Debatte bei "Markus Lanz":Frei: Rückzug war nie ein Thema für Merz
von Bernd Bachran
In Berlin gebe es Zweifel am Kanzler und seinem Vize, meint Journalist Michael Bröcker bei "Markus Lanz". Doch Unions-Fraktionschef Thorsten Frei hält dagegen.
Zu den kommenden Wahlen in Ostdeutschland und deren bundespolitischer Bedeutung, zur jüngsten Kabinettsumbildung sowie zur Abgrenzungspolitik der Union.
26.08.2026 | 76:58 minBundeskanzler Friedrich Merz ist laut dem jüngsten Insa-Politikerranking der unbeliebteste Politiker Deutschlands und erreicht den letzten Platz unter 20 bewerteten Politikern. Zudem sind nur noch 18 Prozent der Bürger mit seiner Arbeit als Bundeskanzler zufrieden. Auch Vizekanzler Lars Klingbeil (SPD) schneidet mit Platz 16 im Beliebtheitsranking kaum besser ab.
Mit Blick auf die schwierige Umsetzung anstehender Reformen bei Rente, Pflege und Steuern fragte der Chefredakteur von "Table.Media", Michael Bröcker, am Dienstagabend bei "Markus Lanz", "ob Merz und Klingbeil überhaupt noch die Stabilität haben, die Kraft, das Zutrauen ineinander, dass sie das wirklich gemeinsam wuppen wollen" und ergänzte:
Das sind ja zwei, fast hätte ich gesagt: ,Dead Men Walking'.
Michael Bröcker, Chefredakteur "Table.Media"
Der Kanzler hob hervor, dass es Handlungsbedarf gebe, so ZDF-Korrespondentin Trams. Merz lobte außerdem die eigene Regierung, erwähnte angestoßene Reformen wie Rente, Steuern und Sicherheit.
25.08.2026 | 3:14 minFrei schließt Rücktritt von Merz aus
Bröcker verwies in diesem Zusammenhang auf Spekulationen über die politische Zukunft der beiden Koalitionsspitzen. In Berlin werde bereits darüber diskutiert, ob sowohl Vizekanzler Lars Klingbeil als auch Bundeskanzler Friedrich Merz vor einer möglichen Ablösung stehen. CDU/CSU-Fraktionschef Thorsten Frei wies dies bei "Markus Lanz" jedoch zurück. Nach kurzem Zögern erklärte er: "Ich kenne niemanden ernst zu nehmenden, der so etwas diskutiert."
Das ließ Bröcker nicht gelten: "Es ist Thema. Es ist Thema in jeder Landesregierungszentrale, in der Fraktionsführung und sicherlich auch im Kopf von Thorsten Frei." Bröcker weiter:
Garantiert wird Herr Frei - wie jeder führende Christdemokrat - in den vergangenen Monaten darüber nachgedacht haben, ob Friedrich Merz mit den Umfragewerten, mit den Persönlichkeitswerten diese Legislaturperiode beenden kann.
Michael Bröcker, Chefredakteur "Table.Media"
Auf die Frage von Markus Lanz, ob Friedrich Merz angesichts der schlechten Umfragewerte schon einmal darüber nachgedacht habe, das Amt aufzugeben, antwortete Thorsten Frei ohne Zögern und ungewöhnlich knapp: "Nein."
Die Gespräche mit seinem Kabinett nannte der Kanzler eine "Arbeitsklausur". Es gehe vor allem um die Wirtschaft: Deutschland solle starkes Industrieland bleiben und an der Weltspitze stehen.
25.08.2026 | 9:11 minBröcker zur Brandmauer: Es gibt unbequeme Wahrheiten
Als im Verlauf der Sendung die bevorstehende Landtagswahl in Sachsen-Anhalt zur Sprache kam, rückte erwartungsgemäß auch die Debatte um die sogenannte "Brandmauer" und den Unvereinbarkeitsbeschluss der CDU gegenüber der AfD und der Linkspartei in den Mittelpunkt. Angesichts möglicher schwieriger Mehrheitsverhältnisse in Sachsen-Anhalt stellte sich erneut die Frage, wie belastbar diese Abgrenzung nach der Wahl tatsächlich sein wird.
Auch hier hatte Michael Bröcker eine klare Meinung: "Es gibt zwei unbequeme Wahrheiten. Einerseits ist die Brandmauer auch eine Schutzmauer für die AfD."
Nichts hat die AfD so stark gemacht wie die Brandmauer und der Fokus, dass alle anderen außerhalb dieser Brandmauer so mit der AfD umgehen. Es hat nicht funktioniert.
Michael Bröcker, Chefredakteur "Table.Media"
Der CDU/CSU-Fraktionsvorsitzende verwies darauf, dass in der Union inzwischen kaum noch jemand den Begriff "Brandmauer" verwende. An der inhaltlichen Abgrenzung zur AfD ändere das jedoch nichts. Mit Blick auf die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt stellte Frei unmissverständlich klar, dass es keine Zusammenarbeit mit der AfD geben werde. "Das ist die klare Beschlusslage".
Brandmauer zur AfD nach rechts und nach links der Unvereinbarkeitsbeschluss mit der Linkspartei – kurz vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt sind die Koalitionsmöglichkeiten der CDU begrenzt.
25.08.2026 | 11:33 minMit wem will die CDU zusammenarbeiten?
Auf die Frage nach einer möglichen Zusammenarbeit mit der Linkspartei verwies Frei zunächst ebenfalls auf die geltende Beschlusslage der CDU. Gleichzeitig schlug der CDU/CSU-Fraktionschef bei einem anderen Szenario deutlich differenziertere Töne an. Auf die Frage, ob sich der CDU-Spitzenkandidat für die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt, Sven Schulze, mit Stimmen der Linkspartei zum Ministerpräsidenten wählen lassen würde, antwortete Frei:
Also das ist ja noch mal eine ganz andere Frage. Ein Kandidat von uns wird ja nicht dadurch zu einem schlechten Kandidaten, weil er die Zustimmung von einer falschen Partei bekommt.
Thorsten Frei, CDU/CSU-Fraktionschef
Seit Monaten polarisiert das sogenannte Regierungsprogramm der AfD für Sachsen-Anhalt. Kurz vor der Landtagswahl überprüft "frontal" besonders umstrittene Vorhaben: Pflege, Kultur und Bildung.
25.08.2026 | 13:22 minBezugnehmend auf das ZDF-Sommerinterview mit AfD-Co-Vorsitzender Alice Weidel vom vergangenen Sonntag, sprach Thorsten Frei davon, dass die AfD ein grundsätzlich anderes Land wolle.
"Da geht es auch um Nato, EU, Euro. Da will sie etwas vollkommen anderes als wir. Und wer am Ende ein anderes Land will, eine andere Gesellschaft, der kann natürlich kein Partner sein."
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