Bundestag diskutiert:Neues Gesetz zur Drohnen-Abwehr: Experten uneins
von Johannes Lieber
Auch die Bundeswehr soll bald feindliche Drohnen in Deutschland abschießen dürfen. Ob das die kritische Infrastruktur in Deutschland sicherer macht, ist unter Experten umstritten.
Immer häufiger wird die Sicherheit von Flughäfen und kritischer Infrastruktur durch unbekannte Drohnen bedroht. Deshalb berät der Bundestag über Änderungen im Luftsicherheitsgesetz.
26.02.2026 | 0:35 minDie Flughäfen in Berlin, München, Bremen und vielen weiteren Städten in Deutschland und Europa haben in den letzten Monaten ungebetenen Besuch bekommen. Drohnen haben hier den Flugverkehr teilweise lahmgelegt. Die Reaktion der Behörden: oft zu langsam. Mit dem neuen Luftsicherheitsgesetz von Innenminister Alexander Dobrindt (CSU) will die Bundesregierung das jetzt ändern.
Unter anderem soll zukünftig auch die Bundeswehr im Inland eingesetzt werden können, um feindliche Drohnen über kritischer Infrastruktur zu stören oder sogar abzuschießen. Zudem sollen Flughafen-Einbrechern deutlich höhere Strafen drohen. Bis zu fünf Jahre Haft sieht das Gesetz in schweren Fällen vor.
Bundesinnenminister Alexander Dobrindt stellt die neue Einheit der Bundespolizei vor. Mit geschultem Personal und neuester Technik soll sie Drohnen entdecken und abwehren.
02.12.2025 | 2:51 minExperte: Drohnenangriff dauert "wenige Sekunden"
Wie effektiv diese Änderungen die kritische Infrastruktur schützen, ist unter Experten umstritten. "Weder zielführend, noch hilfreich", ist das harte Urteil von Manuel Atug, dem Sprecher der AG KRITIS, die sich mit dem Schutz kritischer Infrastruktur beschäftigt.
Im Krisenfall bliebe "eigentlich keine Zeit", um die Bundeswehr zu rufen, da ein "Drohnenvorfall" in manchen Fällen "nur wenige Sekunden" dauere, so Atug. Bisher gebe es aber auch "kaum wirksame Lösungen" gegen diese Art von Bedrohung. Atug fordert, die Betreiber kritischer Infrastruktur mehr in die Pflicht zu nehmen. Diese sollten von der Erkennung bis zur Abwehr von Drohnen mehr Aufgaben übernehmen.
Juristin: Aktuelle Rechtslage wird Bedrohung nicht gerecht
Etwas positiver bewertet Verena Jackson von der Universität der Bundeswehr in München das Gesetz. Jackson ist Juristin und forscht im nationalen Sicherheitsrecht mit besonderem Fokus auf moderner Kriegsführung.
Der Bundestag hat das KRITIS-Dachgesetz beschlossen. Es soll Betreiber verpflichten, ein Mindestmaß an Schutz ihrer Anlagen sicherzustellen. Erste Probleme sind absehbar.
29.01.2026 | 3:13 minEine "effektive Gefahrenabwehr" sei mit der derzeitigen Rechtslage kaum umzusetzen. Das neue Gesetz sei ein "Schritt in die richtige Richtung", aber "sicherlich" nicht ausreichend, so Jackson.
In einer derart komplexen und hybriden Bedrohungslage, wie der, in der wir uns derzeit befinden, gibt es keine einfache 'Goldrandlösung'.
Verena Jackson, Universität der Bundeswehr
Auch die Rechts-Expertin plädiert dafür, die Betreiber kritischer Infrastruktur für das Thema zu sensibilisieren und gesetzlich in die Pflicht zu nehmen. Entscheidend sei ein "abgestimmtes Zusammenwirken aller Akteure".
Verfassungsrechtliche Bedenken bei Bundeswehr-Einsatz
Bei einem möglichen Einsatz der Bundeswehr ist Jackson zwiegespalten. Auf der einen Seite sei davon auszugehen, dass die Streitkräfte über "deutlich weitergehende technische und operative Kapazitäten" verfügen als die Polizei.
Im "Worst Case-Szenario" könne aber "faktisch versucht werden", einen Einsatz der Bundeswehr im Inneren zu legitimieren, auch wenn die Bedrohungslage nicht eindeutig geklärt ist. Eigentlich würde das einer Änderung des Grundgesetzes bedürfen.
Der Haushaltsausschuss des Bundestages hat grünes Licht für den Kauf von Kamikaze-Drohnen gegeben. Doch es gibt Kritik an einer der liefernden Rüstungsfirmen.
25.02.2026 | 2:00 minExperte: "Sicherheit des Landes" geht vor
Als "notwendig" bewertet Hartmut Fricke das neue Gesetz. Fricke ist Luftfahrt-Experte an der TU Dresden und Luft- und Raumfahrtkoordinator für Sachsen. Seiner Ansicht nach würden die Reaktionszeiten im Einsatzfall durch das Gesetz "signifikant sinken".
Moderne Drohnen für die Bundeswehr - der Haushaltsausschuss hat den Kauf abgenickt. So soll der Schutz der Nato-Ostflanke gestärkt werden. Linke und Grüne üben Kritik.
25.02.2026 | 2:36 minDie verfassungsrechtlichen Bedenken beim Einsatz der Bundeswehr im Inland seien "sicher eine grundsätzlich wichtige Betrachtung", die "Sicherheit des Landes" gehe aber vor, so Fricke. Ziel müsse es sein, sowohl die Polizei, als auch die Bundeswehr möglichst gut auszurüsten.
Einig sind sich alle drei Experten darin, dass die Gefahr durch feindliche Drohnen auf einem hohen Niveau immer weiter steigt. Die "vielen Möglichkeiten" der Angreifer seien "bei weitem noch nicht ausgeschöpft", so Manuel Atug.
Auf dem Schlachtfeld neuer Waffen entscheidet Hightech und Innovation: Land-, Luft- und Seedrohnen greifen an, zerstören Nachschub und treffen selbst die Schiffsflotten – Krieg im Drohnenfeuer.
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