Künstliche Intelligenz in der Medizin:Wie KI zur Patientensicherheit beitragen kann
von Olaf Schwabe
Künstliche Intelligenz unterstützt Ärzte zunehmend in ihrem Klinikalltag. Doch kann sie auch die Sicherheit von Patienten verbessern? Chancen und Risiken von KI in der Medizin.
Künstliche Intelligenz soll in Kliniken zu Behandlungserfolgen beitragen und die Sicherheit von Patienten verbessern. Zwei Beispiele, wie sie zum Einsatz kommt.
17.09.2026 | 5:16 minOb in der Notaufnahme, im Operationssaal oder auf der Intensivstation: Krankenhausärzte stehen unter extremen Belastungen. Um Leben zu retten, müssen sie oft innerhalb von Sekunden Entscheidungen treffen, die notwendige Diagnostik durchführen und die richtige Therapie einleiten.
Genau darauf sind Ärzte aber vorbereitet, erklärt Wolfgang Böcker von der Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie am Klinikum der LMU München.
Die große Herausforderung ist natürlich, dass man bei schwersten Verletzungen schnell und richtig handelt.
Prof. Dr. Wolfgang Böcker, Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie
Dennoch bestehe auch bei der Arbeit von qualifizierten Ärzten mit viel Erfahrung immer die Möglichkeit, dass Behandlungsfehler auftreten, so Böcker.
Immer häufiger kommt KI in Kliniken zum Einsatz und erleichtert viele Diagnosen. Auf einem Expertenkongress in Potsdam werden die neuen Möglichkeiten diskutiert.
25.03.2026 | 1:38 minHohe Zahl von Behandlungsfehlern in Krankenhäusern
Im Jahr 2025 wurden vom Medizinischen Dienst Bund 3.098 Behandlungsfehler in deutschen Krankenhäusern dokumentiert. Die Dunkelziffer wird von Experten auf mehr als das Hundertfache geschätzt, weil viele Vorfälle im medizinischen Alltag unbemerkt bleiben, nicht lückenlos erfasst sind oder aus Angst vor rechtlichen und beruflichen Folgen nicht gemeldet werden.
Um die Patientensicherheit zu verbessern, wird bereits in vielen Kliniken künstliche Intelligenz eingesetzt. So kann KI helfen, Verwechslungen, falsche Dosierungen oder gefährliche Wechselwirkungen zwischen Medikamenten zu vermeiden. Björn Eskofier, Leiter des Instituts für Künstliche Intelligenz in der Medizin am LMU Klinikum München, sieht in KI-Technologien großes Potenzial.
KI hat in der Medizin heute schon einen großen Stellenwert, um die Patientensicherheit zu verbessern. Und die Bedeutung wird zunehmen.
Prof. Dr. Björn Eskofier, Lehrstuhlinhaber KI-unterstützte Therapieentscheidungen, LMU München
Dabei sei laut Eskofier die Auswahl und Qualität der Daten entscheidend, auf die die KI zurückgreifen kann. Andernfalls liefere das System falsche, verzerrte oder unbrauchbare Ergebnisse.
Künstliche Intelligenz verspricht heute Antworten auf fast alle Fragen, auch auf medizinische. Wie gut und zuverlässig funktioniert das?
25.11.2025 | 4:55 minWoher bekommt KI die erforderlichen Daten?
KI-Systeme nutzen eine Vielzahl von klinischen, wissenschaftlichen und administrativen Daten. Diese stammen aus offen zugänglichen, aber auch aus streng geschützten Quellen des Gesundheitssystems. Daten zu Diagnosen und Therapieverläufen aus Kliniken und Arztpraxen gehören ebenso dazu, wie Daten aus medizinischen Fachartikeln und Ergebnisse medizinischer Studien oder Forschungsberichte.
Bevor künstliche Intelligenz im medizinischen Bereich eingesetzt werden darf, muss sie eine CE-Kennzeichnung (Conformité Européenne) erhalten. Erst dann ist sie als Medizinprodukt anerkannt und entspricht den Anforderungen der europäischen Medizinprodukteverordnung (MDR). Die dafür erforderlichen Prüfungen erfolgen durch externe IT-Unternehmen oder Institutionen wie den TÜV. Erst wenn sichergestellt ist, dass die KI bei richtiger Anwendung keine Gefährdung für Patienten darstellt und sämtlichen datenschutzrechtlichen Vorgaben entspricht, darf sie als Medizinprodukt eingesetzt werden.
Wo KI zur Sicherheit von Patienten beitragen kann
Künstliche Intelligenz wird bereits heute in fast allen Fachrichtungen der Medizin eingesetzt. Vor allem Radiologen, Chirurgen, Intensivmediziner oder Kardiologen arbeiten mit der Technologie.
Der Arzt und KI-Experte André Nemat erklärt in der Sendung Markus Lanz, dass KI manche Krankheitsbilder bereits heute besser erkennen könne als die jeweiligen Fachärzte.
28.05.2025 | 1:13 minDabei wird sie oft als medizinischer Assistent im Bereich Diagnose und Therapie genutzt, um unüberschaubar große Datenmengen für konkrete Fragestellungen zu nutzen. Als oberstes Gebot gilt jedoch, dass die letzte Entscheidung immer vom Arzt getroffen wird.
Der Einsatz von KI in Diagnostik und Therapie gilt als Hochrisiko-System, bei dem eine menschliche Aufsicht, Human-in-the-Loop genannt, zwingend vorgeschrieben ist. Das Risiko einer unkontrollierten Übernahme durch die KI wird daher hier als moderat angesehen.
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und medizinische Verbände betonen, dass KI zwar helfe, Abläufe zu verbessern und Personal zu entlasten, aber die Sicherheit nicht perfekt sei. Eines der größten Risiken liege darin, dass KI-Modelle manchmal überzeugend wirkende Fakten oder Diagnosevorschläge erfinden können, die komplett falsch sind.
Wie KI in der Medizin arbeitet
KI-Systeme müssen zunächst lernen, Antworten und Lösungen zu bestimmten Fragestellungen zu erarbeiten. Dafür werden sie mit entsprechenden Daten gefüttert und trainiert, zum Beispiel mit Informationen zu möglichen Symptomen einer Blinddarmentzündung.
Brustkrebs ist die häufigste Krebserkrankung bei Frauen. Eine neue Studie aus Deutschland zeigt, wie signifikant KI die Trefferquote bei Mammographie-Screenings verbessert.
27.10.2025 | 4:41 minJe umfangreicher und detaillierter die Daten seien, desto besser und präziser die Antworten auf Fragestellungen der Ärzte, wenn es um die Einschätzungen von Risiken geht, so die Erfahrung von Unfallchirurg Böcker.
KI kann sogar mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit das Auftreten von Komplikationen vorhersagen, bevor diese vom Arzt zu erkennen sind.
Prof. Dr. Wolfgang Böcker, Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie am Klinikum der LMU München
So sei es in vielen Bereichen der Medizin inzwischen möglich, Komplikationen zu verhindern, bevor sie entstehen, sagt Böcker.
Bei der Anwendung von KI kann es zu Behandlungsfehlern kommen. Wer in solchen Fällen haftet, kann nicht pauschal beantwortet werden. Zunächst muss ermittelt werden, ob die Fehlerquelle in der KI selbst zu finden ist. Wenn sie beispielsweise auf falsche Daten zurückgreift, gilt das Produkthaftungsrecht und der Hersteller ist in der Pflicht.
Ärzte können haftbar gemacht werden, wenn sie ohne weitere Überprüfung, grob fahrlässig, die Diagnose oder Therapieempfehlung einer KI eins zu eins übernehmen. Dies kann als Verletzung ihrer ärztlichen Sorgfaltspflicht gewertet werden. Ein Behandlungsfehler kann aber auch dann vorliegen, wenn der Arzt einen richtigen Therapievorschlag der KI nicht befolgt und stattdessen eine Therapie einleitet, die sich als falsch erweist.
Der Einsatz von KI im Gesundheitswesen wird laut Wolfgang Böcker weiter zunehmen. Sie kann in vielen Bereichen Zeit sparen und die Arbeit erleichtern. Das betrifft vor allem die bildgebende Diagnostik, die Früherkennung von Krankheiten wie Krebs oder die schriftliche Dokumentation im klinischen Alltag.
Jacob Coxon, Forscher der US-Firma Anthropic, warnt auf der Plattform X vor der schnellen Weiterentwicklung künstlicher Intelligenz.
09.09.2026 | 0:38 minLassen Sie sich Beiträge von ZDFheute bevorzugt bei Google anzeigen.
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