Ex-Bundeswirtschaftsminister bei "Lanz":Altmaier: Deutschlands Erfolgsmodell wankt
von Peter Altmaier
Peter Altmaier (CDU) wirft der Regierung bei "Markus Lanz" fehlende Konzepte vor. Wirtschaftsjournalistin Julia Löhr sieht Markus Söder als "Reformhindernis".
Sehen Sie hier die Sendung "Markus Lanz" vom 1. April 2026 in voller Länge.
01.04.2026 | 75:05 minZu seiner aktiven Zeit als Politiker galt Peter Altmaier (CDU) als Allzweckwaffe von Ex-Kanzlerin Angela Merkel und bekleidete gleich mehrere Schlüsselressorts: Er leitete das Bundeswirtschaftsministerium, führte als Chef das Bundeskanzleramt, verantwortete das Umweltressort und kurzzeitig sogar das Finanzministerium. Nach der Bundestagswahl 2021 verzichtete er auf sein Mandat und zog sich aus der aktiven Politik zurück.
Am Mittwochabend kritisierte Peter Altmaier bei "Markus Lanz" die aktuelle Regierungskoalition scharf. Auf die Frage nach einem Vergleich der Lage von 2021 mit heute gab er zu bedenken, dass die Situation wegen des damals noch nicht ausgebrochenen Ukraine-Kriegs nur bedingt vergleichbar sei.
Dennoch betonte er, dass Deutschland damals weltweit als führende Industrienation mit einer Rekordzahl an Industriearbeitsplätzen gegolten habe, während heute monatlich Tausende Stellen abgebaut würden.
Die Folgen des Irankriegs bremsen das deutsche Wirtschaftswachstum deutlich. Führende Wirtschaftsinstitute korrigieren ihre Prognose von 1,3 auf 0,6 Prozent.
01.04.2026 | 1:38 minAltmaier: Regierungsparteien haben noch keine Konzepte für Reformen
Peter Altmaier zeigte sich überrascht, dass seiner Ansicht nach auch eineinhalb Jahre nach dem Scheitern der Ampel-Koalition noch nichts zustande gekommen sei. Er kritisierte, "dass die großen Parteien SPD und CDU/CSU nicht in irgendeiner Weise über Konzepte in den Schubladen verfügen, die sie dann relativ schnell auf den Tisch legen und bei der Umsetzung Kompromisse finden können".
Der ehemalige Bundesminister für Wirtschaft und Energie sagte, bei zentralen Fragen wie ...
- sicheren und bezahlbaren Renten,
- einer stabilen Krankenversicherung,
- moderaten Lohnnebenkosten,
- Energiepreisen
- sowie neuer Zuversicht in der Wirtschaft ...
... sei man in den vergangenen fünf Jahren kein Stück vorangekommen. Das gefährde die Akzeptanz der Politik.
Die schwarz-rote Regierung wollte die Wirtschaft ankurbeln, doch Aufschwung ist nicht zu spüren. In der Metall- und Elektroindustrie gingen zehntausende Arbeitsplätze verloren.
09.12.2025 | 2:08 minAltmaier weiter: "Aber ein viel größeres Problem ist es doch für das Land selbst. Weil das Land im Augenblick sieht, dass ein Erfolgsmodell immer mehr ins Wanken kommt."
Und mein Eindruck ist: Mit jedem Koalitionsausschuss, der diese Fragen nicht löst, wird die Sorge und die Verzweiflung größer. Denn Investitionen werden nur dann kommen, wenn Planungssicherheit für die nächsten vier, fünf Jahre besteht.
Peter Altmaier, CDU
Altmaier sagte, er könne kaum erkennen, worin sich die Rentenkonzepte von CDU, CSU und SPD unterscheiden, da es in allen Parteien ständig neue, widersprüchliche Vorschläge gebe, die jedoch keinen wirklichen Aufbruch bewirkten.
Die Koalition hat eine Reform der privaten Altersvorsorge beschlossen. ZDF-Börsenexperte Frank Bethman erklärt, was die Riester-Rente ab 2027 ersetzen soll.
27.03.2026 | 1:10 minJulia Löhr: Markus Söder ist Reformhindernis
Die Wirtschaftskorrespondentin im Hauptstadtbüro der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, Julia Löhr, sah bei "Lanz" - anders als es in Unionskreisen häufig dargestellt wird - nicht die SPD als Bremsklotz für weitreichende Reformen, auch wenn sie diese Rolle in den vergangenen anderthalb Jahren womöglich zeitweise gespielt habe.
Aktuell ist es aber tatsächlich so, dass die CSU das größte Reformhindernis im Land ist. Einfach weil Markus Söder gerade zu allem, was an Vorschlägen kursiert, 'Nein' sagt.
Julia Löhr, Wirtschaftskorrespondentin im Hauptstadtbüro der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Als Beispiele nannte sie unter anderem die beitragsfreie Mitversicherung in der Krankenversicherung und das Ehegattensplitting. Außerdem bemängelte Löhr die Mütterrente, die Senkung der Gastrosteuer und die höhere Subventionierung von Agrardiesel.
Das sind ja alles Wahlgeschenke, die Markus Söder verteilen wollte. Quasi alle CSU-Wünsche, die im vergangenen Jahr durchgesetzt wurden, summieren sich auf knapp 10 Milliarden Euro pro Jahr. Das hätte man auch lassen können.
Julia Löhr, Wirtschaftskorrespondentin im Hauptstadtbüro der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Für das Verhalten Söders zeigte Peter Altmeier Verständnis, denn "Markus Söder macht das, was Bärbel Bas und Lars Klingbeil auch machen, nämlich die Interessen ihrer Wähler und ihrer Parteien zu vertreten. So ist das in einer Koalition".
Zum Auftakt forderte Parteichef Söder "eine Generalüberholung des Sozialstaats". Außerdem müsse man bestimmte Vereinbarungen wegen der schlechten Wirtschaftslage neu bewerten.
06.01.2026 | 2:41 minAltmeier: Regierung soll Vorschläge von Kommissionen gemeinsam umsetzen
Viel gravierender fand Altmeier den Umgang der Regierungsparteien mit den Vorschlägen aus Kommissionen, wie zum Beispiel aktuell der Expertenkommission für eine Reform der gesetzlichen Krankenversicherungen.
"Ich finde, wenn man Kommissionen einsetzt, dann müssten sich die Koalitionspartner verständigen, dass man diese Vorschläge auch umsetzt. Denn die Vorschläge machen nur einen Sinn als Gesamtpaket", so Altmeier.
Und jetzt fangen die ersten wieder an, sich die Kirschen herauszupicken und das, was ihnen gefällt, zu machen - das andere nicht. Und dann ist die nächste öffentliche Blamage vorprogrammiert.
Peter Altmaier, CDU
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