Gregor Gysi bei "Lanz":Gysi: Demokratie attraktiver machen
von Felix Rappsilber
Der Wahlausgang in Sachsen-Anhalt sei "Ausdruck der Demokratie" und "schwarzer Tag" zugleich, sagt Gregor Gysi (Linke) bei "Lanz". Ein Tag, aus dem er Lehren ziehen möchte.
Über den schwierigen Weg zur Regierungsbildung in Sachsen-Anhalt, den Wandel der Parteiendemokratie sowie die immer noch bestehenden Unterschiede und Probleme zwischen Deutschland Ost und West.
10.09.2026 | 46:28 min"Wir müssen uns darüber im Klaren sein, dass von außen durch Trump, von innen durch die AfD Freiheit, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit bekämpft werden." Nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt hat Gregor Gysi am Mittwochabend bei "Markus Lanz" zur Rettung der Demokratie in Deutschland aufgerufen. Er sagte:
Die Vertreterinnen von Kunst und Kultur, von Wissenschaft und Forschung, von Medien, auch Gewerkschaften, Kirchen, Unternehmerverbände und Politik - wir müssen uns Gedanken machen, welche künftige Struktur wir für unsere Gesellschaft eigentlich haben wollen.
Gregor Gysi, Die Linke
Gysi: AfD widerlegen statt beschimpfen
Diejenigen, die Freiheit, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit retten wollten, müssten in der Lage sein, sich zu organisieren. "Sind sie aber zurzeit nicht", so der Linken-Politiker, "das ist die große Schwäche". So lege die AfD "auch wegen des Frusts über die etablierte Politik" ständig zu. Gysi forderte:
Wenn wir die Entwicklung stoppen wollen, müssen wir die AfD inhaltlich widerlegen, nicht nur beschimpfen. Das reicht nicht aus.
Gregor Gysi, Die Linke
Die Gesellschaft könne entscheiden, ob "wir Trump und die AfD sozusagen alleine entscheiden lassen, was aus uns wird, oder ob wir etwas entgegenstellen". Wenn man Freiheit, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit "retten" wolle, müsse man sie nicht einfach "belassen, wie sie sind", sondern "attraktiver" machen:
Wir müssen über Volksentscheide nachdenken, über vieles andere. Wenn wir das nicht machen, wenn wir da nichts leisten, dann (...) wird die Generation danach dafür die Strafe bezahlen.
Gregor Gysi, Die Linke
Auch in der Generaldebatte im Bundestag stand der Wahlsieg der AfD in Sachsen-Anhalt im Mittelpunkt.
09.09.2026 | 2:36 minBlome: AfD-Wähler besser als Nichtwähler
Nikolaus Blome, Politik-Ressortleiter von RTL Deutschland, entgegnete: "Was immer man von der AfD hält, (...) muss man trotzdem sagen: Ein AfD-Wähler ist besser als ein Nichtwähler."
So habe die AfD in einer Form Nichtwähler mobilisiert, "wie es ganz lange nicht geschehen ist". Blome betonte, die AfD wegen ihres Programms "nicht toll" zu finden, aber:
Leute an die Urne zu holen, die mit diesem Betrieb namens Landespolitik eigentlich nichts mehr zu tun hatten, das ist eine Leistung für sich.
Nikolaus Blome, Journalist
Der Wahlausgang in Sachsen-Anhalt sei "Ausdruck der Demokratie" und ein "schwarzer Tag" zugleich, erwiderte Gysi. Er hoffe darauf, dass dieser Tag "uns allen klarmacht, was unsere künftigen Aufgaben sind, dass wir klüger werden".
Nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt ist eine Regierungsbildung schwierig. Viele Menschen haben nach dem Wahlausgang positive Erwartungen - andere blicken mit Unsicherheit in die Zukunft.
09.09.2026 | 1:52 minGysi: AfD stilisiert sich als "Kraft von unten"
Gysi betonte: "Die AfD erreicht all die Leute, die frustriert sind über die etablierte Politik, und das reicht leider (...) von der CSU bis zur Linken."
Politiker würden häufig den Fehler machen, "nicht ehrlich" zu sein, sodass die Frustration der Wähler bestätigt werde. Beispielsweise habe Friedrich Merz (CDU) noch im Wahlkampf die Einhaltung der Schuldenbremse betont und wenig später das Gegenteil gemacht. Gysi erklärte:
Was sagen die Leute danach? (...) 'Siehste, wir sind wieder belogen worden.'
Gregor Gysi, Die Linke
Und weiter: "Da die AfD sich aufbaut als die Kraft von unten gegen 'die da oben', bekommt sie eine Anziehungskraft."
Nach der Wahl in Sachsen-Anhalt ist eine Sache sicher: Bis zum 6. Oktober müssen die Abgeordneten des Landtags zusammenkommen. Wie es danach allerdings weitergeht, ist noch offen, berichtet ZDF-Reporterin Luisa Houben.
08.09.2026 | 1:03 minBlome: AfD war immer da
Nikolaus Blome stimmte zu: "Das Spiel wurde von unten gewonnen und Sie können es auch nur von unten wieder zurückgewinnen, wenn Sie vor Ort sind." Der Journalist berichtete, dass die AfD im Vorfeld der Landtagswahl "immer da" gewesen sei:
Die AfD ist immer auf dem Marktplatz, hatte immer einen Stand, derweil die anderen noch aufbauten.
Nikolaus Blome, Journalist
Die Linke hat in Sachsen-Anhalt etwa 12.000 Wähler an die AfD verloren. Gysi äußerte sich selbstkritisch: "Wir kommen in den Städten viel besser an als auf dem Lande."
Dort wiederum gewinne die AfD "unheimlich". Gysi appellierte an seine eigene Partei: "Wir müssen auch Politik für die Dörfer (...), für die Landbevölkerung machen."
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