Managerin lobt Regierung: "Entheddern geht nicht in zwei Tagen"

Interview

Ein Jahr schwarz-rote Regierung:Unternehmerin: "Größter Modernisierungsschub seit Dekaden"

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Große Reformen hatte die Regierung versprochen. Die Zwischenbilanz? Nicht so schlecht wie viele meinen, findet Managerin Julia Jäkel. Wo es noch hakt, schätzt sie im Interview ein.

Friedrich Merz Bildausschnitt vor Bundestaggebäude.

Union und SPD haben sich viel für ihre Regierungszeit vorgenommen. Knapp ein Jahr ist die Koalition nun im Amt. Was konnte sie umsetzen? Managerin Julia Jäkel analysiert bei ZDFheute live.

04.05.2026 | 16:03 min

Es waren große Versprechen, mit denen die schwarz-rote Regierung unter Bundeskanzler Friedrich Merz antrat: Grundlegende, lange aufgeschobene Strukturreformen sollten kommen. Seit dem Amtsantritt ist ein Jahr vergangen.

Und während die Mehrheit der Bürgerinnen und Bürger laut Umfragen unzufrieden mit der Arbeit der Bundesregierung ist, widerspricht die Managerin Julia Jäkel diesem Bild bei ZDFheute live deutlich:

Tatsächlich ist es wirklich besser, als man in der Öffentlichkeit im Moment wahrnimmt.

Julia Jäkel, Managerin und Verlegerin

Was sieht sie in der Regierung, was viele zwischen den Streitereien in der Koalition nicht wahrnehmen? Jäkel hat 2024 gemeinsam mit anderen die "Initiative für einen handlungsfähigen Staat" gegründet. Mit Expertinnen und Experten hat sie Vorschläge erarbeitet, die den Staat reformieren und modernisieren sollen. Viele ihrer Ideen wurden von CDU, CSU und SPD später in den Koalitionsvertrag aufgenommen.

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Was die Regierung laut Jäkel schon erreicht hat

Julia Jäkel spricht von nicht weniger als dem "größten Modernisierungsschub dieses Landes seit Dekaden". Ein Erfolg ist für sie die "föderale Modernisierungsagenda". Gemeint ist ein Zusammenspiel von Bund und Ländern beim Bürokratieabbau: Mehr als 200 Maßnahmen sollen den Staat schneller, effizienter und bürgerfreundlicher machen, erklärt Jäkel.

Julia Jäkel
Quelle: AP

...ist Managerin und Verlegerin. Sie ist Mitgründerin der "Initiative für einen handlungsfähigen Staat". Julia Jäkel ist unter anderem Aufsichtsrätin bei der Münchner Rück AG, bei der Verlagsgruppe Holtzbrinck und der deutschen Presse-Agentur dpa. Von 2013 bis 2021 war sie Vorstandsvorsitzende beim Medienunternehmen Gruner + Jahr. In dieser Zeit war sie auch in führender Rolle für das Unternehmen Bertelsmann tätig.


Dabei geht es etwa um schnellere Genehmigungen, größere Spielräume für Kommunen und weniger Berichtspflichten. Ein Beispiel: Bauvorhaben sollen zukünftig automatisch als genehmigt gelten, wenn die Behörde nicht innerhalb einer bestimmten Frist widerspricht. Bisher sind Vorhaben erst dann genehmigt, wenn der Bescheid der Behörde vorliegt.

Markus Söder, Ministerpräsident von Bayern, Bärbel Bas, Bundesministerin für Arbeit und Soziales, Bundeskanzler Friedrich Merz und Lars Klingbeil, Bundesminister der Finanzen.

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Jäkel spricht von "Quantensprüngen"

Die "Modernisierungsagenda" wurde politisch beschlossen. Erste Gesetze sind in Arbeit, viele Ideen müssen aber noch umgesetzt werden. Ansätze dafür erkennt Jäkel bereits.

Besonders wichtig sind ihr die Gesetzesinitiativen mehrerer Bundesländer, die Kommunen einen flexibleren Umgang mit Regeln ermöglichen sollen. Jäkel hält sie für "Quantensprünge", weil sie der Verwaltung mehr Raum zum freien Entscheiden geben: "Nach den Bedürfnissen vor Ort, nach gesundem Menschenverstand. Und das ist groß."

Friedrich Merz

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Jäkel: Staat "über Dekaden verheddert"

Warum sieht die Bevölkerung diese Fortschritte offenbar nicht? Für Jäkel liegt das Problem klar in der Kommunikation: "Es ist ein fettes Paket und es wird viel zu wenig darüber gesprochen", meint sie.

Dass diese Erfolge nicht ausreichend kommuniziert würden, liege vermutlich daran, dass es sich um äußerst komplizierte Reformen handle, erklärt Jäkel:

Unser Staat hat sich über Dekaden verheddert. Das Entheddern geht nicht in zwei Tagen und auch nicht mit ganz einfachen Geschichten, sondern mit komplexen Antworten. Die sind kompliziert zu erklären.

Julia Jäkel, Managerin und Verlegerin

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Expertin sieht ein Kommunikationsproblem

Deshalb wünscht sie sich vom Bundeskanzler und der Regierung, dass sie in den kommenden Jahren besser vermitteln, wo es bei der Modernisierung des Staates Fortschritte gibt: "Diese Geschichte zu erzählen, dass Dinge vorangehen, ist meines Erachtens möglich und notwendig."

Drei Viertel ihrer Amtszeit liegen jetzt noch vor der Regierung von Friedrich Merz. Mit vielen strukturellen Reformen hat sie begonnen. Ein Leistungsproblem hat sie nach der Einschätzung von Jäkel wohl nicht, aber ein Kommunikationsproblem.

Das Interview führte ZDFheute live-Moderatorin Christina von Ungern-Sternberg. Autor der Zusammenfassung ist ZDFheute live-Redakteur Ben Bukes.

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Über dieses Thema berichtete ZDFheute live in dem Beitrag "Regierung unter Kanzler Merz im Reality-Check" am 05.05.2026 ab 15:00 Uhr.

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