Blackout-Gefahr in Deutschland: Wie sicher ist unser Stromnetz?

Exklusiv

Kritische Infrastruktur:Blackout-Gefahr: Wie verwundbar ist unser Stromnetz?

von Julia Klaus, Hans Koberstein, Christian Salewski

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Das Stromnetz hat Schwachstellen, die kaum geschützt und leicht angreifbar sind. Frontal-Recherchen zeigen: Die Versorgung von Stadtteilen und Dax-Konzernen könnte gefährdet sein.

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Attentäter hatten in Berlin-Lichterfelde Anfang des Jahres freiliegende Kabel in Brand gesetzt. Zehntausende Haushalte waren fünf Tage ohne Strom. Jetzt zeigen Recherchen von ZDF frontal: Freiliegende Hochspannungs-Kabel an empfindlichen Stellen gibt es auch in anderen Städten. Sie versorgen ganze Stadtteile und auch Dax-Konzerne, etwa ein Mercedes-Werk und einen Standort des Flugzeugbauers Airbus. Derartige Schwachstellen lassen sich in öffentlich zugänglichen Stromnetz-Karten im Internet recherchieren.

Redaktioneller Hinweis: Die besonders verwundbaren Punkte werden an dieser Stelle nur allgemein beschrieben, um keine potenziellen Anschlagsziele zu offenbaren.

Stets sind es Leitungen, die im Stromnetz für die Versorgung besonders wichtig sind: Im Westen etwa bei Köln, im Osten bei Chemnitz und im Norden bei Schwerin und bei Hamburg. Auf Nachfrage von ZDF frontal teilen die zuständigen Netzbetreiber mit, aus Sicherheitsgründen keine weiteren Informationen zu einzelnen Standorten mitteilen zu können.

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Experte fordert besseren Schutz

Professor Kai Strunz von der TU Berlin fordert bei den vom ZDF aufgedeckten Schwachstellen einen besseren baulichen Schutz.

Allen Masten ist gemeinsam, dass da kaum ein baulicher Schutz besteht. Um wirklich gegen Sabotage wirksam zu schützen, bräuchte ich eine sicherlich wesentlich robustere, höhere und brandsichere Einhausung.

Professor Kai Strunz, Technische Universität Berlin

Strunz sieht die Netzbetreiber in der Pflicht, sie seien für den Anlagenschutz zuständig. "Es schleicht sich offensichtlich manchmal eine gewisse Leichtsinnigkeit ein", vermutet Strunz und kritisiert, "dass man gewisse neuralgische Punkte einfach unterschätzt und vielleicht auch - Prinzip Hoffnung - glaubt, dass hoffentlich nichts passiert."

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Montagewerke von Dax-Konzernen betroffen?

In Norddeutschland könnte nach ZDF-Recherchen ein Werk des Flugzeug- und Rüstungskonzerns Airbus betroffen sein. Die Kabel am Hochspannungsmast sind frei zugänglich und baulich nicht geschützt. Airbus will sich dazu nicht äußern, "aus Sicherheitsgründen" teile man "keine sensiblen Informationen zum Schutz unserer Infrastruktur" mit. Auch der zuständige Netzbetreiber hält sich bedeckt, will nichts zu einzelnen Anlagen seines Stromnetzes sagen.

Ähnlich in Süddeutschland, wo ein Werk des Autobauers Mercedes-Benz von einer Hochspannungsleitung versorgt wird. Auch dort ein baulich ungeschützter Strommast mit freiliegenden Kabeln. Mercedes-Benz will sich auf ZDF-Nachfrage nicht äußern. Doch der Verteilnetzbetreiber, dem der Mast gehört, scheint das Problem erkannt zu haben und erklärt, der Mast werde observiert. Und es gebe "Planungen, auch baulicher Natur", um den Strommast zu schützen.

Bundesverband der Energiewirtschaft sieht Handlungsbedarf

Der Bundesverband der Energiewirtschaft (BDEW) reagiert auf die ZDF-Recherchen. Die BDEW-Vorsitzende Kerstin Andreae vertritt auch Verteilnetzbetreiber und verweist auf eine neue Sicherheitslage im Land und sieht Handlungsbedarf.

Die Punkte brauchen einen besseren baulichen Schutz. Wir sind in einer neuen Situation. Man hat vor vielen Jahren nicht mit solchen Anschlagssituationen gerechnet, wie wir sie jetzt gehäuft erleben und vermutlich leider gehäufter erleben werden.

Kerstin Andreae, Vorsitzende der Hauptgeschäftsführung des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft

Ein Versäumnis der Netzbetreiber sieht Andreae nicht und verweist auf die Politik. Der physische Schutz von kritischer Infrastruktur gehöre "ganz oben auf die politische Agenda", so Andreae gegenüber ZDF Frontal. Das sogenannte "Kritis-Dachgesetz" soll den Schutz der kritischen Infrastruktur stärken und diese Woche im Bundestag verabschiedet werden.

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Quelle: ZDF Frontal

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Sehen Sie die gesamte Recherche heute Abend um 21 Uhr bei ZDF Frontal.

Über dieses Thema berichteten die heute-Nachrichten am 27.01.2026 ab 17 Uhr und 19 Uhr sowie ZDF Frontal ab 21 Uhr.

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