Regierung will Sport besser fördern:Olympia: Mehr Medaillen per Gesetz?
von Johannes Lieber
Es sieht nicht gut aus für den deutschen Sport. Im Medaillenspiegel weit von der Spitze entfernt und zahlreiche Athleten am Existenzminimum. Ein neues Gesetz soll das ändern.
Der deutsche Sport befindet sich aktuell in einem Abwärtstrend. Die Bundesregierung will das mit einem neuen Gesetz ändern. Kann das klappen?
20.02.2026 | 11:13 minSophie Warmuth und ihre Trainingsgruppe beim Eisschnelllaufclub Erfurt hatten eine ganz besondere Idee, um ihre Weltcup-Reisen zu finanzieren. Sie haben sich für einen Nacktkalender ausgezogen.
Auch wenn diesen Schritt nur die wenigsten gehen, leiden viele deutsche Athleten unter großem finanziellen Druck. Sportlicher Erfolg wird von ihnen trotzdem erwartet. Auch der Marathonläuferin Fabienne Königstein ging es lange Zeit ähnlich.
Natürlich ist da eine immense Diskrepanz, wenn man an uns hochprofessionelle Ansprüche stellt und wir dann aber nicht das Umfeld haben, das dazu passt.
Fabienne Königstein, Marathonläuferin im Nationalkader
Der Olympia-Traum hat seinen Preis: Bob-Weltmeisterin Lisa Buckwitz kämpft für Gold und finanzielle Freiheit - im Eiskanal, gegen Vorurteile und mit OnlyFans als Sponsor.
16.01.2026 | 43:43 minKleine Förderung - hohe Erwartungen
Besser ist die Lage für Athleten, die eine Sportförderstelle bei der Bundeswehr oder der Polizei haben. Rund ein Viertel der Kadersportler kommt so an ein geregeltes Gehalt.
Für den Rest ist es härter. Die Sportler erhalten einen monatlichen Zuschuss von der Sporthilfe - der aber kaum zum Leben reicht. Laut dem Verband "Athleten Deutschland" im Schnitt 700 bis 800 Euro pro Monat. Sie brauchen dann Sponsoren, einen Verein, der hilft, oder großzügige Eltern.
Neues Gesetz soll Förderung reformieren
Aktuell verteilt der Bund die Fördergelder selbst an die Sportverbände. Also beispielsweise an den Leichtathletik- oder den Ruderverband. Zusammen mit dem Deutschen Olympischen Sportbund wird hier nach Erfolg und Potential der Sportarten entschieden.
Christiane Schenderlein hat über den Zeitplan und die Inhalte des Sportfördergesetzes gesprochen. Außerdem hat sich die Staatsministerin zur deutschen Olympia-Bewerbung geäußert.
27.01.2026 | 24:17 minDas soll sich jetzt laut dem Entwurf für das neue Sportfördergesetz ändern. Vorgelegt hat ihn die Staatsministerin für Sport, Christiane Schenderlein (CDU). Dieser sieht vor, dass eine Spitzensport-Agentur gegründet wird, die unabhängig von der Politik und den Verbänden über die Verteilung der Gelder entscheiden soll.
Wir wollen das jetzt in die Hände von Experten legen. Das heißt, der Bund und auch die Politik als solche nehmen sich bewusst ein Stück zurück. Aber auch der Sport gibt etwas ab.
Christiane Schenderlein, Staatsministerin für Sport und Ehrenamt
Die Agentur soll die finanziellen Mittel auch zielgerichteter verteilen. Laut Entwurf werden die Gelder bald noch stärker nach Erfolg und Potential der Verbände verteilt.
Auch Top-Athleten sollen durch das Gesetz erstmals auch direkt mit Bundesmitteln unterstützt werden. Wer wie viel Geld bekommt, steht allerdings nicht im Entwurf.
Die deutsche Olympia-Bilanz ist so schlecht wie lange nicht. Dafür sorgten auch einige Pleiten und Dramen. Eine Übersicht.
20.02.2026 | 2:24 minVorschlag politisch kaum umstritten
Das Spannende: Der Vorschlag ist politisch kaum umstritten. Auch die Ampel-Regierung hatte schon ein ähnliches Konzept vorgelegt, kam aber nicht mehr dazu. Die AfD befürchtet allerdings, dass die Agentur nur für noch mehr Bürokratie sorgen wird. Die Linke fordert, den Einfluss der Politik weiter zu begrenzen.
Kritik kommt dagegen vom Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB), der durch den neuen Entwurf Macht verlieren würde.
Der aktuelle Entwurf bleibt hinter den gemeinsamen Vereinbarungen zurück: Er schafft mehr staatliche Eingriffsmöglichkeiten, aber keine bessere Förderung.
Olaf Tabor, Vorstand Leistungssport DOSB
Bringt das Gesetz die Wende?
Für den Sportwissenschaftler Lutz Thieme ist die Gründung der Agentur ein Schritt in die richtige Richtung.
Ich glaube, dass die Unzufriedenheit mit dem Leistungssportsystem aktuell so groß ist, dass es einer strukturell sehr tief greifenden Reform bedarf. Und da ist die Schaffung einer solchen unabhängigen Agentur sicherlich nicht die schlechteste Idee.
Lutz Thieme, Sportwissenschaftler Hochschule Koblenz
Was die Gründung wirklich bewirkt und welche direkten Auswirkungen die Pläne auf die Athleten haben werden, ist noch nicht abzusehen. Erst in fünf Jahren soll die Agentur vollständig arbeitsfähig sein. Aber vielleicht heißt es dann in Zukunft tatsächlich wieder öfter: Gold für Deutschland.
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