Parteitagsantrag: Linke plant soziale Offensive gegen SPD und AfD

Leitantrag vor Parteitag in Potsdam:Linke plant soziale Offensive gegen SPD und AfD

von Jordan Grawenhoff

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Heute soll der Parteivorstand der Linken den Leitantrag für den Bundesparteitag beschließen. Die Partei will ihren Aufschwung verstetigen und ihr soziales Profil schärfen.

Heidi Reichinnek  Die Linke | Fraktionsvorsitzende im Bundestag

"Was wir jetzt brauchen, ist sofort eine Übergewinnsteuer" für die Großkonzerne, sagt Heidi Reichinnek, Fraktionsvorsitzende Die Linke, zu den hohen Spritpreisen.

16.04.2026 | 4:34 min

Die Linke will ihren aktuellen Aufwärtstrend in eine soziale Offensive übersetzen. In dem ZDFheute vorliegenden Leitantrag für den Parteitag rückt die Parteiführung Sozialstaat, Mieten und Preise sowie Rente, Pflege und staatliche Investitionen ins Zentrum.

Das Papier soll an diesem Sonntag im Parteivorstand beschlossen werden. Mit dem Titel "Die Linke als Steinhaus bauen" beschreibt die Partei ihren Anspruch, den Aufschwung zu verstetigen und aus dem Hoch mehr zu machen als eine Momentaufnahme.

Ines Schwerdtner, Bundesvorsitzende Die Linke, spricht bei der Sitzung des Bundestags zum Auftakt der Haushaltswoche.

Die Linke hat einen neuen Vorschlag zur Renten-Reform eingebracht: Die Arbeitgeber sollten mehr einzahlen als ihre Beschäftigten. Das sagte Linken-Co-Chefin Ines Schwerdtner dem ZDF.

16.02.2026 | 1:50 min

Linke-Chefin: SPD macht ihren Job nicht

Der Text liest sich als Versuch, sich links von der SPD zu positionieren, die in der Koalition stärker auf Kompromisse als auf politische Zuspitzung festgelegt ist. Im ZDF-Politbarometer liegt die Linke bei 11 Prozent, die SPD bei 12 Prozent.

Alice Weidel (AfD), Bundes- und Fraktionsvorsitzende, und Tino Chrupalla (AfD), Bundes- und Fraktionsvorsitzender, sprechen bei einer Pressekonferenz zum Abschluss der Klausur der AfD-Bundestagsfraktion.

Wäre an diesem Sonntag Bundestagswahl, wäre die AfD erstmals stärkste Kraft, knapp vor der Union. Die SPD würde laut aktuellem ZDF-Politbarometer auf ihren Tiefstwert fallen.

17.04.2026 | 6:24 min

Exklusiv gegenüber ZDFheute sagt Parteichefin Ines Schwerdtner: "Wir sind bereit, die Sozialdemokraten herauszufordern, weil sie ihren Job nicht machen. Klingbeil ist einfach überfordert. Die Menschen haben bessere Politik verdient."

Die Leute sehen sich von der Sozialdemokratie im Stich gelassen.

Ines Schwerdtner, Linke-Chefin

Luigi Pantisano (Die Linke) spricht im Bundestag. (Archiv)

Jan van Aken wird aus gesundheitlichen Gründen nicht erneut als Parteichef der Linken kandidieren. Nach seinem plötzlichen Rückzug will sich der 46-jährige Luigi Pantisano aufstellen lassen.

16.04.2026 | 0:46 min

AfD soll Rolle als Protestpartei streitig gemacht werden

Inhaltlich stützt der Antrag diesen Kurs. Er zeichnet die Bundesregierung als Treiberin von Aufrüstung und Sozialabbau. Dem setzt die Linke höhere Sozialleistungen, Entlastungen im Alltag, Eingriffe in den Wohnungsmarkt und eine Vermögensteuer entgegen. Hinzu kommt ein staatlicher Investitionsfonds für den Industrieumbau.

Auffällig ist, dass die Partei den Sozialstaat ins Zentrum rückt und zugleich wirtschaftspolitisch profilierter auftreten will. Schwerdtner formuliert das exklusiv gegenüber ZDFheute so:

Der Sozialstaat ist kein Kostenfaktor, er ist die Grundlage für sozialen Zusammenhalt und Demokratie.

Ines Schwerdtner, Linke-Chefin

Politisch zielt die Partei damit auf zwei Gegner zugleich: auf eine SPD, die sozialpolitisch zu blass bleibe, und auf eine AfD, der man die Rolle als Protestadresse streitig machen möchte.

Auf dem Bild sitzt die Linken-Chefin Ines Schwendtner als Gast bei der Markus Lanz

Auch Freundlichkeit ende irgendwann - "und das ist bei der AfD", sagt Linken-Chefin Schwerdtner bei "Lanz". AfD-Politikerin von Storch wirft ihr Diskursverweigerung vor.

16.10.2025 | 1:14 min

Soziale Sicherheit für mehr Zusammenhalt

In Berlin will die Linke die Stadt zur "roten Metropole" machen. Spitzenkandidatin Elif Eralp bewirbt sich für das Rote Rathaus. In Ostdeutschland richtet sich der Blick auf die im September stattfindenden Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern. Hier wolle man alles dafür tun, die AfD von den "Schalthebeln der Macht" fernzuhalten.

Die soziale Offensive versteht die Parteiführung als Antwort auf den Rechtsruck:

Gerade angesichts des Rechtsrucks gilt: Wer soziale Sicherheit schafft, stärkt den Zusammenhalt im Land. Genau das ist der Todfeind der AfD!

Ines Schwerdtner, Linke-Chefin

Antisemitismus kein Thema im Leitantrag

Auffällig ist jedoch, was im Leitantrag fehlt: Das Wort Antisemitismus taucht dort kein einziges Mal auf. Das ist bemerkenswert, weil die Partei seit Wochen über ihren Kurs im Streit um Israel und Palästina ringt. Der von Kritikern als antisemitisch bewertete Beschluss des niedersächsischen Landesverbands hat den Druck dabei weiter erhöht.

Delegierte sitzen auf dem Bundesparteitag unter dem Logo der Partei Die Linke in Chemnitz

Die Linken-Spitze verurteilt jeden Antisemitismus und will dazu einen Antrag beim nächsten Bundesparteitag stellen. Ein Beschluss des niedersächsischen Landesverbands stieß zuvor auf Kritik.

21.03.2026 | 0:29 min

Die Parteispitze hat deshalb für Potsdam einen eigenen Antrag zu Antisemitismus und Nahost vorbereitet. Darin grenzt sie sich von jeder Form des Antisemitismus ab, bekennt sich zum Selbstbestimmungsrecht von Jüdinnen und Juden in Israel ebenso wie zu dem der Palästinenser und verweist auf eine Zweistaatenlösung.

Interne Konflikte überschatten Parteitag

Gerade deshalb wirkt die Leerstelle im zentralen Leitantrag umso auffälliger: Die soziale Offensive wird breit ausbuchstabiert, der Konflikt über Antisemitismus dagegen in ein separates Papier ausgelagert. Der Austritt des Brandenburger Antisemitismusbeauftragten Andreas Büttner hat die Debatte zusätzlich verschärft. Hinzu kommt der angekündigte Rückzug von Co-Parteichef Jan van Aken aus gesundheitlichen Gründen.

So fährt die Linke zwar mit Rückenwind nach Potsdam. Der Parteitag wird aber nicht nur zur Bühne einer sozialen Offensive, sondern auch zum Test, ob die Partei ihre inneren Konflikte einhegen kann.

Über dieses Thema berichtete unter anderem die Sendung "heute" am 17.04.2026 ab 19 Uhr in dem Beitrag "Vertrauen in die Lösungskompetenz schwindet" sowie ZDFheute Xpress am 16.04.2026 ab 19:11 Uhr in dem Beitrag "Luigi Pantisano will Linken-Chef werden" und das gemeinsame Morgenmagazin von ARD und ZDF am 16.04.2026 ab 5:30 Uhr in dem Beitrag: "Reichinnek: 'Energiekrisengeld finanzieren'".

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  1. Berlin: Ines Schwerdtner (Die Linke), Parteivorsitzende, spricht vor einer Sitzung der Gruppe Die Linke mit Jan van Aken (Die Linke), Parteivorsitzender.

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