Leihmutter-Debatte: "Selbstbestimmt, autonom, freiwillig"

Interview

Leihmutter-Debatte:Brosius-Gersdorf: Frauen sollen selbst bestimmen dürfen

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Frauen müssten selbstbestimmt entscheiden dürfen, ob sie ein Kind für jemand anderen austragen wollen, fordert die Juristin Brosius-Gersdorf und verweist auf das Grundgesetz.

Prof. Frauke Brosius-Gersdorf | Verfassungsrechtlerin

"Wir sind erst am Anfang dieser sehr guten und sehr wichtigen Debatte", sagt Verfassungsrechtlerin Prof. Frauke Brosius-Gersdorf. Sie bezeichnet das Verbot der Leihmutterschaft als "Grundrechtseingriff".

22.07.2026 | 6:04 min

In die Leihmutter-Debatte kommt Schwung, seit bekannt wurde, dass der CDU-Politiker Jens Spahn und sein Mann ihren Kinderwunsch in den USA auf diesem Weg erfüllten. Im ZDF-Morgenmagazin stellt die ehemalige Kandidatin für das Verfassungsgericht, Frauke Brosius-Gersdorf, das Selbstbestimmungsrecht ins Zentrum. Dieses sei mit dem geltenden Verbot der Leihmutterschaft nicht vereinbar. Um Frauen vor Ausbeutung zu schützen, fordert sie aber einen klaren gesetzlichen Rahmen. Das sagt die Juristin über ...

... die Vorgaben des Grundgesetzes

Die Freiheit und der Mensch, seine Autonomie, sein selbstbestimmtes Handeln - das sei zentral im Grundgesetz, erläutert Brosius-Gersdort. Es gehe von der Selbstbestimmung des Einzelnen aus, also auch der Selbstbestimmung der Frau. Die Menschenwürde, mit der jetzt vielfach gegen eine Legalisierung der Leihmutterschaft argumentiert werde, "die ist nicht die Grenze, die ist der Grund für die Selbstbestimmung". Der Staat dürfe Freiheit nur da einschränken, wo Freiheit anderer beginne. Die Juristin argumentiert:

Und wenn eine Frau selbstbestimmt, autonom, freiwillig, gut informiert entscheidet, dass sie sich als Leihmutter zur Verfügung stellen möchte, dann darf der Staat das meines Erachtens nicht verbieten.

So etwas wie einen Schutz vor sich selbst - das gebe es nicht, sagt die Juristin.

Leihmutterschaft

"Wie freiwillig ist freiwillig…?", Sina Tonk von Terre des Femmes warnt vor Ausbeutung. Die Causa Jens Spahn hat die Debatte rund um die Leihmutterschaft neu entfacht.

22.07.2026 | 1:58 min

... Schutzmechanismen für Leihmütter

Der Staat müsse unbedingt Vorkehrungen dagegen schaffen, "dass Frauen irgendwie unter Druck und Zwang geraten, dass sie wirtschaftlich ausgebeutet werden und sich aus wirtschaftlicher Not zu einem solchen Schritt bereit erklären", schränkt Brosius-Gersdorf ein. Die Entscheidung müsse immer selbstbestimmt und autonom erfolgen. Und wenn Frauen diese Entscheidung gut informiert, selbstbestimmt und autonom treffen, "dann darf der Staat ihnen ihre Freiheit nicht einschränken".

Das jetzige Verbot der Leihmutterschaft und der Eizellenspende sei ein Grundrechtseingriff, betont die Juristin - auch für diejenigen, die auf eine "Leihmutterschaft oder eine Eizellspende angewiesen sind, um ein Kind zu bekommen".

Sören Pellmann  Die Linke | Fraktionsvorsitzender

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... zahlreiche offene Fragen

Brosius-Gersdorf sieht die Debatte noch am Anfang. So müsse etwa geklärt werden, ob eine Legalisierung nur die sogenannte altruistische Leihmutterschaft umfassen könnte, bei der eine Aufwandsentschädigung fließt, oder auch eine kommerzielle, erklärt die Rechtsprofessorin. "Der Staat muss Vorkehrungen dafür treffen, dass die Frauen nicht nur aus wirtschaftlicher Not heraus handeln." So könnte der Gesetzgeber bei altruistischen Leihmutterschaften dafür sorgen, dass Frauen "nicht durch einen hohen Gewinn dazu gebracht werden, eine Leihmutterschaft einzugehen".

Gleichzeitig gab Brosius-Gersdorf zu bedenken, dass nicht Kliniken oder Vermittlungsagenturen an der Leihmutterschaft verdienen, während für diejenigen, die die größten Belastungen tragen, die geringste Entlohnung bleibt. Und sollten Leihmütter für eine begrenzte Zeit nach der Geburt das Recht haben, sich doch selbst für das Kind zu entscheiden, wie es die Kommission für reproduktive Selbstbestimmung und Fortpflanzungsmedizin vorschlage?

Das sind alles ganz schwierige, hochkomplexe Fragen. Aber ich finde es toll, dass die Debatte darüber in Deutschland jetzt begonnen hat.

Quelle: ZDF
Über das Thema berichtete das ZDFmorgenmagazin am 22.07.2026 ab 05.30 Uhr.

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