Geschwister: Zwischen Nähe und Rivalität:Wie Eltern die Geschwisterbeziehung prägen
von Saskia Schüring
Ob innige Verbundenheit oder lebenslanger Streit: Wie Eltern die Beziehung zwischen ihren Kindern prägen und wie Geschwister auch im Erwachsenenalter wieder zueinanderfinden.
Die Beziehung zwischen Geschwistern kann kompliziert sein. Familienberaterin Martina Stotz erklärt, was Eltern tun können, wenn es zu Rivalitäten kommt.
16.10.2026 | 5:29 minGeschwister können miteinander konkurrieren und sich trotzdem eng verbunden fühlen. Andere tragen Konflikte aus der Kindheit bis ins Erwachsenenalter mit sich. Warum entwickeln sich Geschwisterbeziehungen so unterschiedlich?
Warum Eltern mehr beeinflussen, als sie denken
Geschwisterforscherin Martina Stotz sieht einen entscheidenden Faktor bei den Eltern. Das belegen auch verschiedene Studien.
Eltern haben einen großen Einfluss darauf, wie sich Geschwisterbeziehungen entwickeln.
Dr. Martina Stotz, Familienberaterin und Influencerin
Doch was können Eltern tun, damit ihre Kinder einander nicht als Rivalen, sondern als Verbündete erleben? Neben dem Temperament der Kinder spiele auch die Beziehung der Eltern untereinander eine wichtige Rolle, erklärt Stotz. Kinder beobachteten genau, wie Konflikte ausgetragen und gelöst werden. Dieses Verhalten übernähmen sie häufig im Umgang mit ihren Geschwistern.
Nähe, Streit, Rivalität: Geschwister begleiten uns oft ein Leben lang. Leon Windscheid spricht mit den Ehrlich Brothers über ihre Kindheit und fragt, wie Geschwister unsere Persönlichkeit prägen.
23.03.2026 | 43:24 minWarum Gleichbehandlung nicht alles ist
"Eine wichtige Voraussetzung für eine gute Geschwisterbeziehung ist es, jedes Kind in seiner Individualität wahrzunehmen. Eltern sollten sich immer wieder fragen, was ihre Kinder brauchen, wo ihre Stärken liegen und welche Bedürfnisse sie haben", sagt Stotz. Problematisch werde es, wenn Kinder ständig verglichen oder in feste Rollen gedrängt würden: der Schlaue, die Musikalische oder der Schwierige.
Solche Zuschreibungen können Rivalität verstärken und die Entwicklung der Kinder einschränken. Entscheidend sei deshalb, jedem Kind eine verlässliche Bindung zu den Eltern zu ermöglichen. Dabei geht es nicht darum, allen Kindern immer exakt dasselbe zu geben. Unterschiedliche Bedürfnisse erfordern unterschiedliche Antworten. Wichtig ist, dass Kinder sich gesehen und nicht dauerhaft benachteiligt fühlen.
Geschwister können toll sein und zugleich nerven. Welche Vor- und Nachteile hat es, Geschwister zu haben - oder nicht?
10.04.2026 | 1:29 minDas Lieblingskind
Dass Eltern ein Kind bevorzugen, ist ein sensibles Thema. Die Folgen betreffen laut Stotz nicht nur das benachteiligte Kind: "Auch das bevorzugte Kind kann darunter leiden, etwa durch Schuldgefühle oder belastete Beziehungen zu den Geschwistern. Denn eigentlich sehnen sich Kinder nach Gerechtigkeit."
Auch Forschungsergebnisse deuten auf die Folgen elterlicher Ungleichbehandlung hin. Eine 2025 veröffentlichte Meta-Analyse von 26 Studien mit rund 37.000 Teilnehmenden zeigte, dass ungleiche Behandlung durch die Eltern mit verschiedenen psychischen Belastungen bei Geschwistern zusammenhängt. Dazu gehörten depressive Symptome, Ängste und aggressives Verhalten.
Zwei Regenbogenfamilien kämpfen um Anerkennung und Sichtbarkeit. Zwischen Liebe, Verantwortung und rechtlichen Hürden zeigen sie, dass Familie heute mehr ist als Vater, Mutter, Kind.
16.06.2026 | 28:37 minStreiten gehört dazu - aber wie viel?
Geschwisterstreit gehört zum Familienalltag. "Kinder dürfen lernen, Konflikte selbst zu lösen. Eltern können dabei unterstützen, Gefühle und Bedürfnisse in Worte zu fassen, Grenzen zu setzen und gemeinsam Lösungen zu entwickeln. Bei körperlicher oder psychischer Gewalt ist ein klares Eingreifen notwendig", sagt Stotz. Eltern sollten jedoch nicht automatisch als Schiedsrichter auftreten und nach Schuldigen suchen. Stotz empfiehlt stattdessen zu fragen, was beide Kinder gerade brauchen.
Geschwisterkonflikte können helfen, Rücksichtnahme, Verhandlungsgeschick und den Umgang mit Frustration zu lernen. Entscheidend ist, dass die Auseinandersetzungen in einem sicheren Rahmen stattfinden.
Geschwister sind lebenslange Verbündete. Oder ewige Konkurrenten im Kampf um den Platz im Familiensystem. Fest steht: Kaum jemand ist uns so vertraut wie die Person, die für uns immer ein Maßstab sein wird.
13.10.2026 | 28:39 minWenn alte Verletzungen bis ins Erwachsenenalter reichen
Auch erwachsene Geschwister können sich entfremden - manchmal für Jahre. Häufig haben beide dieselbe Kindheit unterschiedlich erlebt. Was für den einen eine beiläufige Situation war, kann sich für den anderen wie eine schmerzhafte Zurückweisung angefühlt haben. Stotz rät dazu, diese unterschiedlichen Perspektiven anzuhören und ernst zu nehmen. "Wenn ein direkter Austausch nicht möglich ist, kann auch ein Brief ein erster Schritt sein, um die eigene Wahrnehmung und alte Verletzungen auszudrücken", rät Stotz.
Eine gute Geschwisterbeziehung lässt sich nicht erzwingen. Eltern können jedoch wichtige Voraussetzungen schaffen. Ob daraus lebenslange Nähe entsteht, entscheiden die Geschwister letztlich selbst.
Saskia Schüring ist Redakteurin der ZDF-Sendung "Volle Kanne - Service täglich".
Mehr zum Thema Familie und Kinder
Social Media für Kinder und Jugendliche:TikTok & Co.: Warum Medienkompetenz mehr bringt als Verbote
von Cornelia Petereitmit Video6:41Studie zu Kindererziehung:Warum Eltern nicht Kumpel sein sollten
mit Video8:30Hürden für Regenbogenfamilien:Wenn Familie mehr als Vater, Mutter, Kind ist
von Felicia Kaulmit Video28:37
Weitere Ratgeber-Themen
Kleine Gesten für ein nettes Miteinander:Wie wir mehr Freundlichkeit in den Alltag bringen
von Victor Scholzmit Video3:15- Interview
Leon Windscheid im Interview:Psychische Gesundheit: Belastung erkennen und Hilfe annehmen
mit Video78:53 In der Beziehung bleiben oder gehen?:Trenne ich mich? So geht gutes Schlussmachen
von Daria Eva Stancomit Video43:20Finanzplanung und Altersvorsorge:Wie Frauen ihre finanzielle Zukunft absichern können
von Saskia Schüringmit Video10:12