Rente im Bundestag:Riester-Nachfolger: Wie man jetzt fürs Alter vorsorgen kann
Mehr Menschen sollen Geld fürs Alter zurücklegen: Um die private Altersvorsorge zu fördern, hat der Bundestag eine Reform der Riester-Rente beschlossen. Darum geht es.
Ab Januar soll es neue Möglichkeiten geben, privat und staatlich gefördert für das Alter vorzusorgen. Der Bundestag hat einen Nachfolger für die immer unbeliebtere Riester-Rente beschlossen.
27.03.2026 | 2:52 minPrivat fürs Alter vorsorgen, das soll sich künftig auch für Menschen mit wenig Geld und für Selbstständige stärker lohnen. Union und SPD hatten sich auf Details für eine neue staatliche Förderung geeinigt, der Bundestag hat die Maßnahmen heute beschlossen. Damit soll es ab Januar 2027 einen attraktiven Nachfolger für die immer unbeliebtere Riester-Rente geben.
Was ist das Problem mit der Riester-Rente?
Eigentlich sollte die private Riester-Rente Bürgern Sicherheit bringen, deren gesetzliche Rente perspektivisch nicht ausreichen wird. Sie wird mit staatlichen Zulagen und Steuervorteilen gefördert.
Die schwarz-rote Koalition hat eine Reform der privaten Altersvorsorge beschlossen. ZDF-Börsenexperte Frank Bethman erklärt, was die Riester-Rente ab 2027 ersetzen soll.
27.03.2026 | 1:10 minAußerdem sind Anbieter verpflichtet, eingezahlte Beiträge zu 100 Prozent zu garantieren, sodass man kein Risiko eingeht. Doch deswegen sind die Renditechancen auch enorm eingeschränkt. Zugleich fallen hohe Abschluss- und Verwaltungskosten an, die an Versicherungen und Finanzinstitute gehen.
Viele haben sich daher bereits entschieden, nicht weiter in ihre Riester-Verträge einzuzahlen oder sie ganz zu kündigen. Ende 2024 gab es nach Zahlen des Bundesarbeitsministeriums noch knapp unter 15 Millionen - doch in geschätzte 20 bis 25 Prozent davon wurde überhaupt nicht mehr eingezahlt.
Die demographische Entwicklung stellt das Rentensystem vor immer größere Probleme: Waren es 2020 noch 16,7 Millionen Menschen ab 67 Jahren, sollen es 2040 knapp 21 Millionen sein.
16.02.2026 | 1:47 minWas soll sich jetzt ändern?
Die Bundesregierung will ein leicht verständliches Standardprodukt einführen, das jeder Anbieter - also Banken, Sparkassen und Versicherungen - im Portfolio haben muss und das den Einstieg in die private Vorsorge erleichtern soll. Außerdem soll es Altersvorsorge-Depots ohne Garantievorgaben geben, bei denen etwa in Fonds oder andere Anlageklassen investiert werden kann.
- Abschluss- und Verwaltungskosten sollen über die gesamte Vertragslaufzeit verteilt werden, außerdem soll es für das Standardprodukt einen Kostendeckel von einem Prozent geben.
- Neu ist auch die Aufnahme von Selbstständigen in den Kreis der förderfähigen Erwerbstätigen: Bisher hatten vor allem abhängig Beschäftigte die Möglichkeit zu "riestern". Mit der Aufnahme der Selbstständigen will die Koalition dem "immens wichtigen Beitrag" Rechnung tragen, "den diese Menschen jeden Tag für unsere Wirtschaft und Gesellschaft leisten", wie auch der "Realität, dass Selbstständige besonders häufig von prekären Lebensverhältnissen im Alter betroffen sind".
Die neue Aktivrente mit steuerfreiem Zuverdienst in Höhe von 2000 Euro ist für viele attraktiv. Die 69-Jährige Jutta will weiter als Friseurmeisterin arbeiten. Doch so einfach ist es nicht.
28.03.2026 | 4:21 minWie viel schießt der Staat zu?
Die Grundzulage, die jeder Sparer und jede Sparerin bekommt, liegt aktuell bei 175 Euro pro Jahr und soll mit der Reform durch eine proportionale Zulage abgelöst werden. Künftig gibt es für jeden eingezahlten Euro 50 Cent vom Staat dazu, bis zu einer Höhe von 360 Euro. Bei einem Sparbeitrag von 360 Euro bis 1.800 Euro im Jahr gibt es noch 25 Cent staatliche Förderung je Euro. Insgesamt liegt die Förderung damit bei bis zu 540 Euro pro Jahr.
Familien bekommen die volle Kinderzulage von 300 Euro jährlich bereits ab einem monatlichen Sparbeitrag von 25 Euro. Außerdem soll eine potenziell höhere Rendite möglich sein: Das verspricht sich die Regierung durch den Wegfall teurer Garantieleistungen, die Streckung der Abschlusskosten über die gesamte Vertragslaufzeit und die Begrenzung der Effektivkosten im Standarddepot.
Friedrich Merz plädiert dafür, die Rentenhöhe nicht mehr an ein festes Renteneintrittsalter zu koppeln. Stattdessen soll sie sich an der Zahl der gearbeiteten Jahre orientieren.
07.03.2026 | 1:12 minWas ist für Kinder und Jugendliche geplant?
Vorgesehen ist außerdem die Einführung einer sogenannten Frühstartrente für Kinder und Jugendliche vom sechsten bis zum 18. Lebensjahr. Dieses Vorsorgemodell ist ein Vorhaben aus dem Koalitionsvertrag. Losgehen soll es rückwirkend zu 2026 mit dem Geburtenjahrgang 2020. Es soll dann geprüft werden, ob ab 2029 zusätzliche Jahrgänge, die bis dahin nicht berücksichtigt wurden, mit einbezogen werden.
Geplant ist laut Eckpunkten aus dem Bundesfinanzministerium die Einrichtung eines individuellen Altersvorsorgedepots, für das es monatlich zehn Euro vom Staat als Zuschuss gibt. Die individuellen Depots sollen sich am geplanten Standardprodukt der privaten Altersvorsorge orientieren. Geplant ist eine zwölfjährige Ansparphase, dann ist den Plänen zufolge ein "nahtloser Übergang" in das System der steuerlich geförderten privaten Vorsorge möglich.
Was bedeutet das für die Staatskasse?
Durch die von Union und SPD ausgehandelten Änderungen wird die neue Altersvorsorge teurer. Allein, dass künftig auch Selbstständige gefördert werden, kostet nach Angaben der Koalition rund 370 Millionen Euro zusätzlich. Die Anhebung der Fördersätze kostet den Staat demnach weitere 15 Millionen.
Altersvorsorge ist besonders für junge Menschen ein immer wichtigeres Thema. Die gesetzliche Rente wird vielen nicht reichen, um den aktuellen Lebensstandard zu halten – wir geben Tipps.
27.10.2025 | 3:20 minAb wann kann man die neue Vorsorge abschließen?
Der Bundestag soll das Gesetz noch in dieser Woche beschließen, danach ist der Bundesrat am Zug. Zum 1. Januar 2027 sollen die neuen Vorsorge-Produkte dann auf dem Markt sein. Bis dahin haben auch Inhaber alter Riester-Verträge also noch Zeit, über einen Wechsel nachzudenken.
Die Riester-Rente hat die Erwartungen nicht erfüllt. Was soll man nun tun - rausgehen oder weiterzahlen?
17.10.2024 | 2:41 min
Für die Altverträge gibt es zwar einen Bestandschutz, man kann aber auch in ein neues Modell wechseln, ohne die bisherige Förderung zurückzahlen zu müssen. Es können allerdings Wechsel-, Abschluss- und Vertriebskosten anfallen, die laut Finanzministerium gesetzlich gedeckelt werden.
Der Artikel vom 17.12.2025 wurde mit den Beschlüssen vom 24.03.2026 und der Bundestagsentscheidung am 27.03.2026 aktualisiert.
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