Sicherheitsexperte Moritz Brake:Wie Nordsee-Windparks vor Sabotage geschützt werden können
Europa plant neue Windkraft-Anlagen in der Nordsee - und schafft damit auch neue Ziele für Sabotage auf See. Wie man sie schützen kann, erklärt Sicherheitsexperte Moritz Brake.
Wie kann Europa seine kritische Infrastruktur in der Nordsee schützen? Sehen Sie das Interview mit Experte Moritz Brake in voller Länge oder lesen Sie es unten in Auszügen.
26.01.2026 | 10:12 minZum "weltgrößten Drehkreuz" für saubere Energie soll die Nordsee werden, mit Offshore-Windparks im großen Stil - so kündigten es Staats- und Regierungschefs beim Nordsee-Gipfel am Montag an. Ein möglicher Meilenstein der Energiewende.
Gleichzeitig ist das offene Meer längst zum Schauplatz der hybriden Kriegsführung geworden. Vergangene Sabotageakte durch Russlands sogenannte Schattenflotte in der Ostsee machen Moritz Brake, Experte für maritime Sicherheit, auch mit Blick auf die nun geplanten Windparks Sorge.
Experte: Infrastruktur im Meer noch nicht ausreichend geschützt
"Es ist ganz klar, dass unsere geopolitischen Rivalen längst kritische Infrastrukturen ins Ziel gefasst haben", sagt Brake bei ZDFheute live.
Beim Nordseegipfel in Hamburg haben sich mehrere Anrainerstaaten auf den Ausbau von Windenergieanlagen vor den Küsten verständigt, auch Sicherheitsfragen spielten dabei eine Rolle.
26.01.2026 | 2:39 minZwar sei man bei möglichen Cyberangriffen mittlerweile relativ wachsam, vor physischer Sabotage sei die Infrastruktur vor der Küste aber noch nicht ausreichend geschützt, so Brake, der auch Reserveoffizier der Marine der Bundeswehr ist.
Wir machen uns nicht die gleichen Sorgen um unsere Kraftwerke an Land wie um unsere Infrastruktur auf dem Meer.
Moritz Brake, Experte für maritime Sicherheit
Brake: Überwachung allein reicht nicht aus
An Land sei es recht einfach, "die Polizei einzuschalten, zu patrouillieren, schnell zu reagieren, wenn Alarme ausgelöst werden", erklärt der Experte.
Eine sichere Energieversorgung ohne russischen Einfluss - die will Europa. Wie gut Windparks in der Nordsee vor Sabotage geschützt werden können, analysiert ZDFheute live. Die gesamte Sendung.
26.01.2026 | 22:17 minDas gestaltet sich auf dem offenen Meer anders: Zum einen sei die Entfernung zum Land größer, zum anderen "haben wir hier einen anderen Rechtsrahmen, denn wir befinden uns außerhalb der Hoheitsgewässer."
Das heißt: Was unsere Polizei an Land darf, das kann sie nicht ohne Weiteres auf hoher See.
Moritz Brake, Experte für maritime Sicherheit
3D-Visualisierung der kritischen Infrastruktur am deutschen Küstenmeer
Die Nord- und Ostsee sind durchzogen von wichtigen Datenkabeln und Pipelines.
Quelle: Experteninterviews; SPW; ZDF-IllustrationEs reiche nicht aus, nur auf Überwachung der Infrastruktur zu setzen, es brauche Präsenz vor Ort, um sowohl reagieren als auch abschrecken zu können.
Das könnten Hubschrauber und Drohnen sein, aber insbesondere brauche es ferngesteuert oder autonom schwimmende Systeme, "die eigenständig in der Lage sind, kostengünstig große Seeräume abzudecken".
Brake: Gegner dachten, dass sie damit durchkommen
Auch wegen dieser mangelnden Präsenz vor Ort hätten vergangene Sabotageakte Europa oft kalt erwischt, sagt Brake. "Gegner konnten glauben, dass sie damit durchkommen."
Seiner Meinung nach braucht es zukünftig andere Signale an Gegner: "Wenn wir robust verkünden 'Das ist unsere verteidigungsrelevante kritische Infrastruktur, und wer uns hier angreift, überschreitet die Schwelle von Frieden zu Krieg', dann entscheidet sich (...) auch ein Angreifer ganz anders." Den Gegnern müsse klar gemacht werden, dass Deutschland mit militärischen Mitteln reagiere, "wenn der Angriff wirklich an den Kern unserer Überlebensfähigkeit geht."
Die Bundesregierung wirft Russland hybride Angriffe auf Deutschland vor und hat den Botschafter einbestellt. Es geht um Cyberangriffe, Spionage, Sabotage und Wahlkampf-Einmischung.
13.12.2025 | 2:49 minPrivate Betreiber in der Pflicht?
Neben Bundeswehr und Polizei sieht Brake beim Schutz der kritischen Infrastruktur aber auch private Betreiber der Offshore-Anlagen in der Pflicht: Sie spielen seiner Meinung nach eine zentrale Rolle, "wenn es darum geht, echte Resilienz zu schaffen".
Sie müssten etwa dafür sorgen, dass ihre Anlagen auch mit Störungen klarkommen und es Ausweichsysteme gebe, um Totalausfälle zu vermeiden. Auch Ersatzteile für Reparaturen sollten ausreichend vorhanden sein.
ZDF-Korrespondentin Isabelle Schafers berichtet vom Nordseegipfel, dass das Thema Sicherheit seit dem Grönland-Konflikt „deutlich in der Prioritätenliste nach oben gerutscht ist."
26.01.2026 | 2:29 minBrake: Können Infrastruktur auch ohne USA schützen
Den Schutz der kritischen Infrastruktur kann Europa nach Brakes Meinung auch leisten, sollte die Unterstützung der USA tatsächlich wie vielfach befürchtet wegfallen. "Wir haben unglaubliche Kraftressourcen hier", sagt er.
Er fordert, zusätzliche Partnerschaften innerhalb der Nato auch mit Blick auf die maritime Sicherheit zu pflegen, etwa mit Norwegen, Kanada oder den Niederlanden.
Das Interview führte Victoria Reichelt, zusammengefasst hat es Marie Ahlers.
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