Hilfe bei Innenohrschwerhörigkeit:Cochlea-Implantat: Wie Hören wieder möglich wird
von Gunnar Fischer
Cochlea-Implantate eröffnen Menschen mit Hörstörungen den Zugang zur Welt der Töne und Sprache. Wann sie zum Einsatz kommen, wie sie funktionieren und welche Risiken bestehen.
Ein Cochlea-Implantat kann gehörlosen oder hochgradig schwerhörigen Menschen das Hören ermöglichen.
Quelle: ZDFDas Cochlea-Implantat (CI) ist eine Hightech-Hörprothese, die aus einem Implantat und einem äußeren Sprachprozessor besteht. Es zählt zu den größten Fortschritten der Medizin und wurde für schwerhörige und gehörlose Menschen entwickelt, bei denen das Innenohr geschädigt ist, erklärt Yvonne Seebens, Gehörlosenpädagogin vom Cochlea-Implantat Centrum Rhein-Main, Friedberg.
Das Cochlea-Implantat ist bisher die einzige Prothese, die ein Sinnesorgan ersetzen kann.
Dr. phil. Yvonne Seebens, CI-Therapeutin
CI-Träger haben mit dieser Technologie die Möglichkeit, Sprache zu hören, Gespräche zu führen und zu telefonieren.
Kinder mit einer genetisch bedingten, angeborenen Schwerhörigkeit oder Taubheit können dank einem Cochlea-Implantat hören. Neue gentherapeutische Ansätze versprechen zudem eine ursächliche Heilung.
22.09.2025 | 5:32 minFür wen ein Cochlea-Implantat infrage kommt
Ein CI kommt bei Innenohrschäden zum Einsatz, wenn das Hörvermögen stark eingeschränkt oder verloren ist. Davon können Kinder betroffen sein, die mit einer schweren Hörschädigung geboren wurden. Auch Erwachsene, die trotz optimaler Hörgeräteversorgung kaum hören, können davon profitieren. Ursachen für eine Innenohrschwerhörigkeit können altersbedingter Hörverlust, Lärmschäden, Hörstürze, Unfälle, genetische Erkrankungen oder Infektionen sein.
Große Aufmerksamkeit erhält derzeit ein neu entwickeltes, vollständig implantierbares Cochlea-Implantat, das ohne äußerlich sichtbare Komponenten auskommt, das sogenannte TICI (Totally Invisible Cochlear-Implant). Sämtliche Bestandteile wie Mikrofon, Audioprozessor und Akku befinden sich unter der Haut. Dadurch bietet es CI-Trägern mehr Diskretion, Komfort und Unabhängigkeit.
Im Gegensatz zu herkömmlichen Cochlea-Implantaten ermöglicht das TICI durchgängiges Hören im Alltag, beispielsweise auch beim Schlafen, Sporttreiben oder Duschen. Es befindet sich noch in der Erprobung und steht bislang nicht für die reguläre Versorgung von Patienten zur Verfügung.
Im August 2026 wurde am International Neuroscience Institute (INI) Hannover erstmals ein neuartiges Implantat direkt am Hörnerv eingesetzt, ein Auditory Nerve Implant (ANI). Anders als ein Cochlea-Implantat, stimuliert es den Hörnerven direkt und umgeht so die Haarzellen in der Cochlea. Die Operation fand im Rahmen einer klinischen Studie bei einer ertaubten Frau statt. Das Implantat ist für Patienten gedacht, für die ein Cochlear-Implantat nicht infrage kommt.
Schwerhörigkeit kann nicht nur das Innenohr betreffen, sondern auch das Mittelohr. Die Weiterleitung der Schallwellen im Mittelohr ist dabei gestört. Wie behandelt werden kann.
16.01.2026 | 5:21 minWie ein Cochlea-Implantat funktioniert
Das Cochlea-Implantat ersetzt geschädigte Haarzellen im Innenohr. Sie wandeln normalerweise in der Hörschnecke (Cochlea) Schallschwingungen in elektrische Signale um. Beim CI übernimmt das Implantat diese Aufgabe, erklärt Seebens.
Während ein Hörgerät akustische Signale nur verstärkt, wandelt das Cochlea-Implantat sie in elektrische Impulse zur Weitergabe an den Hörnerven um.
Dr. phil. Yvonne Seebens, Cochlea-Implantat-Centrum Rhein-Main
Ermöglicht werde dies durch eine feine Sonde aus Silikon mit bis zu 24 winzigen Kontakten, so die CI-Therapeutin. Die Sonde werde in einer Operation direkt in die Hörschnecke eingeführt.
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21.08.2026 | 5:06 minEin Sprachprozessor, der hinter dem Ohr getragen wird, nimmt die akustischen Signale auf, die drahtlos über das Implantat unter der Haut bis zur Hörschnecke übermittelt werden. Dort wird der Hörnerv stimuliert, der die Information an das Gehirn weiterleitet.
Voraussetzungen für ein Cochlea-Implantat
Ein CI kann nur implantiert werden, wenn Hörschnecke und Schädelknochen die Einführung der Elektroden anatomisch erlauben. Bei Fehlbildungen der Cochlea oder einer Verknöcherung des Innenohres ist dies nicht möglich. Zudem muss der Hörnerv intakt sein, damit die elektrischen Impulse des Implantats an das Gehirn weitergeleitet werden können.
Der operative Eingriff erfolgt in Vollnarkose. Dabei setzen die Chirurgen hinter dem Ohr einen Schnitt, platzieren den Empfänger unter der Haut und führen den feinen Elektrodenträger in die Hörschnecke ein. Nach einigen Tagen im Krankenhaus folgt zunächst eine Heilungsphase. Erst danach wird der äußere Sprachprozessor angeschlossen und aktiviert.
Wie jede Operation ist die Implantation mit Risiken verbunden. Dazu gehören Infektionen, Wundheilungsstörungen, Schwindel oder vorübergehende Geschmacksstörungen durch unbeabsichtigte Nervenreizungen im Mittelohr.
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05.05.2026 | 2:33 minYvonne Seebens betont, wie wichtig es sei, vor allem Menschen mit Hörverlust rechtzeitig zu untersuchen und bei Eignung mit einem CI zu versorgen. Immer wieder komme es vor, dass Betroffene ihr Hörgerät einfach ablegen, wenn sie damit nicht zurechtkommen, statt nach einer besseren Lösung zu suchen.
Je länger ich auf einem Ohr nichts mehr höre, desto weniger wird das Hören und vor allem der Hörnerv trainiert.
Dr. phil. Yvonne Seebens, CI-Therapeutin
Die gefährliche Folge von langfristig ausbleibenden Höreindrücken sei dann, dass der Hörnerv degeneriert und später nicht mehr nutzbar ist, erklärt Seebens.
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02.03.2026 | 5:21 minDer Weg zurück zum Hören
Wird der Sprachprozessor erstmals aktiviert, berichten viele CI-Träger, dass Stimmen zunächst ungewohnt, künstlich oder metallisch klingen. Das liege daran, dass das Gehirn erst lernen müsse, die neuen Signale richtig zu interpretieren, so Seebens.
Wer mit einem Cochlea-Implantat hören lernen will, kann sich das so vorstellen, als würde er eine neue Sprache lernen.
Dr. phil. Yvonne Seebens, Cochlea-Implantat-Centrum Rhein-Main
Deshalb beginnt nach dem Einsetzen der Hörprothese ein intensiver Rehabilitationsprozess mit wiederholten technischen Anpassungen und gezieltem Hörtraining. Der Lernprozess könne Wochen, Monate oder sogar Jahre dauern, sagt Yvonne Seebens. Doch der Aufwand lohne sich. Betroffene können dank moderner Medizintechnik erstmals oder wieder Hören, was ihren Alltag bereichern kann.
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23.09.2025 | 3:51 minLassen Sie sich Beiträge von ZDFheute bevorzugt bei Google anzeigen.
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