen eine fundierte Ausbildung voraus, etwa nach Standards der Europäischen beziehungsweise Internationalen Gesellschaft für tiergestützte Therapie (ESAAT/ISAAT). Das Feld professionalisiert sich zunehmend: Fachkräfte verfügen über eine pädagogische, soziale oder medizinische Grundausbildung. Wer die Angebote nutzen möchte, sollte daher besonders auf Qualifikation und Zertifikate achten.
Susanne Juliana Becker ist Redakteurin der ZDF-Sendung "Volle Kanne - Service täglich".
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