Bilanz für 2025 vorgelegt:Deutsche Bank: Zwischen Razzia und Rekord
von Klaus Weber
Die Zahlen sind hervorragend. Dennoch wird die Deutsche Bank wieder ordentlich durchgeschüttelt und es legt sich ein Schatten über die Zwillingstürme im Frankfurter Bankenviertel.
Nach Geldwäsche-Razzia legt die Deutsche Bank eine Bilanz mit Rekordgewinn vor. Was steckt hinter dem neuen Erfolg des größten deutschen Geldhauses? Dazu Valerie Haller.
29.01.2026 | 1:16 minEs hätte so ein schöner Tag werden können. Die Deutsche Bank hat nämlich - mit gut 9,7 Milliarden Euro - das beste Vorsteuerergebnis ihrer Geschichte eingefahren. Nach Steuern waren es 6,1 Milliarden. Mehr als das Doppelte im Vergleich zu 2024.
Selbst gesteckte Ziele komplett erreicht
"Wir haben alle Finanzziele für 2025 erreicht", erklärte Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing und fügte stolz hinzu, das Institut sei "auf dem Weg zu unserem langfristigen Ziel, der europäische Champion zu werden". Denn es ist nach schwierigen Jahren immerhin das sechste Jahr in Folge, das die Bank mit einem Gewinn abschloss.
Besonders erfreulich für das Geldhaus: Nicht nur das traditionell starke Investmentbanking hat zu den Zahlen beigetragen. Auch das klassische Bankgeschäft spielt wieder eine Rolle. Unternehmens- und Privatkundenbank, samt Post- und Norisbank, konnten ihr Ergebnis zum Vorjahr kräftig steigern. Ein Rekordergebnis gab es zudem auch bei der Fondstochter DWS.
Wegen des Verdachts der Geldwäsche haben Ermittler die Zentrale der Deutschen Bank in Frankfurt und einen Standort in Berlin durchsucht. Die Hintergründe.
28.01.2026 | 1:48 minAll das führt dazu, dass man für die Aktionäre noch ein besonderes Bonbon bereithält. Sie können mit einer satten Dividendenerhöhung von 68 Cent auf einen Euro pro Aktie rechnen.
Razzia weckt ungute Erinnerungen bei der Deutschen Bank
Diese Zahlen sind eigentlich der Stoff, aus dem Banker-Träume sind. Und eigentlich hätte man nur darüber geredet, dass die Deutsche Bank kerzengrade ihren erfolgreichen Weg der letzten Jahre weitergeht. So überflüssig wie ein Kropf ist deshalb die Razzia, die die Staatsanwaltschaft Frankfurt mit dem BKA ausgerechnet einen Tag vor der Bilanzvorlage durchführte. Das weckt ungute Erinnerungen an eine Deutsche Bank, die es so unter Christian Sewing nicht mehr geben sollte.
Denn es gab eine Zeit, da mutierte das Frankfurter Finanzinstitut regelrecht zur Skandalbank. Geldwäscheermittlungen wechselten sich ab mit Sanktionsverstößen oder Greenwashing-Verdächtigungen. Die Liste der Verstöße ist lang, die der Strafzahlungen und Geldbußen ebenso. Seit 2022 herrschte relative Ruhe.
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02.01.2026 | 1:42 min"Razzia ist ein erheblicher Rückschlag"
Auch Florian Heider, Direktor des Leibniz-Instituts für Finanzmarktforschung, ging davon aus, dass dieses "Kapitel abgeschlossen" wäre. "Die Razzia gestern ist ein erheblicher Rückschlag für die Deutsche Bank", sagt er. Besonders problematisch sei der Zeitpunkt:
Einen Tag vor der Pressekonferenz. Das deutet auf ein angespanntes Verhältnis zur Staatsanwaltschaft hin.
Florian Heider, Direktor des Leibniz-Instituts für Finanzmarktforschung
Ein Vorfall dieser Art ist Gift für die gerade wiedergewonnene Reputation. Doch nicht nur der Ruf ist in Gefahr, Rechtsstreitigkeiten sind einfach teuer. "Die sogenannten nicht-operativen Kosten, namentlich solche für Rechtsstreitigkeiten, sind um sage und schreibe 86 Prozent abgesunken. Diese Kosten haben in den Vorjahren das Ergebnis und die Rendite der Deutschen Bank belastet", sagt Markus Kienle von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger. "Die Deutsche Bank muss endlich diese Compliance-Themen in den Griff bekommen", ergänzt er.
Wegen wachsender Abhängigkeit von US-Konzernen bei Transaktionen im Euroraum soll der digitale Euro nun schneller kommen als erwartet. Wie er schützt und was sich ändert, erklärt ZDFheute live.
29.01.2026 | 32:06 minDeutsche Bank kooperiert mit Behörden
Auch deshalb wies der Vorstandsvorsitzende heute nochmal mit Nachdruck darauf hin, dass "wir vollumfänglich mit den Behörden zusammenarbeiten, um die Transaktionen aus der Vergangenheit aufzuarbeiten."
Klar ist, die Deutsche Bank steht trotz aller Erfolge weiterhin in einem knallharten Konkurrenzkampf, bei dem nur die Starken überleben werden. Ob die Deutsche Bank dazu gehören wird, ist längst nicht ausgemacht. Von der Bilanzsumme her pendelt sie weltweit um den 30. Platz, der Börsenwert reicht nicht mal in Europa zu einem vorderen Top-10-Platz.
Deshalb ruft Christian Sewing schon neue ehrgeizige Ziele aus: Deutlich höhere Erträge und weitere Einsparungen sollen etwa die Nachsteuerrendite bis zum Jahr 2028 auf mehr als 13 Prozent hieven. Dies kann aber nur gelingen, wenn man in Frankfurt künftig von solchen Rückschlägen verschont bleibt. Denn die wichtigste Währung einer Bank ist nun mal nicht der Dollar oder der Euro, sondern das Vertrauen.
Klaus Weber ist Redakteur im ZDF-Team Wirtschaft und Finanzen.
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