Epstein-Files: "König" Epstein und der Heidelberger Gönner

Verbindungen nach Deutschland:"König" Epstein und der Heidelberger Gönner

von Jonas Halbe

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US-Multimillionär Jarecki wünschte seinem Freund Epstein, nach dem Gefängnis so weiterzumachen, wie zuvor. Nun steigt der Druck auf den Bundesverdienstkreuzträger und Investor.

Archiv: Jeffrey Epstein

Die Epstein-Files zeigen Kontakte zwischen dem US-Multimillionär Henry Jarecki und Jeffrey Epstein – Jarecki hat enge Verbindungen nach Deutschland. Was ist bekannt?

25.02.2026 | 2:51 min

Es war vermutlich eine der ersten E-Mails, die Jeffrey Epstein im Juli 2009 nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis schickte: "Frei und Zuhause." Epstein hatte wegen Prostitution einer Minderjährigen 13 Monate in Haft verbracht, die meiste Zeit im offenen Vollzug. Mit dieser E-Mail meldete er sich zurück bei Henry Jarecki, einem Finanzinvestor mit Verbindungen nach Deutschland. "Der König ist zurück!", antwortet Jarecki euphorisch.

Ich hoffe, du kommst nicht zur Besinnung. Und wann ist die Party?

Antwort von Henry Jarecki an Jeffrey Epstein

Der damalige Epstein-Kumpel Henry Jarecki ist nicht nur Psychiater und höchst erfolgreicher Unternehmer - er ist auch eine Art transatlantischer Goldesel für Heidelberg. Über die nach seinem Vater benannte Max-Jarecki-Stiftung pumpt der Mäzen seit 2010 mehr als 250 Millionen Euro in das Heidelberger Stadtentwicklungsprojekt Bahnstadt. Beim Spatenstich für eines der geplanten Gebäude posierte im September 2022 Oberbürgermeister Eckart Würzner stolz neben Jarecki.

Henry Jarecki: Ehrensenator und Bundesverdienstkreuzträger

2014 ernannte die Universität Heidelberg Jarecki zum Ehrensenator, zwei Jahre später erhielt er sogar das Bundesverdienstkreuz. Nun scheint es fraglich, ob er diesen Orden auch behalten wird.

Epstein Thumbnail

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Denn die veröffentlichten Epstein-Akten werfen ein wenig schmeichelhaftes Licht auf den Investor. Einem gerade entlassenen Sexualstraftäter zu wünschen, er solle nicht zur Besinnung kommen, ist zumindest fragwürdig.

Schon zuvor, im Frühjahr 2009, versuchte Jarecki laut einer E-Mail Epstein als Co-Autor für ein Buchprojekt mit dem Arbeitstitel "Was ist, wenn ich erwischt werde?" zu gewinnen. Der der Anfrage beigefügte angebliche Gliederungsentwurf listete Tipps auf: etwa immer genügend Bargeld bereitzuhalten und ein Versteck zu haben. Die Kooperation kam nicht zustande, das Buch wurde nie veröffentlicht.

Epstein-Kontakte: Sprecher der Max-Jarecki-Stiftung äußert sich

Ein Sprecher der Max-Jarecki-Stiftung erklärt auf ZDF-Anfrage, Henry Jarecki, inzwischen 92, leide an Demenz und könne Fragen zur Sache nicht mehr selbst beantworten. Bevor seine Krankheit fortgeschritten sei, habe er "tiefes Bedauern" über seine Verbindung zu Epstein geäußert. Jarecki habe Epstein zu einer Zeit E-Mails geschrieben, als das Ausmaß von Epsteins Verbrechen noch nicht bekannt gewesen sei.

Aktenordner

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Ihm sei gesagt worden, Epstein sei zu Unrecht verurteilt worden. Er habe Epstein "nie bei Missbrauch oder illegalen Handlungen beobachtet". Die E-Mails an ihn seien im Rückblick im Ton leider "leichtfertig" gewesen. Auch schon vor den neu veröffentlichten Epstein-Akten war die Beziehung zu Epstein bekannt.

Der 1933 in Stettin geborene Jarecki begann seine Karriere 1957 an der Universität Yale, wo er als Professor für Psychiatrie unterrichtete. Anschließend gründete er nach eigenen Angaben eines der weltweit führenden Edelmetall-Handelsunternehmen, engagierte sich in Investmentfirmen und war bis vergangenes Jahr Vorsitzender eines Biotechnologieunternehmens.

Rufe nach Konsequenzen aus der Politik

Nun werden Rufe nach Konsequenzen laut: Franziska Brantner, die Co-Bundesvorsitzende der Grünen, fordert, dass Jarecki das Bundesverdienstkreuz aberkannt werde, außerdem solle die Universität Heidelberg prüfen, ob Jarecki den Ehrensenator-Titel behalten könne.

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Noch weigert sich die Heidelberger Universität allerdings, selbst für Aufklärung zu sorgen, und will auf ZDF-Anfrage nicht offenlegen, wie viel Geld Jarecki ihr bislang zukommen ließ. In einer schriftlichen Erklärung heißt es, die Universität werde "die weiteren Entwicklungen sorgfältig verfolgen".

Die Stadt Heidelberg lässt mitteilen, dass keine Geschäftsbeziehungen zu Henry Jarecki geführt würden, sondern nur zur Max-Jarecki-Stiftung. Ansonsten sei es "Aufgabe der Ermittlungsbehörden, die Aktenlage zu bewerten". Diese sind in Deutschland bislang nicht mit dem Fall Epstein beschäftigt. Deshalb fordert Brantner jetzt, die Generalbundesanwaltschaft müsse prüfen, "was für Verbindungen zu Deutschland existieren".

Über dieses Thema berichtete ZDF frontal in dem Beitrag "Epstein-Files: Kontakte zu Heidelberger Gönner" am 25.02.2026 um 17:00 Uhr.

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