Schwarz-rote Koalition: Verhärtete Fronten nach Sachsen-Anhalt-Wahl

Söder will "Reformen massiv verstärken":Fronten in der schwarz-roten Koalition verhärten sich

von Stefanie Reulmann

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Nach dem Wahlsieg der AfD in Sachsen-Anhalt steht die Union und insbesondere Kanzler Merz unter Druck - auch innerhalb der Koalition knirscht es. Wie steht es um Schwarz-Rot?

Markus Söder, CSU-Parteivorsitzender und bayerischer Ministerpräsident, im Berlin-direkt-Interview

CSU-Chef Markus Söder spricht sich im ZDF gegen eine Minderheitsregierung aus. Man habe das in den vier Monaten nach dem Ampel-Aus gesehen, "da ging gar nichts mehr", sagt er.

13.09.2026 | 5:37 min

Es ist eine Woche nach dem Wahlbeben in Sachsen-Anhalt, das auch die schwarz-rote Koalition in Berlin erschüttert hat. Nur knapp hat die AfD die absolute Mehrheit verpasst. Konsequenzen? Bislang keine.

Söder fordert mehr Reformtempo

Auf die Frage, wie es jetzt für die Union weitergehen solle, sagt CSU-Chef Markus Söder am Abend in der ZDF-Sendung "Berlin direkt": "Zunächst mal wird weiter regiert." Der bayerische Ministerpräsident drängt allerdings auf ein höheres Reformtempo. Er sagt:

Deswegen muss klar sein, dass in Deutschland die Politik stärker werden muss, dass wir in Berlin einen Zacken zulegen müssen und dass wir Reformen massiv verstärken müssen.

Markus Söder, CSU-Chef

Unabhängig von den Wahlen sei es die Aufgabe, "Deutschland stark zu machen". Man müsse jetzt aus dem Wahlergebnis in Sachsen-Anhalt die "richtigen Lehren" ziehen. Es sei "ein Schlag in die Magengrube" gewesen, sagt Söder.

Kritik an Kanzler Merz

Vor allem einer steht massiv unter Druck: Kanzler Friedrich Merz. Nach den herben Verlusten der CDU in Sachsen-Anhalt wächst die Kritik an ihm, auch in den eigenen Reihen. Reformstau, schlechte Umfragewerte, im Wahlkampf taucht er kaum auf - hinter vorgehaltener Hand wird ein Kanzlertausch gefordert.

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) sitzt im Deutschen Bundestag bei der 92. Bundestagssitzung - Haushaltswoche

Die Wahlniederlage in Sachsen-Anhalt, katastrophale persönliche Umfragewerte und Pannen bei der Kabinettsumbildung. Steht Merz als Kanzler vor dem Aus?

13.09.2026 | 4:12 min

Ein möglicher Kandidat für seine Nachfolge wäre neben dem nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Hendrik Wüst auch Bayerns Ministerpräsident Söder. Doch der antwortet im ZDF ausweichend. Es fehle Bayern grundsätzlich nicht "an Mut und Tapferkeit", aber es gehe auch darum, was jetzt "klug" sei. Söder sagt:

All diese Gedankenspiele, Personalspiele, wen man wann wo stürzen kann, halte ich für falsch.

Markus Söder, CSU-Chef

Söder: "Große Würfe" statt "Klein-Klein"

Die Regierung müsse "neuen Schwung" bekommen und daran erinnern, "dass das Klein-Klein nicht funktioniert, sondern dass die großen Würfe gefragt sind", sagt der CSU-Chef.

Joachim Gauck ist zu sehen.

Joachim Gauck war Gast-Redner auf einer verdi-Konferenz in Rostock. Zu Beginn konnte ZDF-Hauptstadtstudio-Korrespondentin Britta Spiekermann mit dem früheren Bundespräsidenten sprechen.

12.09.2026 | 3:27 min

Doch in der Koalition liegen die Nerven blank. Der Schwung der Kabinettsklausur der Bundesregierung in Neuhardenberg ist vorbei, die Fronten zwischen Union und SPD verhärten sich. Kurswechsel, Minderheitsregierung, Bas-Rücktritt - die Forderungen reichen weit.

Unions-Politiker von Stetten fordert Bas-Rücktritt

Eine Schärfung des Profils als Reformpartei sowie eine klare Abgrenzung zum Koalitionspartner SPD könnte der CDU noch Punkte bringen. Der Chef des Parlamentskreises Mittelstand in der Unionsfraktion, Christian von Stetten, hat vor wenigen Tagen den Rücktritt von Bärbel Bas (SPD) als Arbeitsministerin gefordert. Der Grund: Sie würde notwendige Reformen "seit Monaten" blockieren und wäre daher "nicht mehr tragbar", sagt er der Bild-Zeitung.

In der SPD hat das für Empörung gesorgt. Dirk Wiese, Erster Parlamentarischer Geschäftsführer der SPD-Fraktion im Bundestag, rät im ZDF allen, "die Nerven zu behalten". Angesichts der Landtagswahlen seien alle sehr nervös.

Dirk Wiese, SPD, Erster Parlamentarischer Geschäftsführer, im Berlin-direkt-Interview

Der Parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Fraktion, Dirk Wiese, sagt im ZDF: Die SPD sei ein verlässlicher Partner, habe aber beim Rentenpaket "an einigen Stellen definitiv Klärungsbedarf".

13.09.2026 | 4:35 min

Wiese: SPD hat bei Rente "definitiv Klärungsbedarf"

In Bezug auf die Reformen sagt Wiese, die "SPD ist verlässlich" und man erkenne an, dass das Land Reformen brauche:

Ich habe gerade sehr deutlich gemacht für unsere Fraktion, dass wir gerade bei der Umsetzung des Rentenpaketes an einigen Stellen definitiv Klärungsbedarf haben.

Dirk Wiese, Erster Parlamentarischer Geschäftsführer der SPD-Fraktion

Auch die saarländische Ministerpräsidentin Anke Rehlinger (SPD) sagt im ZDF, die Reformen bräuchten eine "Grundakzeptanz in der Bevölkerung". Bleibt die Koalition bei einem harten Reformkurs oder sollen die Pakete nochmal aufgeschnürt werden?

SPD-Parteitag am 09.12.2017 in Berlin

Im Angesicht des erdrutschartigen Wahlerfolges der AfD wollen einige in der SPD die Reformen sozialverträglicher gestalten. Andere warnen davor, das Paket wieder aufzuschnüren.

13.09.2026 | 4:09 min

Söder lehnt Minderheitsregierung ab

Der Historiker Andreas Rödder (CDU) spricht sich für eine konsequente und kompromisslose Reformpolitik des Kanzlers aus. Im ZDF sagt Rödder:

Er müsste Druck auf die SPD ausüben, auch bereit sein, den Bruch dieser Regierung, wenn das nicht funktioniert, in Kauf zu nehmen und mit wechselnden Mehrheiten eine Minderheitsregierung zu führen.

Andreas Rödder, Historiker

Kanzler Merz

Nach der Wahl in Sachsen-Anhalt steht Kanzler Merz unter Druck: In Berlin liefern sich Linke und CDU ein Kopf-an-Kopf-Rennen, in Mecklenburg-Vorpommern die AfD mit der SPD.

11.09.2026 | 38:20 min

Dem Vorschlag erteilt Söder im ZDF eine klare Absage und nimmt Bezug auf die Zeit nach dem Aus der Ampel-Koalition:

Die letzte Minderheitsregierung war vier Monate die Ampel, da ging gar nichts mehr in der Zeit.

Markus Söder, CSU-Chef

Wenn es infolge einer Minderheitsregierung zu Neuwahlen käme, würde die AfD noch stärker werden, so der CSU-Chef. Und im Umgang mit der AfD scheinen den Parteien weiterhin die Strategien zu fehlen. Mehr auf die Bürger zugehen, sie hören, mehr Emotionalität und die eigene Politik besser erklären? Neu sind die Erkenntnisse nicht.

Auch die Brandmauer sehen mittlerweile viele als gescheitert an. Mit Ausgrenzung allein könne man die AfD nicht zurückdrängen, man müsse sich "mit den Argumenten auseinandersetzen", sagt der CSU-Chef und betont:

Wir müssen sie inhaltlich stellen, und wir müssen eine Politik machen, die auch klare Bekenntnisse hat beim Thema Migration, beim Thema Reform und auch beim Thema Steuersenkung.

Markus Söder, CSU-Chef

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Über das Thema berichtet das ZDF in mehreren Sendungen, etwa in "Berlin direkt" am 13.09.2026 ab 19:10 Uhr.

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