Heeres-Chef zu Putins Strategie:Freuding: Moskau hat Ziel von 1,5 Millionen Soldaten erreicht
Laut Bundeswehr-General Christian Freuding sind die russischen Streitkräfte auf 1,5 Millionen Soldaten angewachsen. Sie seien der Ukraine quantitativ und qualitativ überlegen.
Der oberste Soldat des Heeres: Generalleutnant Christian Freuding sprach in einem Podcast über Putins Streitkräfte. (Archivbild)
Quelle: IMAGO / Bernhard HerrmannDie russischen Streitkräfte wachsen nach Einschätzung von Heeresinspekteur Christian Freuding schnell an - sowohl um weitere Soldaten als auch um schnellere Drohnensysteme.
Sie haben ihre Zielgröße von 1,5 Millionen Soldaten erreicht.
Christian Freuding, Heeresinspekteur
"Und wir erleben beinahe im Monatstakt, wie Putin sehr inkrementell, scheibchenweise immer wieder eine Vergrößerung der Streitkräfte auch anordnet", sagte der Generalleutnant im neuen Bundeswehr-Podcast "Generaldebatte".
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07.10.2026 | 2:58 minFreuding: Russlands Streitkräfte quantitativ und qualitativ überlegen
Freuding verweist auf die Zunahme der russischen Drohneneinsätze gegen Kiew und wie Russland in der Lage sei, die Produktion von Drohnen und Raketen zu steigern. Nur ein Beispiel seien die neuen Geran-Drohnen mit Jetantrieb. Russland habe die Einsatzquote zwischen Juli und August verdoppeln können. Das zeige die industriellen Kapazitäten Russlands, sagte er.
Das heißt, die russischen Streitkräfte sind quantitativ überlegen, sie sind qualitativ überlegen, sie sind technologisch adaptiv und sie sind kriegserprobt.
Christian Freuding, Heeresinspekteur
"Und dazu beobachten wir natürlich auch Russlands hybrides Ausgreifen", so Freuding. Er nannte etwa den misslungenen Drohnenangriff am Leipziger Flughafen, es gebe aber auch Vorfälle in der Rüstungsindustrie in Italien, Bulgarien, Rumänien, im Baltikum.
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06.10.2026 | 69:32 minWie groß ist die Gefahr eines Angriffs auf Nato-Gebiet?
"Und für mich ist es daher durchaus plausibel, wenn wissenschaftlich diskutiert wird, dass ein Angriff gegen Nato-Territorium denkbar ist, nicht nach Beendigung eines Ukraine-Krieges, sondern zur Beendigung des Krieges in der Ukraine", erklärte Freuding.
Für die Sicherheitslage Deutschlands bedeute dies, je größer die Unsicherheit über ein mögliches Wann, desto schneller müsse die Einsatzbereitschaft steigen. Von 2022 bis 2023 war Freuding Leiter des Sonderstabs Ukraine im Verteidigungsministerium in Berlin. Er gilt als Vertrauter des Ministers Boris Pistorius (SPD).
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06.10.2026 | 2:08 minKritik am Ministerium: Europäische Verteidigung "grotesk ineffizient"
Freuding diskutierte im Podcast mit Moritz Schularick, dem Präsidenten des Kieler Instituts für Weltwirtschaft, über die Bedeutung unbemannter Waffensysteme und Produktionskapazitäten. Schularick hatte dem Verteidigungsministerium vorgeworfen, falsche Schwerpunkte bei der Aufrüstung zu setzen und zu viel Geld in veraltete Technologie zu stecken.
Schularick bekräftigte diese Kritik im Bundeswehr-Podcast: "Wie wir europäische Verteidigung aktuell organisieren, ist grotesk ineffizient. Letztes Jahr haben die europäischen Nato-Länder bereits über 500 Milliarden Dollar für die Verteidigung ausgegeben."
Die europäischen Nato-Länder zusammen hätten heute schon das zweitgrößte Verteidigungsbudget der Welt, deutlich vor China. Die Amerikaner geben demnach 900 Milliarden US-Dollar (rund 803 Milliarden Euro) pro Jahr für die Verteidigung aus. Die europäischen Nato-Staaten hätten aber nicht 60 Prozent der Fähigkeiten, sondern seien "eigentlich immer gefühlt die Bittsteller".
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