Kinderwunsch mit Hindernissen:Endometriose und Schwangerschaft
von Corinna Klee
Endometriose und Kinderwunsch - für betroffene Frauen oft ein schwieriges Thema. Doch eine Schwangerschaft kann trotz der Erkrankung möglich sein. Was Betroffene wissen sollten.
Vanessa Simon wünscht sich ein zweites Kind. Doch mehrere Schwangerschaften enden mit einer Fehlgeburt. Die Ärzte entdecken schließlich eine der Ursachen: Endometriose.
29.09.2026 | 4:52 minEtwa zehn bis 15 Prozent aller Frauen im gebärfähigen Alter sind von Endometriose betroffen. Die Erkrankung kann äußerst schmerzhaft und belastend sein. Häufig wird sie spät diagnostiziert. Im Schnitt vergehen bis zu zehn Jahre. Für viele Betroffene wird auch die Familienplanung zu einer großen Herausforderung.
Endometriose gutartig, aber schmerzhaft
Endometriose ist eine gutartige, chronische Erkrankung, bei der sich Gewebe, das der Gebärmutterschleimhaut ähnelt, außerhalb der Gebärmutter ansiedelt und dort zu Entzündungen, Schmerzen und Verwachsungen führen kann.
Weibliche Bedürfnisse werden in der Medizin noch immer zu wenig berücksichtigt. Die Folgen: späte Diagnosen und ungeeignete Therapien. Auch Endometriose wird trotz Millionen Betroffener oft verharmlost.
28.05.2026 | 2:45 minBetroffene sind während ihrer Periode oft stark eingeschränkt, können nicht arbeiten gehen und haben massive Schmerzen, erklärt Michael Eichbaum, Facharzt für Frauenheilkunde an den Helios Dr. Horst Schmidt Kliniken Wiesbaden. Doch nicht immer seien Schmerzen der Grund für den Arztbesuch.
Häufig kommen Frauen zu uns, weil sie Schwierigkeiten haben, schwanger zu werden. Dann finden wir oft Endometriose als mögliche Ursache.
Prof. Dr. Michael Eichbaum, Facharzt für Frauenheilkunde
Vor allem Entzündungen und Verwachsungen im Bauchraum können die Fruchtbarkeit beeinträchtigen und den Kinderwunsch erschweren.
Endometrioseherde können sich unter anderem an den Eierstöcken, Eileitern, am Bauchfell, Darm oder an der Blase bilden. Seltener werden auch andere Organe wie die Lunge befallen. Je nachdem, wo die Herde liegen, können die Beschwerden ganz unterschiedlich sein. Dazu gehören Regelschmerzen, Schmerzen beim Geschlechtsverkehr, beim Stuhlgang oder Wasserlassen. Manche Betroffene haben kaum Beschwerden. Weil die Symptome nicht immer direkt mit Endometriose in Verbindung gebracht werden, wird die Erkrankung häufig erst spät erkannt.
Die Gebärmutter erfüllt wichtige Aufgaben - unter anderem bei Menstruation, Schwangerschaft und Geburt. Wie sie funktioniert und warum sie sich verändern kann.
22.09.2026 | 5:06 minWie Endometriose entsteht
Warum manche Frauen Endometriose entwickeln, ist bis heute nicht vollständig geklärt. Vermutlich spielen verschiedene Faktoren wie Hormone, Immunsystem und genetische Veranlagung eine Rolle.
Eine weitere Erklärung ist die sogenannte retrograde Menstruation: Dabei gelangt während der Periode Blut mit Gebärmutterschleimhaut irrtümlicherweise über die Eileiter in den Bauchraum. Die Zellen können sich dort ansiedeln und Endometrioseherde bilden. Auch nach Operationen an der Gebärmutter wie einem Kaiserschnitt kann sich Endometriose entwickeln.
Man kann nicht verhindern, dass bei Entbindung per Kaiserschnitt Endometriumzellen in den Körper gelangen.
Prof. Dr. Michael Eichbaum, Facharzt für Frauenheilkunde
Dies sei bei bis zu einem Prozent aller Kaiserschnitte eine mögliche Folge, erklärt Eichbaum. Unter Umständen können diese Zellen auch in den Bereich der Operationsnarbe verschleppt werden und sich dort festsetzen. Dann kann eine sogenannte Narbenendometriose entstehen.
Endometriose kann eine Schwangerschaft erschweren
Für eine Schwangerschaft muss die Eizelle vom Eierstock in den Eileiter gelangen, um auf eine Samenzelle zu treffen. Sind die Eileiter verengt, verklebt oder in ihrer Beweglichkeit eingeschränkt, kann dieser Ablauf erschwert sein. Auch die Einnistung einer befruchteten Eizelle kann beeinträchtigt sein.
Dennoch ist auch bei einer stark ausgeprägten Endometriose eine natürliche Schwangerschaft möglich. Die Chancen hängen von vielen Faktoren ab, etwa vom Alter der Betroffenen, dem Ausmaß der Erkrankung und der Spermienqualität des Partners. Kommt es auf natürlichem Weg nicht zu einer Schwangerschaft, kann eine Kinderwunschbehandlung weiterhelfen.
Wie Endometriose behandelt wird, hängt unter anderem von den Beschwerden, dem Ausmaß und einem möglichen Kinderwunsch ab. Medikamente können die Schmerzen lindern. Besteht kein Kinderwunsch, können Hormone eingesetzt werden, die das Wachstum der Endometrioseherde begrenzen. Dazu gehören vor allem Gestagene, die die Wirkung von Östrogen auf das Endometriosegewebe und dessen Wachstum bremsen.
Bei ausgeprägten Beschwerden und/oder starken Verwachsungen kann eine Operation infrage kommen. Dabei werden Endometrioseherde, Zysten und Verwachsungen entfernt. Der Eingriff kann meist minimalinvasiv erfolgen. Eine vollständige Heilung gibt es bislang nicht. Endometriose ist eine chronische Erkrankung, die auch nach einer Behandlung wieder auftreten kann.
Hoffnung für Frauen mit Endometriose, die unter starken Schmerzen leiden: Mit einer neuen Methode kann die Erkrankung auch dann behandelt werden, wenn herkömmliche Therapien nicht mehr helfen.
30.09.2025 | 5:08 minSchwangerschaft und Geburt mit Endometriose
Die Schwangerschaft selbst verläuft meist problemlos. Studien zeigen, dass bestimmte Komplikationen häufiger auftreten können, darunter Frühgeburtlichkeit, Fehlgeburten und vorzeitiger Blasensprung.
Bei einer Endometriose ist in der Regel keine intensivere Schwangerschaftsüberwachung notwendig. Kommen Risikofaktoren hinzu, sollte die Betreuung angepasst werden.
Viele Frauen mit Endometriose können vaginal entbinden. Ob das möglich ist, hängt von der individuellen Situation ab, erklärt Eichbaum.
Durch eine lang bestehende Endometriose können Vernarbungen vorliegen, die bei der Geburt eine Rolle spielen. Das sollte bei der Geburtsplanung berücksichtigt werden.
Prof. Dr. Michael Eichbaum, Facharzt für Frauenheilkunde
Während Schwangerschaft und Stillzeit bleibt die Regelblutung meist aus, dadurch können Beschwerden nachlassen. Die Erkrankung selbst verschwindet nicht. Nach der Geburt oder dem Abstillen können die Beschwerden zurückkehren. Dann sollte die weitere Behandlung mit dem Frauenarzt besprochen werden.
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