Vater: Aktuelle Leihmutter-Debatte ist "sehr verletzend"

Interview

Tobias Devooght ist dank Leihmutter Vater:Aktuelle Leihmutter-Debatte ist "sehr verletzend"

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Tobias Devooght ist dank einer Leihmutter Vater von zwei Kindern. Im Interview mit ZDFheute fordert er die Legalisierung dieser Praxis - inklusive einer Entschädigung für die Frau.

Tobias Devooght im Interview

Sehen Sie hier das Interview mit Tobias Devooght.

22.07.2026 | 8:20 min

Jens Spahn hat mit seiner Entscheidung, mit einer Leihmutter aus den USA Vater zu werden, eine Debatte in Deutschland ausgelöst. Sollte die Praxis auch hier legalisiert werden? Einer, der das fordert, ist Tobias Devooght. ZDFheute hat mit ihm gesprochen.

ZDFheute: Was ärgert Sie aktuell am meisten an der Debatte? An welchen Formulierungen stoßen Sie sich?

Devooght: Zunächst einmal ist es gut, dass es die Debatte gibt, weil darauf haben, glaube ich, viele Familien gewartet. Nichtsdestotrotz ist das Wording, das verwendet wird, also insbesondere die Ausbeutung der Frau, der Kauf eines Kindes, sehr verletzend gegenüber den Familien, die verantwortungsvoll diesen Weg gegangen sind.

Tobias Devooght mit seinem Mann und den gemeinsamen Kindern
Quelle: Tobias Devooght

... ist Co-Vorsitzender des Vereins zur Förderung der Legalisierung der Leihmutterschaft in Deutschland. Er und sein Mann Dennis Devooght sind Väter von zwei Kindern, die von einer Leihmutter ausgetragen wurden.


ZDFheute: Von Seiten der Union heißt es, Kinder von Leihmüttern tragen psychische Schäden davon und die Leihmutter wird emotional und finanziell ausgebeutet. Wie gehen Sie persönlich mit diesem Vorwurf um?

Devooght: Es gibt mit Sicherheit Frauen, die Leihmütter werden, die ausgebeutet werden. Die vermutlich auch nicht psychologisch betreut werden, aber wir kennen eben genauso viele Beispiele, in denen Leihmütter das sehr selbstbestimmt entschieden haben und auch von Anfang an wissen, worauf sie sich einlassen.

CDU-Politiker Jens Spahn hat durch eine in Deutschland illegale Leihmutterschaft ein Kind bekommen. Sein Rücktritt hat eine neue Debatte über die Legalisierung ausgelöst.

Der Rücktritt von Jens Spahn hat auch eine Debatte über die Legalisierung der Leihmutterschaft ausgelöst. In anderen Ländern ist diese längst legal.

22.07.2026 | 1:48 min

Das heißt, sie werden psychologisch betreut und haben ein Verständnis davon, dass das Kind, das sie austragen, nicht genetisch ihr Kind ist. Das sind eben die Punkte, die, glaube ich, vergessen werden, wenn wir das gestalten wollen mit dem Gedanken, die Frau zu schützen.

ZDFheute: Hat sich durch Jens Spahn ein politisches Fenster geöffnet oder hat die Union es schon wieder mit aller Macht zugestoßen?

Devooght:

Ich sehe schon eine Chance, dass wir jetzt offen und sachlich über das Thema Leihmutterschaft sprechen.

Dass wir auch den Weg der Leihmutterschaft als Weg zur Familiengründung wahrnehmen und eben auch mehr verstehen. Bisher war es in Debatten oder Kommentaren immer sehr einseitig und jetzt haben wir die Möglichkeit, uns dem halt nochmal umfangreicher zu widmen.

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ZDFheute: Hat Jens Spahn nun Bewegung in die Sache gebracht oder nehmen Sie es ihm übel, dass er für sich was in Anspruch genommen hat, was er als Politiker anderen verwehrt hat?

Devooght: Ich verstehe als Mann, dass man den Kinderwunsch weiter verfolgt. Ich verstehe aber nicht, dass man sich innerhalb der politischen Debatte gegen etwas einsetzt oder stark macht oder es einfach duldet, wenn man es selber in Betracht zieht.

Man kann nur hoffen, dass Herr Spahn sich nochmal offiziell auch für das Thema stark macht, denn alles andere wäre ja auch wiederum unglaubwürdig.

Prof. Frauke Brosius-Gersdorf | Verfassungsrechtlerin

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ZDFheute: Sie haben einen Verein gegründet, mit welchem Ziel?

Devooght: Wir haben einen Verein gegründet, um Familien eine Sichtbarkeit zu geben, die diesen Weg gegangen sind. Und darüber hinaus eben eine Debatte anzustreben, wie man das für deutsche Paare in Deutschland ändern kann.

Wir haben unter anderem mitbekommen, dass Wege im Ausland sehr ungeschützt, intransparent und auch teilweise nicht mit dem Blick auf den Schutz der Leihmutter und das Kindeswohl durchgeführt werden. Und dagegen wollen wir halt was tun.

ZDFheute: Welche Form der Legalisierung streben Sie an? Was würden Sie sich wünschen? Die komplette Legalisierung oder die altruistische?

Eine Leihmutterschaft ist altruistisch, wenn die Leihmutter von den Wunscheltern nicht kommerziell vergütet wird. In vielen Fällen handelt es sich dabei um Verwandte oder Bekannte von Paaren, die keine Kinder bekommen können. In Deutschland ist die Vermittlung von jeder Form der Leihmutterschaft verboten.


Devooght: Für eine mögliche Legalisierung brauchen wir erstmal die Bereitschaft, dass wir sachlich, wissenschaftsbasiert über das Thema diskutieren.

Die altruistische Leihmutterschaft ist sicherlich ein erster Schritt.

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Wenn man sich das europäische Ausland betrachtet, in dem altruistische Leihmutterschaft möglich ist, weiß man, dass es nicht unmittelbar für Familien funktioniert. Zum einen haben wir in altruistischen Modellen ein sehr starkes Konfliktpotenzial, weil die Personen sich alle von vornherein kennen. Das wird oftmals vergessen.

Wir haben aber auch dadurch, dass die Frau das unentgeltlich machen soll, die Realität, dass sich weniger Frauen dafür bereit erklären. Doch warum lassen wir es nicht zu, dass die Frau, die sich bereit erklärt, ein Kind für jemand anderes auszutragen, auch entsprechend entschädigt wird für medizinische Risiken?

Das Interview führte Andrea Budke, Reporterin im ZDF-Studio Düsseldorf.

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Über dieses Thema berichteten die heute-Nachrichten am 22.07.2026 ab 17:00 Uhr und ZDFheute in dem Beitrag "Vater: Leihmutter-Debatte "sehr verletzend"" um 19:23 Uhr.

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