Zahnarzt, Rente, Teilzeit und Co.:Expertin: Wirtschaftsrat-Vorschläge werden "skandalisiert"
Die Sparvorschläge des CDU-nahen Wirtschaftsrats stoßen auf breite Kritik. Im ZDF hält die Wirtschaftsweise Grimm dagegen. Man müsse nun an "vielen kleinen Stellschrauben drehen".
Das Gespräch mit Veronika Grimm in voller Länge.
03.02.2026 | 6:12 minMütterrente, Rente mit 63 und Grundrente streichen, Zahnarzt selbst bezahlen, Arbeitslosengeld nur noch für ein Jahr: Das Papier des parteinahen CDU-Wirtschaftsrats mit dem Titel "Agenda für die Arbeitnehmer in Deutschland" sorgt für Diskussionen.
Was ist von der Forderung nach Einschnitten bei sozialpolitischen Leistungen zu halten? Die Steuer- und Abgabenlast in Deutschland sei zu hoch - "irgendwas muss passieren", sagte die Wirtschaftsweise Veronika Grimm im ZDF-Morgenmagazin.
Sehen Sie das Interview oben im Video in voller Länge und lesen Sie es hier in Auszügen.
Wie sinnvoll sind die Vorschläge des CDU-Wirtschaftsrats?
Schon jetzt sei man in einer herausfordernden Situation, sagt die Wirtschaftsweise Grimm. Die Steuer- und Abgabenlast in Deutschland sei im europäischen Vergleich auf einem Rekordniveau, der Regierung fehle trotz Rekordschulden "schon wieder Geld".
Insofern ist das eine Summe an Vorschlägen, die schon alle in die richtige Richtung zielen.
Veronika Grimm, Wirtschaftsweise
Die Vorschläge würden dazu führen, dass die Abgabenlast sinke. Nun gehe es darum, sich politisch zu einigen, welche davon man umsetze.
Muss die Zahnarztbehandlung bald selbst bezahlt werden? Diese Idee kommt gerade aus CDU-nahen Kreisen. Innerhalb der Partei regt sich Widerstand. Der Koalitionspartner SPD befürchtet Vertrauensverlust.
03.02.2026 | 2:31 minWas ist von den einzelnen Forderungen wie Zahnarztbesuchen zu halten?
Für besonders großen Wirbel sorgt seit dem Wochenende die Forderung, Zahnarztbesuche nicht mehr über das Umlagesystem der gesetzlichen Krankenversicherung zu bezahlen. Dann müssten die Versicherten sich privat absichern und bezahlen. Vor diesem Hintergrund kritisiert die Wirtschaftsweise, einige der Forderungen würden "gleich wieder skandalisiert".
Um die tatsächliche Abgabenlast zu senken, müsse "an sehr, sehr vielen kleinen Stellschrauben" gedreht werden.
Am Ende wird jeder einzelne Vorschlag skandalisiert und das ist natürlich eine große Herausforderung dafür, überhaupt weiterzukommen.
Veronika Grimm, Wirtschaftsweise
Der Auftrag sei gewesen: Schutzniveau bewahren, modernisieren, digitalisieren und vereinfachen, so Arbeitsministerin Bas (SPD) über die Reformvorschläge der Sozialstaatskommission.
27.01.2026 | 7:23 minAuch die Anhebung des Renteneintrittsalters sei eine wichtige Komponente. Die Rente mit 63 sowie die Mütterrente "müsste man eigentlich in Frage stellen". All das seien Ausgaben, die den Bundeshaushalt in einer Zeit belasteten, in der die Ausgaben entgleiten.
Ebenso sei die Forderung nach Einschränkung des Rechts auf Teilzeit zu diskutieren. Letztlich gehe es um Vorschläge, die dazu führten, Dinge zu verbessern. "Und zwar nicht mit Scheinvorschlägen, die am Ende gut klingen, aber am Ende nichts bringen, sondern mit Vorschlägen, die in die richtige Richtung laufen."
Der Wirtschaftsrat der CDU fordert eine zukünftige Steuersenkung, um den Anstieg der Sozialabgaben zu verhindern. Gespart werden soll anderswo: Und zwar bei Zahnbehandlungen und Rentenformen.
01.02.2026 | 0:22 minSind die Belastungen zu einseitig?
Grimm reagierte auch auf die Äußerungen des rheinland-pfälzischen Ministerpräsidenten Alexander Schweitzer (SPD), er hatte die Vorschläge des Wirtschaftsrats "zynisch" und "völlig daneben" genannt. "Da geht es einfach darum, Arbeitnehmer in den Fokus zu nehmen, sie zu quälen und verantwortlich zu machen für globale wirtschaftliche Entwicklungen."
Das Gespräch mit Alexander Schweitzer, SPD-Ministerpräsident Rheinland-Pfalz, im Video. Seine Äußerungen zu den Sozialreform-Vorschlägen ab Minute 04:12.
03.02.2026 | 5:15 minDie Wirtschaftsweise sieht das anders. Es brauche Vorschläge, die die Ausgabenbelastung des Bundeshaushalts, der Länder und der Kommunen senke. "Diese Arten von Vorschlägen brauchen wir." Sie führten am Ende zu Wirtschaftswachstum und zur Reduktion der Steuerbelastung.
Wenn wir keine Reformen anstrengen, dann wirkt die Situation erst mal sicher, aber in der langen Frist ist sie eben nicht finanzierbar.
Veronika Grimm, Wirtschaftsweise
In der Folge seien die Entwicklungen dann viel disruptiver, "als wenn wir jetzt an diesen Schrauben drehen würden".
Das Interview führte Dunja Hayali, zusammengefasst hat es Clara Eberle.
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