Fußball-Weltmeisterschaft in den USA:Linken-Chef fordert WM ohne politische Präsenz
von Johannes Lieber
Soll Deutschland die Fußball-WM der Männer in den USA boykottieren? Der St. Pauli-Clubchef hatte das zuletzt angeregt. Die Politik lehnt das mehrheitlich ab, hat aber andere Ideen.
DFB-Vizepräsident Oke Göttlich hat die Debatte über einen WM-Boykott eröffnet. Er steht nach wie vor dazu, "denn der Fußball funktioniert nicht im Reagenzglas der gesellschaftlichen Themen".
03.02.2026 | 3:45 minAm 14. Juni soll Deutschland in Houston gegen Curaçao in die Fußball-WM starten. Eine Weltmeisterschaft in den USA: Vor vier Jahren nach dem Turnier in Katar hatte dies noch für Vorfreude gesorgt. Endlich wieder "normale" Verhältnisse.
Heute sieht es ganz anders aus. Nach den trumpschen Drohungen gegen Grönland und die EU und dem Vorgehen der ICE-Truppen in den USA selbst bringen einige wieder einen WM-Boykott ins Spiel.
Der Präsident des Bundesliga-Clubs St. Pauli forderte, "darüber konkret nachzudenken". Auch die Außenpolitiker Roderich Kiesewetter (CDU) und Boris Mijatović (Grüne) äußerten sich ähnlich. Unionsfraktionschef Jens Spahn wollte zuletzt im ZDF einen Boykott nicht ausschließen.
Im Umgang mit US-Präsident Trump mahnt Unionsfraktionschef Spahn zu Besonnenheit. Man müsse "klar in der Sache" sein und "gleichzeitig nicht eskalieren", sagt er im ZDF.
25.01.2026 | 5:48 minLinke für Teilnahme - aber ohne Merz
Der Linken-Parteivorsitzende Jan van Aken hingegen lehnt einen Boykott der Fußball-WM auf ZDFheute-Anfrage ab. Der Deutsche Fußball-Bund solle aber bei der FIFA "dafür sorgen", dass die nächsten WMs "nicht mehr an Menschenrechtsverletzer vergeben werden", so van Aken.
Zwar sei er dafür, dass die deutsche Mannschaft teilnehme, einen diplomatischen Boykott befürworte er trotzdem.
Klar muss sein, dass kein Friedrich Merz oder andere Politiker aus Deutschland zu dieser Trump-Show fahren.
Jan van Aken, Parteivorsitzender "Die Linke"
Er selbst habe "gar keine Lust", sich die Spiele anzuschauen. Die Lust auf "Megaevents", auf denen sich "Trump und seine Oligarchen-Truppe profilieren können", sei ihm vergangen, so der Linken-Chef.
Angesichts der politischen Entwicklung der USA ist eine Boykottdebatte im deutschen Fußball entbrannt. DFB und DFL ringen um eine Haltung.
26.01.2026 | 0:30 minGrüner fordert Prüfung eines Boykotts
Erik Marquardt, der für die Grünen im EU-Parlament sitzt, sieht die Fußball-WM in den USA ebenfalls kritisch. In einem Schreiben an die UEFA, den europäischen Fußballverband, fordern Marquardt und 18 weitere EU-Abgeordnete verschiedener Fraktionen den Verband auf, sich stärker von der FIFA und Donald Trump zu distanzieren.
Der Sport sollte in diesen schwierigen Zeiten eine Vorbildfunktion haben. Die Machenschaften der FIFA und ihrer Führung stehen für das Gegenteil dessen, was es aktuell im Sport braucht.
Erik Marquardt (Die Grünen), Mitglied des EU-Parlaments
Er wünsche sich "eine klare Kritik von der UEFA" gegenüber der FIFA. Ein Boykott sei "eine unter verschiedenen Optionen", die die UEFA prüfen müsse, so Marquardt zu ZDFheute. Seiner Meinung nach werde Trump die WM auch nutzen, um von den "ziemlich grässlichen" Entwicklungen in den USA abzulenken. Das könne man nicht "einfach so hinnehmen", so Marquardt.
In einer Hamburger Fußballkneipe ist ein WM-Boykott Thema. In Grönland in der Gemeinde Sommerland in Schleswig-Holstein herrscht Trump-Misstrauen.
25.01.2026 | 4:18 minExperte: Boykott hätte "keine Wirkung"
Der Sportsoziologe Holger Preuß von der Universität Mainz hält einen WM-Boykott für die falsche Lösung. "Historisch sehen wir, dass der politische Boykott eines Sportevents keine Wirkung hat." Seiner Meinung nach sollte die vereinende Kraft des Sports wieder mehr in den Vordergrund gerückt werden, statt ihn für politische Auseinandersetzungen zu nutzen.
Die Leidtragenden wären am Ende die "armen Spieler, die vielleicht nur einmal in ihrem Leben die Chance bekommen, an einer WM teilzunehmen".
Als Beispiel nennt Preuß den Boykott der Olympischen Spiele 1984 in Los Angeles durch die Sowjetunion - den letzten größeren Olympiaboykott. Auch damals hätte sich "nichts verändert", außer dass sich die USA über mehr Goldmedaillen freuen durften.
Am Freitag werden in Norditalien die olympischen Winterspiele eröffnet. Das deutsche Team blickt mit klaren Erwartungen und großen Hoffnungen auf die Spiele.
04.02.2026 | 1:22 minLediglich dem persönlichen TV-Boykott einiger Fans kann der Experte etwas abgewinnen. "Wer glaubt, dass ein Boykott psychologisch guttut, um selber in den Spiegel gucken zu können, für den ist es auch richtig das zu tun."
Regierung schließt WM-Boykott aus
Einen WM-Boykott lehnt auch die Bundesregierung ab. Man halte das "nicht für den richtigen Weg", so der stellvertretende Regierungssprecher Steffen Meyer.
Politische Auseinandersetzungen sollte man auf politischer Ebene austragen und den Sport entsprechend den Sport sein lassen.
Steffen Meyer, stellv. Regierungssprecher
Zuletzt hatte auch die Sport-Staatsministerin Christiane Schenderlein (CDU) abgelehnt. Zudem verwies sie darauf, dass die Entscheidung darüber bei den "zuständigen Sportverbänden, nicht bei der Politik" läge.
Die Geschichte zeigt aber, dass die Politik durchaus Einfluss nehmen kann. Das Nationale Olympische Komitee stimmte 1980 für den deutschen Boykott der Olympischen Sommerspiele in Moskau - unter großem politischen Druck.
Mehr zum Thema Fußball-WM
Nationalkeeper wieder verletzt:Ter Stegen droht offenbar das WM-Aus
mit Video0:19Afrikas neue Fußballmacht:Warum Marokko als Geheimfavorit zur WM fährt
von Ralf Lorenzenmit Video14:18Turnier in Kanada, Mexiko und USA:Fußball-WM 2026: ZDF zeigt Eröffnungsspiel und Finale live
mit Video1:35- FAQ
Was bei der Einreise gilt:2026 in die USA reisen, oder lieber doch nicht?
Fränzi Meyer, Washington D.C.mit Video1:07