Trotz negativer Presse:Deutsche Bank hielt jahrelang an Jeffrey Epstein fest
von Sophia Baumann, Jonas Halbe und Daniel Laufer
Jeffrey Epstein wurde erst nach seiner ersten Verurteilung Kunde der Deutschen Bank. Intern stufte diese den Sexualstraftäter jahrelang als akzeptables Risiko ein.
Auch die Deutsche Bank hatte Beziehungen zum Sexualstraftäter Jeffrey Epstein. Er wurde Kunde, obwohl die Bank über ihn Bescheid wusste. Dieses „Reputationsrisiko“ ging sie bewusst ein.
11.02.2026 | 2:08 minNach fünf langen Jahren mit dem prominenten Kunden heißt es in einer internen E-Mail der Deutschen Bank im Dezember 2018, jetzt müsse geprüft werden, "ob man sich noch dabei wohlfühlt, diese Geschäftsbeziehung aufrechtzuerhalten". Der Kunde ist Jeffrey Epstein - der zu diesem Zeitpunkt längst als verurteilter Sexualstraftäter bekannt war und über dessen Konten mutmaßliche Opfer seines Missbrauchsrings bezahlt wurden.
Erst in den USA verurteilt, dann als Bankkunde akzeptiert
Die jüngst vom US-Justizministerium veröffentlichten Unterlagen zum Fall Jeffrey Epstein zeichnen das Bild einer Bank, die Warnsignale kannte, relativierte und über Jahre hinnahm. Epstein wurde 2013 - und damit Jahre nach seiner ersten Verurteilung 2008 und dem Absitzen einer 13-monatigen Haftstrafe - überhaupt erst Kunde der Deutschen Bank. Intern galt er dennoch lange als akzeptables Risiko.
Die Deutsche Bank erhoffte sich offenbar gute Geschäfte mit Epstein. Zwei bis vier Millionen Dollar an Einnahmen jährlich versprach sich die Bank aus der Geschäftsbeziehung, so geht es aus einem Vergleich zwischen der Deutschen Bank und der Finanzaufsicht des Staates New York aus dem Juli 2020 hervor.
"Es werden einige zittern", sagt EU-Politikerin Strack-Zimmermann über die Epstein-Akten. Die Bundesregierung habe die Verpflichtung sich darum zu kümmern, was man machen könne.
10.02.2026 | 15:18 minDie von ZDF frontal ausgewerteten Unterlagen zeigen: Epsteins Straftaten und sein Geständnis, eine Minderjährige prostituiert zu haben, waren der Deutschen Bank bestens bekannt - trotzdem nahm sie ihn als Kunden auf. Auf ZDF-Anfrage sagt die Deutsche Bank, die Aufnahme sei ein "Fehler" gewesen:
Wir bedauern unsere damalige Geschäftsbeziehung zu Epstein zutiefst.
Stellungnahme der Deutschen Bank
US-Kongress fordert Herausgabe von Epstein-Unterlagen
Der US-Kongress und etliche Aktionäre verlangen indes Aufklärung von der Deutschen Bank. Ein Ausschuss des Kongresses schickte bereits im November eine dringliche Vorladung an das Frankfurter Geldhaus. Demnach wird derzeit geprüft, ob Finanzinstitute zur "Ermöglichung von Sexhandelsstrukturen" beigetragen haben.
Klaus Nieding von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz, die tausende Aktionäre der Deutschen Bank vertritt, fordert jetzt, dass "die Deutsche Bank proaktiv und umfassend zur Geschäftsverbindung mit Jeffrey Epstein Stellung beziehen" solle.
Die Komplizin des verstorbenen US-Sexualstraftäters Jeffrey Epstein, Ghislaine Maxwell, hat eine Anhörung im US-Repräsentantenhaus verweigert. Sie berief sich auf ihr Recht, zu schweigen.
10.02.2026 | 0:28 minFragwürdige Zahlungen von bis zu 192.000 Dollar
Der US-Finanzier und Sexualstraftäter eröffnete im August 2013 sein erstes Konto bei dem deutschen Finanzinstitut, wenige Monate später ein Konto für den Butterfly Trust. Über diesen floss regelmäßig Geld an junge Frauen - so geht es aus einer Tabelle über Zahlungen an "ausländische Models" hervor, über die "Die Zeit" zuerst berichtete. Epstein lockte seine Opfer offenbar immer wieder mit Versprechen und stellte einen Bonus in Aussicht, sollten sie Freundinnen mitbringen. Einzelne Posten beliefen sich auf bis zu 192.000 Dollar.
Daneben hatten Epstein, seine Unternehmen und Geschäftspartner mindestens 40 Konten bei der Deutschen Bank. Über sie wurden etwa Zahlungen für seine Stiftung, sein Flugzeug und seine Ranch abgewickelt. Geld floss in mehrere Länder, darunter die USA, Russland und Italien.
Bankberater zu Besuch in Epsteins berüchtigtem Stadthaus
Epsteins Berater von der Deutschen Bank traf sich immer wieder mit seinem Premium-Kunden, offenbar auch in dessen Privathaus in New York, "bei Jeffrey zu Hause", wie es in der Mail einer Assistentin heißt. In den Räumen jenes luxuriösen Stadthauses soll Epstein über Jahre hinweg Dutzende Minderjährige missbraucht haben.
Bankintern kursierten zu diesem Zeitpunkt längst detaillierte Informationen über Epsteins Taten. In einer Mail aus dem Dezember 2014 heißt es, bereits "40 minderjährige Mädchen" hätten ausgesagt, "dass Epstein sie sexuell missbraucht hat".
Informationen über mutmaßliche Opfer sollen in den veröffentlichten Epstein-Akten gar nicht oder uneinheitlich geschwärzt worden sein. Jetzt sind die Gesichter und Namen von Opfern sexueller Misshandlung öffentlich einsehbar.
06.02.2026 | 0:22 minWarnungen ohne Folgen
Die Geschäftsbeziehungen liefen dennoch weiter, wurden aber als "hohes Risiko" eingestuft. Der Sexualstraftäter könne ein Risiko für die Reputation der Deutschen Bank darstellen und deshalb nochmal überprüft werden.
Die Leiterin der US-Compliance der Deutschen Bank entschied jedoch, die Zusammenarbeit "wie gewohnt fortzusetzen", wie es in einer internen Mail der Bank aus Februar 2015 heißt. Trotzdem sollten die Transaktionen der Konten zukünftig auf verdächtige Aktivitäten überwacht werden.
Spätes Ende einer schwierigen Geschäftsbeziehung
Erst im Dezember 2018, nach neuer negativer Berichterstattung, wuchs offenbar der Handlungsdruck. Bankmitarbeiter schickten sich Presseartikel, in einem ging es um Epsteins Treffen mit jungen Frauen. Auch sie sollten Geld aus Epsteins Butterfly Trust bekommen haben. Jetzt sei Klarheit nötig, heißt es in der Mail. "Was tun sie für Jeffrey Epstein?" Keine drei Wochen später kündigte die Bank Epstein die Geschäftsbeziehung. Seine letzten Konten wurden einen Monat vor seinem Tod im August 2019 geschlossen.
Bei den Epstein-Akten wurden Namen durch Schwärzungen geschützt. "Bei unzulässigen Schwärzungen könnte der Kongress Zwangsmaßnahmen gegen das US-Justizministerium verhängen", berichtet Elmar Theveßen, ZDF-Korrespondent in Washington.
09.02.2026 | 2:51 minEin Jahr später verhängte die Finanzaufsicht des Staates New York eine Strafe von 150 Millionen Dollar. Die Begründung: jahrelange Verstöße gegen Sorgfaltspflichten. Auf Anfrage betont die Deutsche Bank in diesem Zusammenhang:
Die Deutsche Bank hat das Thema in Absprache mit den Aufsichtsbehörden aufgearbeitet und ist die Probleme systematisch angegangen.
Stellungnahme der Deutschen Bank
2023 stimmte die Deutsche Bank einem Vergleich in Höhe von 75 Millionen Dollar mit mehreren Epstein-Opfern zu. Die Frauen hatten der Bank vorgeworfen, von Epsteins Sexhandelsring profitiert zu haben.
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