Haushalt 2027: Mehr Schulden und höhere Ausgaben

Mehr Ausgaben, höhere Schulden:Kabinett beschließt Haushaltsentwurf 2027

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Das Bundeskabinett hat den Haushalt 2027 auf den Weg gebracht. Der beschlossene Entwurf sieht höhere Ausgaben und mehr Schulden vor.

Lars Klingbeil (SPD), Bundesminister der Finanzen, verlässt die Pressekonferenz zur Vorstellung des Planentwurfs für den Bundeshaushalt 2027 im Haus der Bundespressekonferenz.

Für das kommende Jahr plant die Bundesregierung mit einem Haushaltsdefizit von 118,7 Milliarden Euro. Weitere Kredite kommen aus den Sondervermögen für die Bundeswehr und die Infrastruktur.

06.07.2026 | 1:46 min

Das Kabinett hat den Haushaltsentwurf für 2027 beschlossen. Dies teilte die Bundesregierung am Montag in Berlin mit. Das Budget sieht im kommenden Jahr Ausgaben von 555,4 Milliarden Euro und eine Neuverschuldung von 118,7 Milliarden Euro vor - beides mehr als zunächst geplant. Unter anderem die höhere Neuverschuldung sorgte für Kritik.

Verteidigungsausgaben steigen deutlich an

Vor allem die Verteidigungsausgaben sollen massiv steigen. Im Kernhaushalt sind 2027 Ausgaben im Verteidigungsetat von rund 109,7 Milliarden Euro geplant - ein Drittel mehr als im Budget 2026. Ausgaben für Verteidigung und Sicherheit fallen nur bis zu einer Grenze von einem Prozent des Bruttoinlandsprodukts unter die Schuldenbremse. Zur Unterstützung der Ukraine im Krieg gegen Russland sind rund 11,6 Milliarden Euro eingeplant.

Moderatorin im Schaltgespräch mit ZDF-Hauptstadtkorrespondentin Diana Zimmermann

118,7 Milliarden Euro – mit diesem Defizit plant die Bundesregierung für den Haushalt 2027. ZDF-Hauptstadtkorrespondentin Diana Zimmermann ordnet den Finanzentwurf ein.

06.07.2026 | 1:19 min

Vorgesehen ist 2027 eine Nettokreditaufnahme von 118,7 Milliarden Euro - nach geplanten 98 Milliarden 2026. Dazu kommen neue Schulden aus den Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaneutralität sowie für die Bundeswehr. Insgesamt soll die Neuverschuldung 2027 damit bei gut 200 Milliarden Euro liegen und auf 219,5 Milliarden Euro bis 2030 steigen. Mit den Ausgaben aus den Sondervermögen Infrastruktur sollen unter anderem marode Brücken, Straßen und das Bahnnetz saniert werden. Der Bund plant 2027 Investitionen in Höhe von 117,5 Milliarden Euro.

Grafikvideo, das die Entwicklung der Bundeswehr 1990-2021 beschreibt.

Seit der Deutschen Einheit wurden die Soldatenstärke und die Ausrüstung der Bundeswehr stark reduziert. Grafiken zeigen die Entwicklung bis zum Angriffskrieg auf die Ukraine.

11.03.2025 | 1:44 min

Belastung durch geringeres Wirtschaftswachstum

Belastet wird der Haushalt dadurch, dass die Bundesregierung infolge des Iran-Kriegs ihre Wachstumserwartungen senken musste. Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) muss mit niedrigeren Steuereinnahmen rechnen als zuvor angenommen. Neben Einsparungen in Etats ist ein Abbau von Finanzhilfen im Klima- und Transformationsfonds geplant.

Außerdem sollen Bundeszuschüsse an die Rentenversicherung und die gesetzliche Krankenversicherung zurückgefahren werden. Mehr Geld bringen sollen eine neue Plastikabgabe sowie eine höhere Tabak-, Alkohol- und Sektsteuer. Klingbeil muss aber zudem rund 6,8 Milliarden Euro aus einer Rücklage entnehmen.

Eine geöffnete Zigarettenpackung.

Die Koalition will laut Medienberichten die Tabaksteuer stärker anheben als geplant. Bis 2030 soll ein Päckchen Zigaretten fast zwölf Euro kosten. Auch Feinschnitt von Tabak soll teurer werden.

13.07.2026 | 0:23 min

Wirtschaft kritisiert Ausgaben- und Schuldenzuwächse

"Die geplanten Ausgaben- und Schuldenzuwächse im Haushalt sind alarmierend", sagte Tanja Gönner, Hauptgeschäftsführerin des Bundesverbands der Deutschen Industrie. "Trotz massiver Neuverschuldung und hoher Steuereinnahmen gelingt es der Bundesregierung nicht, eine solide Haushaltsplanung vorzulegen." Marie-Christine Ostermann, Präsidentin der Familienunternehmer, sagte:

Statt endlich zu sparen werden Rücklagen geplündert, Steuern erhöht und mit Haushaltstricks nur noch mehr Mittel verschoben.

Marie-Christine Ostermann, Präsidentin der Familienunternehmer

Kürzungen im Klimafonds

Die Bundesregierung plant Kürzungen im Sondertopf Klima- und Transformationsfonds (KTF). Bereits zugesagte Förderungen sollen nicht angetastet werden, wie es aus dem Finanzministerium hieß. Laut Entwurf sollen im kommenden Jahr Einnahmen aus dem Emissionshandel, die bisher in den KTF geflossen sind, teilweise zur Konsolidierung des Haushalts genutzt werden. Es geht um eine Summe von 2,7 Milliarden Euro. Aus dem KTF werden unterschiedliche Förderprogramme finanziert - darunter ist mit Milliardenmitteln die Bundesförderung für effiziente Gebäude.

Kritik kam von Umweltverbänden. "Finanzminister Klingbeil will den Klima- und Transformationsfonds plündern, um die Einkommensteuer von Besserverdienenden zu senken, das ist eine schamlose Zweckentfremdung und ein Skandal für eine Partei, die für Fortschritt und Sozialstaatlichkeit stehen will", sagte Greenpeace-Finanzexperte Mauricio Vargas. Er sprach von einem "Raubzug".

Die Klimaschutzorganisation GermanZero sprach mit Blick auf die Kürzungen im KTF von einer "offenen Kampfansage" an den Klimaschutz. Ingbert Liebing, Hauptgeschäftsführer des Stadtwerkeverbands VKU, kritisierte, der KTF verkomme zum Verschiebebahnhof für mangelnde Einsparbemühungen im Kernhaushalt.

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Quelle: dpa, AFP, Reuters
Über dieses Thema berichtete das ZDF in mehreren Sendungen, zuletzt im gemeinsamen Morgenmagazin von ARD und ZDF am 06.07.2026 ab 05:30 Uhr.

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