Aus für die Frührente: Staat würde laut Studie Milliarden sparen

Diskussion um "Rente mit 63":Studie: Staat spart Milliarden bei Aus für die Frührente

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Nach 45 Beitragsjahren ist heute eine abschlagsfreie Frührente möglich. Würde diese Regelung wegfallen, könnte der Staat Milliarden sparen, sagt eine neue Studie des DIW.

Eine ältere Frau, die von zu Hause aus in einer modernen Heimbüroumgebung arbeitet

Die Regierung will das Rentensystem reformieren. Dabei wird auch über das Renteneintrittsalter diskutiert. (Symbolbild)

Quelle: imago

Ein Abschaffen der abschlagsfreien Rente für besonders langjährig Versicherte würde die öffentlichen Kassen um 9,5 Milliarden Euro pro Rentnerjahrgang entlasten. Das geht aus einer Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) im Auftrag der Bertelsmann Stiftung hervor. Zudem stünden dem Arbeitsmarkt demnach zusätzlich etwa 125.000 Vollzeitkräfte zur Verfügung.

Die oft als "Rente mit 63" diskutierte Regelung ermöglicht es Beschäftigten, nach 45 Beitragsjahren vorzeitig ohne Abschläge in den Ruhestand zu gehen. Jedes Jahr nehmen dies etwa 250.000 bis 280.000 Erwerbstätige in Anspruch.

Studie rechnet mit 10 Monate späterem Renteneintritt

Allein die Rentenversicherung könnte der Analyse zufolge pro Rentnerjahrgang um rund 10,4 Milliarden Euro entlastet werden, würde die Regelung abgeschafft. Dem stünden zwar Mindereinnahmen bei Steuern und Sozialabgaben von zusammen rund 860 Millionen Euro gegenüber. Unter dem Strich bleibe jedoch eine Einsparung von rund 9,5 Milliarden Euro für die Staatskasse.

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Die Wissenschaftler gingen in ihren Rechnungen davon aus, dass die Betroffenen ihren Rentenbeginn beim Wegfall der abschlagsfreien Frührente um rund zehn Monate verschieben und dann mit Abschlägen in Rente gehen. Sie müssten dann also trotz des späteren Rentenbeginns zusätzliche Einkommensverluste im Alter in Kauf nehmen.

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"Der Staat lässt sich das Angebot der 'Rente mit 63' jedes Jahr viele Milliarden Euro kosten", sagte André Schleiter, Arbeitsmarktexperte der Bertelsmann Stiftung.

Es belastet die Rentenkasse, zugleich gehen der Wirtschaft Kompetenz, Fachwissen und Arbeitskraft vorzeitig verloren.

André Schleiter, Arbeitsmarktexperte der Bertelsmann Stiftung

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125.000 zusätzliche Arbeitskräfte durch Ende der "Rente mit 63"

Neben den finanziellen Aspekten würde ein Wegfall der Regelung dem Arbeitsmarkt zusätzlich rund 125.000 Vollzeitkräfte zur Verfügung stellen, heißt es in der Studie. Denn entgegen der landläufigen Meinung werde die abschlagsfreie Frührente nicht nur von Menschen in körperlich anstrengenden Berufen genutzt.

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Anspruchsberechtigt seien vor allem Personen mit langen und stabilen Erwerbsbiografien und daher überdurchschnittlich hohen Rentenansprüchen. Eric Thode, ebenfalls Arbeitsmarktexperte der Bertelsmann Stiftung, sagte:

Weit größer ist doch der Nutzen, der entsteht, wenn es gelingt, erfahrene, gut qualifizierte Beschäftigte einige Monate oder gar Jahre länger im Job zu halten.

Eric Thode, Arbeitsmarktexperte der Bertelsmann Stiftung

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Ausnahmen nötig, um Härtefälle zu vermeiden

Eine pauschale Abschaffung sehen die Autoren der Studie jedoch kritisch. Das würde insbesondere Personen mit eingeschränkter Erwerbsfähigkeit hart treffen, die gezwungen wären, Rentenabschläge in Kauf zu nehmen.

Um dies zu vermeiden, schlagen die Bertelsmann-Experten Ausnahmeregelungen vor - etwa eine individuelle Gesundheitsprüfung, eine neu gestaltete Berufsunfähigkeitsversicherung oder die Berücksichtigung des Einkommens. Zudem sei es entscheidend, in Weiterbildung und gesunde Arbeitsbedingungen zu investieren, um mehr Menschen längeres Arbeiten zu ermöglichen.

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Regelrentenalter aktuell bei 66 Jahren und vier Monaten

Wer mindestens 45 Beitragsjahre angesammelt hat, kann zwei Jahre vor dem Regeleintrittsalter ohne Abschläge in den Vorruhestand gehen - diese aktuelle Regelung war 2014 von der damaligen schwarz-roten Bundesregierung eingeführt worden. Vor 1953 Geborene konnten ohne Abschläge mit 63 Jahren in Rente gehen. Für die Jahrgänge von 1953 bis 1963 steigt diese Altersgrenze schrittweise an. Vom Geburtsjahrgang 1964 an liegt das frühestmögliche Zugangsalter dann bei 65 Jahren.

Derzeit liegt das Regelrentenalter bei 66 Jahren und vier Monaten - die abschlagsfreie Frührente ist aktuell also ab 64 Jahren und vier Monaten möglich. Rund 30 Prozent aller neuen Altersrenten entfielen auf diese Option. Damit machen sie etwa ein Fünftel der Gesamtausgaben der Gesetzlichen Rentenversicherung aus - Tendenz steigend. Die von der Bundesregierung eingesetzte Rentenkommission soll Ende Juni ihren Bericht vorlegen.

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Quelle: Reuters, dpa, AFP
Über dieses Thema berichtete heute Xpress am 03.06.2026 ab 09:00 Uhr.
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