Sammelklage der Verbraucherzentrale:DAZN-Kunden: Geld zurück wegen unzulässigen Preiserhöhungen?
von Viviane Rinderknecht
Die Verbraucherzentrale geht wegen Preiserhöhungen in einer Sammelklage gegen den Streamingdienst DAZN vor. Wie man sich anschließen kann und was Sammelklagen Verbrauchern bringen.
Die Verbraucherzentrale geht gegen Preiserhöhungen vor: Sammelklagen gegen E.ON und DAZN sollen klären, ob starke Preissteigerungen rechtmäßig waren und ob Verbraucher Geld zurückbekommen können.
03.09.2026 | 0:54 minÜber 5.700 Menschen haben sich bisher der Sammelklage des Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) gegen den Streaminganbieter DAZN angeschlossen. Am heutigen 4. September 2026 startet der Prozess vor dem Oberlandesgericht Hamm. Der Beitritt zu der Sammelklage ist für betroffene Verbraucher noch bis zu drei Wochen nach dem letzten Verhandlungstermin möglich.
Worum es in der Klage gegen DAZN geht
Gegenstand der Sammelklage sind Preiserhöhungen durch DAZN in laufenden Verträgen. Ab August 2021 stieg der Preis für ein monatliches Abo von 11,99 Euro auf 14,99 Euro pro Monat. Mitte 2022 wurden die Preise für das Monatsabo erneut von 14,99 Euro auf 29,99 Euro angehoben.
Die Kunden von DAZN hatten dieser Preiserhöhung nicht explizit zugestimmt und auch kein von DAZN unterbreitetes Angebot zur Anpassung der Preise angenommen. Die Preiserhöhung stützte DAZN auf Preisanpassungsklauseln in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen des Streaming-Anbieters. Diese besagen, dass die Abo-Preise bei veränderten Marktbedingungen angepasst werden dürfen.
Mit der Sammelklage möchte der vzbv feststellen lassen, dass DAZN nicht berechtigt war, die Preise für ein Monatsabo einseitig zu erhöhen. Außerdem will der vzbv die Erstattung der Preiserhöhungen für die Betroffenen erreichen.
ZDF‑Rechtsexperte Daniel Heymann erklärt, warum der Verbraucherzentrale‑Bundesverband gegen DAZN klagt und was Verbraucher mit Sammelklagen grundsätzlich erreichen können.
03.09.2026 | 5:37 minWer der Sammelklage gegen DAZN beitreten kann
Der Klage können Kunden von DAZN beitreten, die in den Jahren 2021 oder 2022 von den Preiserhöhungen des Streaminganbieters betroffen waren und dieser nicht explizit zugestimmt haben. Gegen Preiserhöhungen, die nach dem Jahr 2022 angekündigt wurden, richtet sich die Klage ausdrücklich nicht.
Außerdem muss der Wohnsitz der Beitretenden in Deutschland liegen. Mithilfe des Klage-Checks der Verbraucherzentrale können Verbraucher prüfen, ob sie sich der Klage gegen DAZN anschließen können. Auch für andere aktuelle Sammelklagen hat die Verbraucherzentrale Klage-Checks veröffentlicht.
Betroffene Verbraucher können der Klage beitreten, indem sie sich beim Bundesamt für Justiz in das Verbandsklageregister eintragen. Die Teilnahme an der Klage durch die Eintragung in das Klageregister ist kostenlos.
Mögliche Ausgänge des Verfahrens
Ist die Klage erfolgreich, wird vom Oberlandesgericht Hamm ein Sachverwalter bestimmt, der nach dem Urteil die Erstattung der Preiserhöhung startet. Über ihn bekommen Verbraucher ihr zu viel gezahltes Geld zurück.
Der klagende Verbraucherverband und DAZN können auch einen Vergleich schließen - also einen Vertrag, in dem sich beide Parteien in der Regel auf die Zahlung eines Geldbetrags einigen, um den Rechtsstreit zu beenden. Dieser wirkt auch für die teilnehmenden Verbraucher, sodass sie die beschlossene Summe ausgezahlt bekommen.
Angemeldete Verbraucher können jedoch auch den Austritt aus dem Vergleich erklären, wenn sie mit den im Vergleich vereinbarten Konditionen nicht einverstanden sind. Die ausgetretenen Verbraucher werden durch den Vergleich nicht gebunden. Das heißt, sie können nach Austritt individuell gerichtlich gegen DAZN vorgehen.
Ist die Klage nicht erfolgreich, wird sie durch das Oberlandesgericht Hamm abgewiesen. In dem Fall muss DAZN an die Verbraucher nichts zahlen.
Wegen der Amazon-Prime-Preiserhöhung 2022 läuft eine Sammelklage der Verbraucherzentrale. Betroffene können sich seit Januar 2026 eintragen und mögliche Rückerstattungen prüfen.
22.01.2026 | 0:43 minWas ist eine Sammelklage?
Bei Sammelklagen wird nicht über Ansprüche einzelner Kläger entschieden, sondern über Ansprüche ganzer Verbrauchergruppen, die sich einer Klage gegen ein Unternehmen angeschlossen haben.
Dabei treten Verbraucherverbände als Kläger auf und Verbraucher können sich der Klage kostenlos anschließen. Sammelklagen richten sich gegen größere Unternehmen. Mindestens 50 Verbraucher müssen nachvollziehbar darlegen, dass sie durch das Unternehmen möglicherweise geschädigt wurden.
Für Verbraucher wird die Rechtsdurchsetzung durch den Anschluss an eine Sammelklage vereinfacht. Da die Verbraucher nicht Partei des Rechtsstreits werden, müssen sie sich für den Prozess keinen Rechtsbeistand suchen und zu keinem Gerichtstermin erscheinen. Der kostenlose Anschluss an die Sammelklage führt auch dazu, dass die Verjährung der eigenen Ansprüche der Verbraucher gehemmt wird.
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17.11.2025 | 2:40 minVerschiedene Klagearten
Seit 2018 haben sich mehr als 856.000 Menschen an Klagen des Bundesverbands der Verbraucherzentrale und den Verbraucherzentralen angeschlossen. Bei der Sammelklage gegen DAZN hat der vzbv eine spezielle Form der Feststellungsklage, die sogenannte Musterfeststellungsklage und eine Abhilfeklage, eingereicht.
Bei einer Musterfeststellungsklage klärt das Gericht im Erfolgsfall bestimmte rechtliche Vorfragen, die für die individuellen Ansprüche der angemeldeten Verbraucher gleichermaßen gelten.
Die Musterfeststellungsklage dient der Klärung grundlegender rechtlicher Fragen. Geschädigte Verbraucher müssen ihre Ansprüche in einem weiteren Schritt selbst durchsetzen. Das entscheidende Gericht ist dann an die in der Musterfeststellungsklage getroffenen Feststellungen gebunden.
Der zweite Schritt der individuellen Rechtsdurchsetzung fällt bei der Abhilfeklage weg. Dabei können Verbraucher eine Entschädigung erhalten, ohne selbst gerichtlich klagen zu müssen.
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