Stärkste Armee Europas bis 2039?:So steht die Bundeswehr im Europa-Vergleich da
von Moritz Zajonz
Die Bundeswehr soll Europas stärkste konventionelle Armee werden. Wie realistisch ist das bis zum Jahr 2039? Ein Blick auf die Daten und was Experten dazu sagen.
1955 gründete die Bundesrepublik Deutschland die Bundeswehr. Wie sich die Zahl der Soldaten und Soldatinnen seitdem entwickelt hat.
06.06.2026 | 0:43 minDiesen Samstag ist Tag der Bundeswehr, die deutschen Streitkräfte werben um Nachwuchs. Eine wichtige Aufgabe für das Verteidigungsministerium unter Boris Pistorius (SPD), die kürzlich nochmal an Bedeutung gewann:
Ende April wurde offiziell das Ziel verkündet, dass die Bundeswehr die "stärkste konventionelle Armee Europas" werden soll. Bis zum Jahr 2039 hat sich das Verteidigungsministerium dafür Zeit gegeben. Wie realistisch ist das? Wo steht Deutschland aktuell im europäischen Vergleich?
Truppenstärke der Nato-Staaten
Vergleicht man die Truppenstärke, so steht das einwohnerreiche Deutschland mit mehr als 180.000 aktiven Soldat*innen auf Platz drei der europäischen Nato-Länder, nach der Türkei und Frankreich.
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Rechnet man die Reservist*innen mit ein, kommt neben der Türkei Griechenland auf eine große Truppenstärke. Das liegt an den historischen Spannungen zwischen den beiden Ländern.
Die Ukraine hatte nach Analysen des International Institute for Strategic Studies 2025 etwa 677.000 aktive Soldat*innen. Da das Bundeswehr-Ziel im Nato-Kontext formuliert ist, wird die Ukraine aus diesem Vergleich ausgeklammert.
Ausgaben für Verteidigung
Beim Anteil der Verteidigungsausgaben am Bruttoinlandsprodukt lag Deutschland 2025 im Vergleich der europäischen Nato-Staaten etwa auf Platz elf. Zum Stichtag war der Bundeshaushalt noch nicht verabschiedet, daher liegt keine offizielle Nato-Zahl vor, sondern nur eine Schätzung des Bundesfinanzministeriums.
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Diese sogenannte Nato-Quote lässt sich als Maß für die Wichtigkeit des Themas interpretieren: So viel der wirtschaftlichen Leistung widmet ein Land der Verteidigungsfähigkeit. Viele Staaten an der Ostflanke der Nato investieren deutlich intensiver als Deutschland, allen voran Polen. Nicht zuletzt wegen der Bedrohung durch das nahe Russland.
"Frankreich und Großbritannien haben zwar erfahrenere Armeen, aber deutlich weniger Geld, und geben das zu einem Gutteil für ihre Nuklearwaffen aus", sagt Michael Brzoska, ehemaliger Direktor des Instituts für Friedensforschung und Sicherheitspolitik.
Seit der Deutschen Einheit wurden die Soldatenstärke und die Ausrüstung der Bundeswehr stark reduziert. Grafiken zeigen die Entwicklung bis zum Angriffskrieg auf die Ukraine.
11.03.2025 | 1:44 minKampfpanzer, Flugzeuge und Artillerie
Ausgaben für Verteidigung schlagen sich unter anderem in der Ausrüstung der Streitkräfte nieder. Bei der Anzahl von Kampfpanzern liegt Deutschland im Nato-Europa-Vergleich relativ weit vorn.
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Auch hier zeigen sich die Spannungen zwischen Türkei und Griechenland. Unter den west-europäischen Ländern führt Deutschland die Liste sogar an.
Auch bei Flugzeugen gehört es zur Spitzengruppe.
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Die Artilleriebestände hingegen sind bei der Bundeswehr nicht besonders ausgeprägt im Vergleich mit den europäischen Nato-Partnern.
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Umgang mit technologischen Veränderungen
Jacob Parakilas, Verteidigungs- und Sicherheitsexperte bei der Politikforschungsorganisation RAND Europe, hält das Ziel der Bundesregierung für realistisch.
Deutschland bleibe bis 2039 ausreichend Zeit, um die Bundeswehr zu modernisieren und zumindest in einigen Kategorien, etwa bei Panzerfahrzeugen, zur stärksten konventionellen Armee Europas auszubauen.
Die Politik habe nach der Krim-Annexion 2014 nicht reagiert. Die größte Herausforderung in Deutschland sei jetzt der Personalaufbau der Streitkräfte, so Ex-Nato-General Egon Ramms.
27.05.2026 | 23:02 minEin zentraler Punkt lässt sich mit den Zahlen jedoch nicht beantworten: Wie sorgt Deutschland dafür, dass die Bundeswehr auch für künftige Veränderungen in der Kriegsführung gut aufgestellt ist?
Wenn Sie Milliarden von Euro in Fähigkeiten investieren, deren Beschaffung und Entwicklung größtenteils Jahrzehnte dauert, wie stellen Sie sicher, dass sie nicht schon veraltet sind, sobald sie auf dem Schlachtfeld ankommen?
Jacob Parakilas, Verteidigungs- und Sicherheitsexperte bei RAND Europe
Wie definiert man militärische Stärke?
Auch Brzoska sieht technologische Veränderungen wie Drohnen und künstliche Intelligenz als größte Herausforderung der Bundeswehr.
Dazu kommt laut Parakilas: Militärische Stärke auf dem Papier übersetze sich nicht automatisch in militärische Erfolge. Eine Armee könne beispielsweise "gut ausgerüstet, aber schlecht ausgebildet sein; motiviert, aber ungünstig positioniert".
Über Geld und Ausrüstung zu verfügen, ist eine notwendige, aber keine hinreichende Voraussetzung, um abzuschrecken oder im Ernstfall siegreich zu kämpfen. Sicherzustellen, dass das Militär nicht nur gut finanziert, sondern auch gut konzipiert und strukturiert ist, ist von entscheidender Bedeutung.
Jacob Parakilas
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