Rede vor DGB:Merz: Reformen "keine Bösartigkeit"
Kein "Weiter so" - das ist die zentrale Botschaft von Kanzler Merz vor dem DGB-Bundeskongress. Er verteidigte die geplanten Reformen. Seine Rede kam nicht bei allen gut an.
In seiner Rede vor dem DGB hat Bundeskanzler Merz zu einer nationalen Kraftanstrengung aufgerufen, um Deutschlands wirtschaftliche Stagnation zu überwinden. Sehen Sie hier die ganze Rede.
12.05.2026 | 33:34 minDer Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) hat eine Liste von Forderungen an die Bundesregierung. In einer Rede auf dem DGB-Bundeskongress in Berlin, der nur alle vier Jahre stattfindet, listete Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) im Gegenzug seine Forderungen auf, was sich in der Bundesrepublik ändern müsse.
Die Koalition ist entscheidungswillig und entscheidungsfähig.
Friedrich Merz (CDU), Bundeskanzler
Merz: Gesetzliche Rentenversicherung das "härteste Brett"
Als "härtestes Brett" der von der Koalition geplanten Reformen nannte der Kanzler die gesetzliche Rentenversicherung. Seine entsprechenden Ausführungen wurden von häufigen Buh- und Zwischenrufen begleitet.
Das alles ist keine Bösartigkeit von mir oder von der Bundesregierung - das ist Demographie und Mathematik.
Friedrich Merz (CDU), Bundeskanzler
Der Bundeskanzler hat beim Deutschen Gewerkschaftsbund die Reformpläne der Regierung verteidigt. Die Delegierten reagierten mit Buhrufen und Gelächter. Die Szene im Video.
12.05.2026 | 0:32 minKern der Pläne sei eine deutliche Stärkung der kapitalgedeckten Altersvorsorge neben der gesetzlichen Rente, sagte der Kanzler. Dadurch solle eine bessere Beteiligung der Arbeitnehmer am Produktivvermögen der Volkswirtschaft ermöglicht werden.
Die drei Säulen - gesetzlich, betrieblich und privat - sollten in ein neues Verhältnis treten und zusammen ein verlässliches Gesamtversorgungsniveau ergeben, das höher sei als das der gesetzlichen Rente allein. Die Reformvorhaben seien "keine Bedrohung, sondern sie sind eine große Chance", so Merz.
Man sei sich einig, dass es mehr Zukunftsinvestitionen brauche, aber der DGB will, dass das nicht auf dem Rücken der Beschäftigten ausgetragen wird, sagt Marcel Fratzscher, Präsident des DIW.
12.05.2026 | 3:39 minFahimi kontert beim Thema Rente
DGB-Chefin Yasmin Fahimi entgegnete mit Blick auf vergangene Reformen, es sei schon einmal versprochen worden, die Vorsorge inklusive privater und betrieblicher Säule der Alterssicherung abzusichern. "Das Zielbild ist bis heute nicht eingehalten", sagte Fahimi. "
Wir haben das schon bezahlt mit der Erhöhung des Renteneintrittsalters, der Abschaffung der Altersteilzeit, der Absenkung des Rentenniveaus.
Yasmin Fahimi, DGB-Chefin
Sehen Sie hier die Rede von Kanzler Merz auf dem DGB Bundeskongress sowie Analysen bei ZDFheute live.
12.05.2026 | 55:00 minReformen sollen Jobs erhalten und neue schaffen
Merz betonte in seiner Rede, mit den geplanten Reformen sollen Jobs erhalten und neue geschaffen werden. In Richtung des DGB lobte er die "gemeinsame Suche nach Wegen, die unser Land weiter voranbringen". Der aktuelle Handlungsdruck für Reformen sei wohl seit Jahrzehnten nicht so groß gewesen wie gegenwärtig.
Um uns herum sortiert sich die Welt neu. Sie tut das nicht langsam, sondern eruptiv.
Friedrich Merz (CDU), Bundeskanzler
Bundesfinanzminister Klingbeil fordert, dass Spitzenverdiener steuerlich stärker belastet werden. Eine Gesellschaft, in der Ungleichheiten zunähmen, sei nicht produktiv.
12.05.2026 | 0:17 minAls aktuelle Probleme nannte der Kanzler unter anderem steigende Energiepreise, steigende Produktionspreise und zu viel Bürokratie - das alles sei die Realität für sehr viele Menschen im Land. Die Regierung habe viel getan, um die Auswirkungen des Iran-Kriegs zu minimieren. Aber:
Der Staat kann die Bürger nicht vor allen Verwerfungen schützen.
Friedrich Merz (CDU), Bundeskanzler
Schlechte Umfragewerte und Streit in der Koalition. Reformen kommen nur schleppend voran. Wie will Bundeskanzler Merz das ändern? Fragen von Bettina Schausten und Anne Gellinek.
06.05.2026 | 2:17 minModernisierung versäumt
Um den vorhandenen Wohlstand langfristig zu erhalten und Freiheit und Frieden zu sichern - dafür "müssen wir uns langfristig ändern", betonte Merz.
Wir haben schlicht versäumt, unser Land zu modernisieren. Dies rächt sich nun. Wir müssen die Probleme anpacken, die wir seit vielen Jahren vor uns herschieben.
Friedrich Merz (CDU), Bundeskanzler
Kanzler Merz habe den Mitgliedern des DGB viel zugemutet, sagt DIW-Präsident Fratzscher. Das habe man auch an der Tonlage im Saal gehört.
12.05.2026 | 3:54 minUm die Wende zu schaffen, müsse wieder anerkannt werden, "dass unternehmerische Leistung und Initiative die Voraussetzung" für eine gedeihende Marktwirtschaft seien. Zudem müssten "die arbeitenden Menschen" entlastet und die nachhaltige Finanzierung der sozialen Sicherungssysteme angesichts der Altersstruktur der Gesellschaft angegangen werden. Der Kanzler verwies auf den Verlust von jährlich über 100.000 Industriearbeitsplätzen:
Wir können nicht einfach so weitermachen wie in den letzten 20 Jahren.
Friedrich Merz (CDU), Bundeskanzler
Fahimi fordert gerechte Verteilung der Lasten
Fahimi, die am Montag als DGB-Chefin wiedergewählt wurde, bestätigte, "dass wir in Zeiten großer Umbrüche stehen". Sie pochte bei Reformen aber auf eine "gerechte Lastenverteilung". Die von der Regierung geplante Ausweitung der täglichen Arbeitszeit lehnte sie erneut ab.
Es wird durch Sozialeinschränkungen kein Wachstum geben, auch nicht durch die Änderung des Arbeitszeitgesetzes.
Yasmin Fahimi, DGB-Chefin
Auch der DGB sei für "nachhaltiges Wachstum", aber es gehe dafür um "die richtigen Instrumente".
Keine leichten Zeiten für Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU): Große Reformen kommen nicht voran. Bürger und Wirtschaft sind enttäuscht, und auch aus den Bundesländern kommt Widerstand.
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