Welt-Hepatitis-Tag:Hepatitis: Wenn Viren die Leber angreifen
von Anja Braunwarth
Von einer Virushepatitis bemerken die meisten kaum etwas. Entsprechend hoch ist die Dunkelziffer der Erkrankung. Übertragungswege und Schutzmaßnahmen zu kennen, hilft vorzubeugen.
Gefährliche Hepatitisviren können Jahrzehnte im Körper lauern und unbemerkt Schaden anrichten. Im schlimmsten Fall sind Leberzirrhose und Leberkrebs die Folge.
28.07.2026 | 5:14 minDie Weltgesundheitsorganisation (WHO) nennt die Virushepatitis eine stille Epidemie, die jährlich insgesamt 1,3 Millionen Menschen das Leben kostet. Chronisch mit Hepatitis B infiziert sind nach Schätzungen der WHO weltweit etwa 296 Millionen Menschen, von Hepatitis C sind etwa 50 Millionen betroffen. Durch frühe Diagnose, Therapie oder Impfung ließen sich sehr viele Fälle verhindern.
Die Leber ist ein vielseitiges Organ, das vor allem für die Entgiftung des Körpers zuständig ist. Wie die Leber aufgebaut ist und funktioniert.
20.11.2025 | 5:19 minWas eine Virushepatitis verursacht
Es gibt fünf Typen von Hepatitisviren: A, B, C, D, und E. Sie unterscheiden sich vor allem in ihrer Gefährlichkeit, erklärt Christoph Sarrazin vom Leberzentrum am St. Josefs-Hospital Wiesbaden.
Die Hepatitisviren A oder E machen nur eine akute Entzündung in der Leber, die innerhalb von Wochen und Monaten wieder ausheilt.
Prof. Dr. Christoph Sarrazin, Gastroenterologe
Die Typen B, C und D dagegen können zu chronischen Entzündungen mit schweren Folgeschäden in der Leber führen.
Hepatitisviren im Überblick
Das Hepatitis-A-Virus ist vor allem im Mittelmeerraum verbreitet. Es wird über Kontakt- und Schmierinfektionen übertragen, zum Beispiel über verunreinigte Lebensmittel wie Muscheln oder gefrorene Beeren. Die Infektion wird nicht chronisch und heilt gewöhnlich von selbst aus.
Die Ansteckung mit dem Hepatitis B-Virus erfolgt über Körperflüssigkeiten wie Blut oder Sperma. Bei etwa jedem zehnten Betroffenen wird die Infektion chronisch.
Eine Infektion mit dem Hepatitis-C-Virus erfolgt beinahe ausschließlich über Blut, deutlich seltener über Sexualkontakte. Die Infektion verläuft in 60 bis 80 Prozent der Fälle chronisch.
Das Hepatitis-D-Virus führt nur in Anwesenheit vom Hepatitis B-Virus zu einer Infektion, da es dessen Hülle braucht, um sich zu vermehren. Die Ansteckung erfolgt über Blut oder Sexualkontakte - entweder zeitgleich mit dem B-Virus oder danach. Bei 70 bis 90 Prozent der doppelt Infizierten wird die Erkrankung chronisch.
Die Hepatitis E wird über Kontakt- und Schmierinfektionen übertragen, hierzulande vor allem nach dem Verzehr von kontaminiertem rohem Fleisch wie Schweinemett. Das Virus hat mehrere Subtypen. Der in Deutschland vorherrschende Typ führt in der Regel zur selbst ausheilenden Infektion, die nicht chronisch wird.
Symptome einer Hepatitis
Die meisten akuten Infektionen mit Hepatitisviren verursachen wenig oder gar keine Beschwerden. Mögliche Zeichen einer Infektion sind Schmerzen, Druck- oder Völlegefühl im Oberbauch, Übelkeit, Erbrechen, Abgeschlagenheit und/oder Juckreiz.
Selten verläuft eine akute Hepatitis, meist eine Hepatitis B, sehr schwer und führt dann schnell zu Leberversagen. Bei einer chronischen Hepatitis klagen manche Patienten über ein allgemeines Krankheitsgefühl, Appetitlosigkeit oder Müdigkeit.
Eine Virushepatitis wird in erster Linie durch Blutuntersuchungen festgestellt. Im Blut lassen sich entweder Antikörper gegen die auslösenden Viren oder die Erreger selbst nachweisen. Zudem sind häufig die Leberwerte erhöht.
Eine Infektion mit dem Fuchsbandwurm ist tückisch. Warum der Parasit oft jahrelang im Körper unbemerkt bleibt und die Leber dadurch schwer schädigen kann.
14.07.2026 | 4:41 minChronische Hepatitis und Folgen
Die chronische Entzündungsreaktion schädigt die Leber und führt zu Vernarbungen. Auf Dauer kann es zu einer Leberzirrhose kommen, dem gesamten Umbau des Gewebes zu narbigem Bindegewebe. Das Organ verliert dabei zunehmend seine Funktion. Durch den fehlenden Abbau von Schadstoffen drohen schwere Komplikationen wie Hirnschäden.
Es dauert zum Glück sehr lange, bis ein Hepatitisvirus die Leber komplett zerstört.
Prof. Dr. Christoph Sarrazin, St. Josefs-Hospital Wiesbaden
Bei der Hepatitis C seien das häufig 20, 30 oder 40 Jahre, so Sarrazin. Infolge der chronischen Entzündung und der Zirrhose kann auf lange Sicht Leberkrebs entstehen. Der Verlauf hängt auch von Begleitfaktoren ab. Wer zum Beispiel regelmäßig Alkohol trinkt, beschleunigt die Entwicklung einer Leberzirrhose.
Einzelne bösartige Tumore in der Leber können oft operativ entfernt werden. Ist der Krebs zu groß für eine Operation oder gibt es mehrere Herde, kommt zum Beispiel eine Embolisation infrage. Dabei werden die Arterien der Tumore über einen Katheter durch kleine Kunststoffpartikel verschlossen. Die Krebszellen verlieren so ihre Blutversorgung und gehen zugrunde. Zur Unterstützung kann gleichzeitig eine lokale Chemotherapie verabreicht werden. Hat der Tumor gestreut, besteht die Möglichkeit einer gezielten Immuntherapie. Sie bewirkt keine Heilung mehr. Es ist aber möglich, den Krebs unter Kontrolle zu halten und am Weiterwachsen zu hindern.
Ökothropologin Brigitte Bäuerlein erklärt, welche Nahrungsmittel zur Gesundheit von Leber und Galle beitragen und was bei Erkrankungen zu beachten ist.
07.03.2025 | 7:36 minWie eine Hepatitis behandelt wird
Gegen eine akute Virushepatitis gibt es keine spezielle Behandlung. Allgemein gilt der Ratschlag, sich körperlich zu schonen und auf Alkohol zu verzichten. Bei chronischer Hepatitis B werden Medikamente eingesetzt, die das Virus in Schach halten. Sie müssen für gewöhnlich lebenslang eingenommen werden, da sich das Virus nicht vollständig aus dem Körper eliminieren lasse, betont Sarrazin.
Wenn man das Hepatitis-B-Virus einmal drin hat, dann hat man es immer drin.
Prof. Dr. Christoph Sarrazin, Gastroenterologe
Für die chronische Hepatitis C existieren seit einiger Zeit hochwirksame Therapien, die das Virus aus dem Körper entfernen und damit die Infektion ausheilen. Auch für die chronische Hepatitis D gibt es inzwischen ein spezielles Medikament. Es ist aber noch nicht bekannt, ob es das Virus nur an seiner Vermehrung hindert oder ebenfalls eine Ausheilung bewirkt.
Eine ungesunde Ernährung hat oft einen schlechten Einfluss auf die Funktionen der Organe, die für die Entgiftung dse Körpers zuständig sind. Im Ernstfall sind Leber- und Gallenwegserkrankungen die Folge.
07.03.2025 | 4:30 minImpfung schützt vor Hepatitis
Gegen Hepatitis A und B stehen Impfungen zur Verfügung. Die Impfung gegen Hepatitis B wird generell für alle Säuglinge und Kleinkinder empfohlen. Sie schützt auch vor der Hepatitis D. Gegen Hepatitis A sollten sich gefährdete Personen impfen lassen, dazu gehören zum Beispiel Reisende in Risikogebiete oder Menschen mit vorbestehenden Lebererkrankungen. Es gibt auch Kombinationsimpfstoffe gegen Hepatitis A und B.
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