EU-Arktis-Gipfel: Merz will Demokratie und Freiheit sichern

Merz‘ Botschaft aus der Arktis:Kanzler will Demokratie und Freiheit weiter sichern

Wulf Schmiese

von Wulf Schmiese, Rovaniemi, Finnland

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Auf dem EU-Arktis-Gipfel äußert sich der Bundeskanzler nur indirekt zur eigenen politischen Lage. Seine Worte klingen fast wie ein Vermächtnis.

LKS 20260914 (L to R) President of the European Council António Costa, Prime Minister Petteri Orpo of Finland and Federal Chancellor of Germany Friedrich Merz during the leaders' joint press conference of The European Arctic Summit in Rovaniemi, Finland, on September 14, 2026. The aim of the summit is to strengthen the EU’s common strategic approach to the Arctic region as its geopolitical significance continues to grow rapidly.

Der Arktis-Gipfel ist beendet - auch Kanzler Merz war dabei. Ein Ergebnis des Treffens der zwölf europäischen Länder ist die Forderung, die EU solle eine aktivere Rolle spielen.

14.09.2026 | 3:15 min

Am Ende versucht der Kanzler es mit tiefschwarzem Humor. Das Gipfelfoto ist gemacht, zwölf Regierende laufen zurück zum Konferenzzentrum hier oben am Polarkreis. Nur Friedrich Merz bleibt zurück, stellt sich allein ans Ufer. Er schaut dem reißenden Wasser nach. Ounasjoki heißt dieser ungezähmte Strom. Ein finnischer Konferenz-Mitarbeiter beobachtet die Szene. Merz dreht sich ihm zu und sagt: "I will not jump in."

Merz stürzt sich nicht in den Fluss. Doch was man zuvor auf dem EU-Arktis-Gipfel von ihm gesehen und gehört hat, wirkte stark deprimiert. "Hier im hohen Norden Europas kann man sehen, wie gefährdet der Frieden in Europa ist", sagte der Kanzler zum Auftakt des Gipfels vor den Kameras - mit stark gedämpfter Stimme. Hier sei "wirklich die Bedrohung sichtbar", setzte er nach.

Ich kann nur an alle appellieren, diese Gefährdung ernst zu nehmen. In Europa zusammenzuhalten und in der Nato, im europäischen Teil der Nato allemal, das zu tun, was notwendig ist, nämlich alle Anstrengungen zu unternehmen, um unsere Freiheit zu verteidigen und den Frieden.

Friedrich Merz, Bundeskanzler

Merz beantwortet zum Auftakt keine Fragen

Die anderen hatten zuvor ähnlich gesprochen wie Merz - die Regierungschefs von Finnland und Estland sowie die Präsidenten von Litauen und Rumänien. Nur lag bei all denen mehr Dynamik in der Stimme. Sie blieben länger stehen, um ihren Landsleuten hinter den Kameras Fragen zur Gefahrenlage am Polarkreis zu beantworten.

Merz wollte das augenscheinlich nicht. "Ich nehme ausgesprochen ernst, was wir hier zurzeit erleben", schloss er sein Statement, ohne Sprechpause folgte knapp ein "vielen Dank". Den roten Teppich ersparte er sich und verschwand hinter dem altrosa-farbenen Vorhang, aus dem er kam. "Arktikum Café" steht darüber.

SGS Gellinek Schmiese

Die innenpolitische Krise ist mit Merz zum Gipfeltreffen nach Finnland gereist. Das Landtagswahlergebnis beschäftigt ihn offenbar auch dort. Fragen ließ er nicht zu, so Wulf Schmiese.

14.09.2026 | 1:58 min

Lob von europäischen Kolleginnen und Kollegen

Die politische Kälte daheim scheint den deutschen Kanzler tief verletzt zu haben; hier erfährt er keine. Weder vom Polarkreis - die Sonne scheint bei 10 Grad plus - noch von seinen europäischen Kolleginnen und Kollegen. Finnlands Ministerpräsident Petteri Orpo machte zu Beginn klar, wie wichtig Deutschland und dieser Kanzler doch seien, um der Bedrohung Europas durch Russland standzuhalten. Wer auch immer gefragt wird, findet lobende Worte für Merz, wie der das stärkste Land Europas zum Schutz aller positioniert.

Diese Rolle Deutschlands wird auf der Abschlusspressekonferenz deutlich. Der Bundeskanzler steht dort zentral, gleich neben Gastgeber Orpo. Der Finne wirbt für finnische Eisbrecher und ein Journalist aus Finnland will von Merz wissen, ob Deutschland die bezahlen werde. Die Frage bricht das Eis, alle lachen - sogar der sonst so betrübte Merz, weil ausgerechnet er wie der reiche Verwandte gefragt wird. Der Kanzler antwortet auf Englisch recht allgemein: Er unterstütze, dass Europa hier an seiner Nordostflanke gut aufgestellt sein müsse.

ZDF-Korrespondent Ulf Röller in Brüssel

Im Machtkampf um die Arktis müsse Europa gemeinsame Sicherheitspolitik machen, um präsenter zu werden, ohne US-Präsident Trump zu provozieren. ZDF-Korrespondent Ulf Röller über den Arktis-Gipfel.

14.09.2026 | 11:24 min

Innenpolitisch Geschwächte auf der europäischen Bühne

Merz bleibt im Englischen. Natürlich wird er zur Lage in Deutschland gefragt, zu seiner Lage. Er sei hier, antwortet der Kanzler, um direkt mit seinen europäischen Kollegen in Kontakt zu kommen. Die Sicherheit des Kontinents stehe im Mittelpunkt. Die innenpolitischen Debatten können davon nicht getrennt betrachtet werden, so die Botschaft des Kanzlers. Dies hier sei viel wichtiger als manche innenpolitische Debatte.

Friedrich Merz

Die Unzufriedenheit mit Kanzler Merz ist seit seinem Amtsantritt stark gestiegen. Nach Wahlniederlage, schwachen Umfragen und offenen Reformfragen steht die CDU vor der Frage wie es jetzt weiter geht.

14.09.2026 | 2:41 min

Der innenpolitisch Geschwächte sagt auf europäischer Bühne, er kämpfe für Frieden und Freiheit: Entschieden, sehr fest, sehr klar und er werde da keinen Zentimeter zurückweichen. So vermeidet er jedes öffentliche Wort zur eigenen Lage - und offenbart doch sein Vermächtnis als Bundeskanzler nach nur 16 Monaten im Amt.

Wulf Schmiese ist stellvertretender Leiter des ZDF-Hauptstadtstudios Berlin.

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Über das Thema berichtete das ZDF in verschiedenen Sendungen am 14.09.2026, unter anderem im ZDF-Morgenmagazin ab 5:30 Uhr und im heute journal ab 21:45 Uhr.

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