Wieder Diskussionen in der Regierung:Pflegekommission verschoben: Das steckt dahinter
von Johannes Lieber
Eigentlich wollte die Bundesregierung eine Pflegekommission einsetzen, die erarbeiten sollte, wie das System fit für die Zukunft wird. Dazu ist es allerdings nicht gekommen.
Bis zuletzt hatten Union und SPD um eine Pflegereform gerungen, nun wurde sie im Bundeskabinett verabschiedet. Eine tiefer greifende Reform verschob die Regierung aber auf 2027.
30.09.2026 | 2:29 minDer Streit um die Pflegereform entwickelt sich immer mehr zu einem Dauerthema in der Bundesregierung. Heute sollte eigentlich eine Kommission eingesetzt werden, die Lösungen für die verfahrene Situation erarbeitet. Doch scheinbar konnten sich Union und SPD hier nicht einigen.
"Die Beratungen innerhalb der Bundesregierung zur Einsetzung der Pflegestrukturkommission sind derzeit noch nicht abgeschlossen", heißt es auf ZDFheute-Anfrage aus dem Gesundheitsministerium. Man bemühe sich, "in konstruktiven, fortgeschrittenen Gesprächen" zeitnah zu einem "finalen Ergebnis" zu kommen.
Das ist "ein erster wichtiger Schritt heute gewesen, der reicht aber nicht aus, um die Pflegeversicherung für die 30er Jahre fit zu machen", so Bundesgesundheitsminister Linnemann.
30.09.2026 | 6:20 minPflegekommission soll Vorschläge für die Reform liefern
Geplant war eine Kommission mit Experten und Wissenschaftlern, wie Gesundheitsminister Carsten Linnemann (CDU) vergangene Woche mitteilte. Offizielles Ziel der Kommission: Die Pflege fit für die 30er-Jahre zu machen.
Inoffizielles Ziel: Vorschläge vorlegen, hinter denen sich die Regierung anschließend versammeln kann, um die Diskussionen zu beenden.
Sollte die Kommission also beispielsweise vorschlagen, dass es doch einen sogenannten Pflege-Soli - also Zahlungen der privaten an die gesetzlichen Kassen - geben sollte, könnte die Union ihren Widerstand ohne Gesichtsverlust aufgeben.
Die Regierung hat sich bei der Pflegereform geeinigt. Wie gerecht die Pläne sind und ob sie das Finanzproblem der Kassen lösen, erklärt Experte Jürgen Wasem bei ZDFheute live.
30.09.2026 | 6:20 minÄhnlich war auch die Idee hinter der Rentenkommission. Hier zeigt sich aber gerade an der Diskussion um die "Rente mit 63", dass auch trotz einer einstimmigen Expertenempfehlung die Diskussionen nicht enden.
Streit über Besetzung verzögert Pflegekommission
Grund für die Verschiebung der Kommission sei, dass man sich bei der personellen Besetzung des Expertenrats nicht einigen konnte. Das sagte der parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Bundestagsfraktion, Dirk Wiese, in Berlin.
Unklar ist beispielsweise, ob auch Vertreter der Fraktionen oder Betroffenenverbände in der Kommission Platz finden. Auch ist noch nicht klar, wer die Wissenschaftler für die Kommission aussucht. Bei der Rente wurde die Kommission je zur Hälfte von der SPD und der Union besetzt.
ZDF-Korrespondentin Diana Zimmermann berichtet, wie das mit der Einigung jetzt noch geklappt hat und wie die Regierung jetzt dasteht.
30.09.2026 | 1:20 minSPD will Eigenanteil im Pflegeheim senken
Doch auch inhaltlich gibt es weiter Streit. So war schon vor der Besetzung der Kommission klar, dass sie sich auch mit den schon angesprochenen Ausgleichszahlungen zwischen privaten und gesetzlichen Kassen beschäftigen soll. Der von der SPD vorgeschlagene Deckel auf Pflegeheim-Kosten sollte laut Linnemann nicht Teil der Verhandlungen werden.
Laut SPD-Politiker Wiese besteht seine Partei aber genau darauf. Nach dem Vorschlag der Sozialdemokraten würde der monatliche Eigenanteil für einen Heimplatz um rund 300 Euro sinken. Linnemann bezeichnete einen Deckel im ZDF als "hochgradig gefährlich", weil er für zusätzliche Finanzprobleme an anderer Stelle sorgen könnte.
Im Ringen um die Pflegereform wehrt sich die SPD gegen reine Kürzungen bei der gesetzlichen Versicherung. Die Sozialdemokraten fordern einen Ausgleich durch die privaten Kassen.
29.09.2026 | 1:59 minSPD-Gesundheitspolitiker verteidigt Verschiebung - Kritik von Linken
Dass die Kommission jetzt verschoben wurde, sei "kein Grund zur Beunruhigung", findet der SPD-Gesundheitspolitiker Christos Pantazis auf Anfrage von ZDFheute.
Gründlichkeit geht hier vor Geschwindigkeit.
Christos Pantazis, gesundheitspolitischer Sprecher der SPD-Fraktion im Bundestag
Ein "Erkenntnisdefizit" gäbe es in der Pflege nicht, so der SPD-Politiker. Es gehe jetzt darum, "aus den bekannten Problemen konkrete politische Entscheidungen" zu machen. Auch Pantazis macht sich seit langer Zeit für den "Pflege-Soli" stark. Außerdem fordert er eine Begrenzung der finanziellen Belastungen der Pflegebedürftigen und eine stärkere Unterstützung der häuslichen Pflege.
Kritik an der Verzögerung kommt dagegen von den Linken. Die Kommission müsse jetzt "endlich eingesetzt werden", fordert Evelyn Schötz, die pflegepolitische Sprecherin der Fraktion. Gegenüber der Nachrichtenagentur AFP sagte sie, dass an einer solidarischen und nachhaltigen Finanzierung des Systems gearbeitet werden muss, "statt immer weiter bei Pflegebedürftigen und Angehörigen zu kürzen".
Pflegekommission soll bis Ende Januar Ergebnisse vorlegen
Dem Vernehmen nach soll in der kommenden Woche ein weiterer Anlauf für die Pflegekommission genommen werden. Viel Zeit bleibt den Experten ohnehin nicht mehr. Bis Ende Januar 2027 - also in knapp vier Monaten - will Linnemann die Ergebnisse auf seinem Schreibtisch haben.
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