Jeffrey Epstein: Russland-Kontakte in den Epstein-Files?

Faktencheck

Epstein-Files:Arbeitete Jeffrey Epstein für den russischen Geheimdienst?

von Daniel Laufer und Frederik Obermaier

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Im Netz verbreitet sich die Theorie, Jeffrey Epstein habe im Auftrag der russischen Geheimdienste agiert. Was die Epstein-Files über die Kontakte nach Russland offenlegen.

Justice Department Jeffrey Epstein

Millionen Dokumente und tausende Videos: Die Epstein-Akten sorgen weltweit für Schlagzeilen – auch in Europa. Immer neue prominente Namen stehen im Fokus.

09.02.2026 | 2:07 min

Wie konnte ein Mann wie Jeffrey Epstein jahrelang einen Missbrauchsring betreiben und dabei ein weltweites Netzwerk von Politikern, Wissenschaftlern und Prominenten aufbauen? Presseberichte und Stimmen in den sozialen Medien spekulieren über mögliche geheimdienstliche Aktivitäten.

Die nun vom US-Justizministerium freigegebenen Millionen Dokumente zum Fall Epstein geben Einblick in dessen Verbindungen zu Russland, die weit über flüchtige Kontakte hinausgingen. Sie zeigen, wie der Sexualstraftäter und Millionär über Jahre hinweg Verbindungen nach Moskau pflegte. Er reiste nach Russland - mal mit Ex-US-Präsident Bill Clinton, mal offenbar auf Einladung eines Ministeriums, mal zu einer Veranstaltung von Geheimdienstveteranen. Er suchte die Nähe zu Politikern, Diplomaten und Oligarchen. Zugleich ließ er junge Frauen aus Russland einfliegen und erwog offenbar selbst den Kauf einer Wohnung in Moskau. Was wissen wir tatsächlich über Epsteins Verbindungen zu Russland? Ein Faktencheck.

 Dieses undatierte Foto, das von den Demokraten im House Oversight Committee veröffentlicht wurde, zeigt die Insel von Jeffrey Epstein auf den US Virgin Islands.

Neu veröffentlichte Aufnahmen geben Einblicke in die karibische Privatinsel von Jeffrey Epstein, wo dieser seine Opfer missbraucht haben soll.

04.12.2025 | 1:02 min

Epstein suchte Nähe zum Kreml

In den bisher vom US-Justizministerium veröffentlichten Dokumenten taucht fast 6.000 Mal der Begriff "Russia" auf, mehr als 1.000 Mal "Putin", immer wieder "Moscow". Das allein sagt jedoch wenig aus. Auch Namen von Politikern wie Angela Merkel finden sich in den Daten - in weitergeleiteten Zeitungsartikeln, Teilnehmerlisten von Konferenzen oder schlichtem Klatsch und Tratsch.

Doch im Fall Russland ist es anders. Hier geht es nicht nur um beiläufige Erwähnungen, sondern um wiederkehrende Kontakte und konkrete Avancen in Richtung Kreml.

Helene Reiner in "heute journal - der Podcast"

Die Epstein-Files erschüttern die Politik. Neue Dokumente zeigen erstmals deutsche Verbindungen - von Kontakten in Europa bis zur Deutschen Bank, die trotz Warnungen mit Epstein arbeitete.

12.02.2026 | 36:22 min

Im Juni 2018, da war der Finanzier längst ein verurteilter Sexualstraftäter, Russland hatte die Krim annektiert, und in Washington saß Donald Trump als Präsident im Weißen Haus. Dennoch schrieb Epstein einem Freund: "Ich denke, du könntest Putin vorschlagen, dass Lawrow durch ein Gespräch mit mir Erkenntnisse gewinnen kann." Gemeint waren Wladimir Putin und sein Außenminister Sergej Lawrow. Epstein bot sich an als Mittelsmann, als Einflüsterer, als jemand, der Zugang versprach.

Einige Jahre zuvor will er dem russischen Präsidenten Ideen zu kreativen Finanzinstrumenten anbieten. In einem Mailverkehr aus dem Juni 2014 schreibt ihm ein damals führender europäischer Politiker über seine Pläne, Putin zu treffen. Epstein will mitmischen. "Du kannst Putin erklären, dass es eine ausgeklügelte russische Version des Bitcoins geben soll", schrieb er zurück. "Es wäre das weltweit fortschrittlichste Finanzinstrument."

Aktenordner

In den Files zum Fall des US-Sexualstraftäters Jeffrey Epstein tauchen viele bekannte Personen auf. Die Datenmenge ist riesig - wie viele Regale die Akten füllen würden, zeigt die 3D-Animation.

13.02.2026 | 1:01 min

Zwar gibt es keine Belege für ein Treffen mit Lawrow oder Putin. Doch die Akten zeichnen das Bild eines dichten Beziehungsgeflechts. Russland erschien Epstein als geopolitische Gelegenheit: als Markt trotz Sanktionen, als Türöffner zu politischen Kreisen. Zeitweise arbeitete eine Ex-Funktionärin der Pro-Putin-Bewegung "Nashi" als Epsteins PR-Beraterin.

Der Millionär suchte die Nähe zu Russlands Mächtigen. Mit Russlands UN-Botschafter Witalij Tschurkin traf er sich regelmäßig in New York, danach habe der Diplomat "Trump verstanden", prahlte Epstein. In einer E-Mail schrieb Epstein 2013, Putin wolle mit ihm am Rande des St. Petersburger Wirtschaftsforums sprechen. Wenn der russische Staatschef ihn treffen wolle, müsse er "echte Zeit und Privatsphäre" einplanen, schrieb Epstein selbstbewusst.

Der damalige Generalsekretär des Europarates, Thorbjörn Jagland.

Mehrere bekannte Persönlichkeiten in Norwegen pflegten Kontakte zum Sexualstraftäter Epstein. Der Skandal erschüttere das Vertrauen der Bürger, so der Ministerpräsident Støre.

13.02.2026 | 1:36 min

Der Millionär nutzte seine "FSB-Freunde"

2014 freundete sich Epstein mit Sergei L. Beljakow an, damals Vize-Wirtschaftsminister und Absolvent einer Akademie des russischen Inlandsgeheimdienstes FSB, des KGB-Nachfolgers. Epstein stellte Kontakte ins Silicon Valley in Aussicht, etwa zu Peter Thiel.

Umgekehrt nutzte er offenbar seine mutmaßlichen FSB-Kontakte, um eine Frau einzuschüchtern. Als eine Russin für ihn mit ihren angeblichen Erpressungsversuchen zum Problem wurde, drohte er in einer Nachricht  mit "Freunden im FSB", die er bereits über ihre Erpressungsversuche informiert habe. Ob der Finanzier den Text an die Frau abgeschickt hat oder ob es sich nur um einen abgespeicherten Entwurf handelt, bleibt unklar.

Aus den Epstein-Files kommt nun hervor, dass er den FSB-Absolventen Beljakow tatsächlich um diskrete Hilfe bat: Eine russische Frau versuche, "eine Gruppe mächtiger Geschäftsleute" zu erpressen. Vier Tage später lieferte Beljakow Informationen über die Frau. Auf Anfrage von ZDF frontal antwortete Beljakow bis zur Veröffentlichung dieses Artikels nicht.

In diesem vom US-Justizministerium freigegebenen Dokument ist zu sehen, dass die New Yorker Grand Jury Vorladungen zu den Ermittlungen gegen Jeffrey Epstein und Ghislaine Maxwell erlassen hat. Dahinter sind Seiten mit Schwärzungen

In der Epstein-Affäre müssten längst alle Dokumente veröffentlicht worden sein. Schlagzeilen machen stattdessen die Clintons. Warum ihnen nun eine Anklage droht.

27.01.2026 | 1:16 min

Flugdaten und Visaanträge belegen Russland-Reisen

Die Reisedaten von Epsteins Jet, einer Boeing 727-100,  Spitzname "Lolita Express", dokumentieren mehrere Trips in den frühen 2000er-Jahren nach Russland, 2002 und 2003 nach Nowosibirsk und Moskau, 2017 erscheint in einem Kalendereintrag ein Flug von Moskau nach Genf.

Sein Faible für Russland spiegelt sich auch in seinen Visa-Anträgen wider, von denen Teile in den vom US-Justizministerium veröffentlichten Akten auftauchen. Demnach beantragte er 2002, 2003, 2004, 2006, 2007, 2011, 2012, 2014 und 2015 russische Visa. 2018 erhielt er sogar ein Visum mit dreijähriger Gültigkeit. Ausgestellt wurde es offenbar für eine Reise nach St. Petersburg. Zuletzt reiste Epstein offenbar im April 2019 nach Russland. Wenige Monate später wurde er in den USA festgenommen.

Was genau Epstein in Russland tat, lässt sich bis heute nicht zweifelsfrei rekonstruieren. Zwei Visa-Anträge geben jedoch Anlass zur Spekulation. 2014 nannte er als Reisezweck einen Besuch beim russischen Ministerium für wirtschaftliche Entwicklung - in jener Behörde, in der Beljakow als Vizeminister arbeitete. Vier Jahre zuvor verwies Epstein in seinem Visumsantrag auf eine Einladung der Organisation "MOO Vympel". Diese gilt als Verband von Geheimdienstveteranen.

Polen hat bereits eine Untersuchung in der Sache angekündigt. Es gebe immer mehr Hinweise, "dass dieser beispiellose Pädophilieskandal von russischen Geheimdiensten mitorganisiert wurde", erklärte der polnische Ministerpräsident Donald Tusk. Er will prüfen lassen, ob Epstein Verbindungen zum russischen Geheimdienst pflegte.

Der Kreml weist das zurück. Die Theorie, dass Epstein von russischen Geheimdiensten gesteuert gewesen sei, könne man nicht ernst nehmen, sagte der Sprecher des Kremls. Dennoch fordern Sicherheitspolitiker in Deutschland und weiteren EU-Ländern Ermittlungen. "Wir müssen jeglichen Hinweisen auf mögliche Verbindungen des Epstein-Netzwerks nach Europa nachgehen, insbesondere weil der Verdacht ausländischer Einflussnahme im Raum steht", sagte SPD-Politikerin Katharina Barley dem Handelsblatt.


Epstein-Files

Viele Amerikaner, darunter auch Republikaner, kritisieren mangelnde Transparenz in der Aufklärung der Epstein-Affäre. "Die Trump-Basis kocht", so Julius van de Laar, USA-Experte, zu den neuen Veröffentlichungen.

03.02.2026 | 9:26 min

Fazit: Insgesamt gibt es in den bislang veröffentlichten Epstein-Files keine hinreichenden Beweise dafür, dass Epstein im Auftrag des russischen Geheimdienstes stand. Die Unterlagen belegen allerdings, dass der verurteilte Sexualstraftäter systematisch Kontakte nach Russland knüpfte - zu Ministern, Diplomaten, Oligarchen.

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