AfD will Ehe für alle wieder abschaffen

Nächste Wahlperiode:Will die AfD die Ehe für alle abschaffen?

Dominik Rzepka

von Dominik Rzepka

|

Bereits 2018 wollte die AfD die Ehe für alle abschaffen, scheiterte aber im Bundestag. Nach der Wahl könnte die Partei einen neuen Anlauf starten. Der Queerbeauftragte ist empört.

Ein Mann hält bei der Eheschließung einen Blumenstrauß. Archiv

Der Parlamentarische Geschäftsführer der AfD, Stephan Brandner, hält die Ehe für alle nach wie vor für grundgesetzwidrig.

Quelle: picture alliance / Sven Hoppe/dpa

Es ist jetzt rund sechs Jahre her - im Oktober 2018 bringt die AfD einen Antrag in den Bundestag gegen die Ehe für alle ein. "Das Gesetz zur Einführung des Rechts auf Eheschließung für Personen gleichen Geschlechts wird aufgehoben", heißt es in dem Antrag.

Die AfD ist seinerzeit drittstärkste Kraft im Parlament, erreicht bei der Wahl im Jahr zuvor 12,6 Prozent. Der Antrag bekommt keine Mehrheit. Die Ehe für alle, beschlossen im Jahr 2017, bleibt.

Angela Merkel nach Abstimmung zur Ehe für alle im Bundestag

Aus dem Archiv: Mit einer historischen Entscheidung hat der Bundestag im Jahr 2017 der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare zugestimmt.

30.06.2017 | 1:49 min

Warum die AfD die Ehe für alle ablehnt

Doch nach der Bundestagswahl am 23. Februar könnte die Partei einen neuen Versuch starten, die Ehe für alle wieder abzuschaffen. Der Antrag sei sowohl in der vergangenen sowie der noch laufenden Wahlperiode Beschlusslage seiner Fraktion, sagt der Parlamentarische Geschäftsführer der AfD, Stephan Brandner, ZDFheute.

Ob das auch die nächste Fraktion so sehe, könne er zwar noch nicht absehen, aber:

Ich bin nach wie vor der Meinung, dass die jetzige Gesetzeslage gegen Artikel 6 im Grundgesetz verstößt.

Stephan Brandner, Parlamentarischer Geschäftsführer der AfD-Fraktion

In Artikel 6 des Grundgesetzes heißt es, dass Ehe und Familie unter dem besonderen Schutze der staatlichen Ordnung stehen. Die AfD werde den bisherigen Antrag zur Abschaffung der Ehe für alle nach der Wahl gegebenenfalls noch einmal in den Bundestag einbringen, sollte die künftige Fraktion dem zustimmen, lässt Brandner durch einen Sprecher ausrichten.

Queerbeauftragter der Bundesregierung greift AfD an

Scharfe Kritik daran kommt vom Queerbeauftragten der Bundesregierung, Sven Lehmann von den Grünen. Er sagt ZDFheute:

Der Vorstoß zeigt, dass man sich von einer Alice Weidel nicht blenden lassen darf und die AfD gegen die Gleichstellung von Lesben und Schwulen ist.

Sven Lehmann, Queerbeauftragter der Bundesregierung

Die Ehe für alle sei ein Meilenstein in der Geschichte der Menschenrechte. Seit 2017 seien Tausende gleichgeschlechtliche Ehen geschlossen worden. "Mit diesem Vorstoß sollen diese Paare wieder entrechtet werden", so Lehmann. Für ihn sei die mögliche Absicht der AfD, die Ehe für alle im Bundestag wieder abschaffen zu wollen, allerdings nicht überraschend.

Die AfD hat auf ihrem Parteitag Familie gerade als Einheit von Vater, Mutter und Kind definiert. Außerdem spricht sich das AfD-Wahlprogramm gegen einen sogenannten "Trans-Gender-Hype" oder eine "Frühsexualisierung" aus.

Union würde AfD-Antrag nicht zustimmen

Sollte die AfD nach der Wahl erneut die Abschaffung der Ehe für alle beantragen, würde die Union dagegen stimmen. "Der Bundestag hat die Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare beschlossen und dabei bleibt es", sagt Günter Krings, rechtspolitischer Sprecher der Union.

Anders als die AfD akzeptieren wir eine demokratische Entscheidung für ein Rechtsinstitut, das viele Menschen inzwischen zur Grundlage ihrer Lebensplanung gemacht haben.

Günter Krings, CDU

Die FDP nennt eine mögliche Abschaffung der Ehe für alle "eine klare Kampfansage an alle homosexuellen Menschen in Deutschland". Die AfD zeige einmal mehr ihre "Ignoranz gegenüber gesellschaftlichen Realitäten und ihre Politik des ewig Gestrigen", sagt der queerpolitische Sprecher der FDP, Jürgen Lenders.

Wer als homosexuelle Frau oder homosexueller Mann jetzt noch AfD wählen kann, ist mir unbegreiflich.

Jürgen Lenders, FDP

Warum Marcel, schwul, trotzdem AfD wählt

ZDFheute hatte vor einer Woche zwei schwule Männer interviewt, die AfD wählen, obwohl sie eine gleichgeschlechtliche Ehe führen. Das Interview hat bei vielen Usern zu Kritik geführt. "Auch viele unserer schwulen Freunde wählen AfD", hatte Marcel gesagt, einer der Interviewten.

Auf die Äußerungen Brandners angesprochen sagt Marcel, er glaube nicht, dass die AfD die Ehe für alle wirklich abschaffen werde. "Wenn die AfD in Regierungsverantwortung ist, wird sie sich auf die Probleme konzentrieren, die unser Land wirklich bewegen, wie zum Beispiel Wirtschaft und bezahlbare Energie."

Vor der Bundestagswahl
:"Viele unserer schwulen Freunde wählen AfD"

Marcel und David sind jung, schwul und AfD-Wähler. Die Position der AfD zur Ehe für alle finden sie nicht so wichtig. Ihre Wahlentscheidung begründen sie vor allem mit einem Thema.
mit Video5:05
Ein Teilnehmer trägt beim Landesparteitag der AfD Mecklenburg-Vorpommern im Kur- und Landhotel Borstel-Treff ein T-Shirt mit dem Logo der Partei, aufgenommen am 24.02.2024
Interview

Nachrichten zur Bundestagswahl

  1. Politbarometer Grafik

    Nachrichten | heute - in Deutschland:Keine Mehrheit für Union und SPD

    von Udo Harnach
    Video1:49

  2. Hybride Bedrohungen und Cyberangriffe

    Cyberangriffe und Desinformation:Bundesregierung beschuldigt Russland

    Video0:27

  3. Friedrich Merz, Markus Söder und Lars Klingbeil

    Union und SPD vor Koalitionsausschuss:Worum Schwarz-Rot vor Weihnachten noch ringt

    mit Video2:28

  4. Amira Mohamed Ali (l) und Fabio de Masi (r) freuen sich über ihr Wahlergebnis auf dem 3. Bundesparteitag vom Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW).

    Parteitag beschließt Namensänderung:De Masi und Mohamed Ali bilden neue BSW-Spitze

    mit Video1:39

  5. Sahra Wagenknecht, Vorsitzende des BSW, spricht auf dem 3. Bundesparteitag der Partei «Bündnis Sahra Wagenknecht» zu den Delegierten.

    Nachrichten | heute:BSW trifft sich zum Bundesparteitag

    von Andrea Maurer
    Video1:39

  6. Sahra Wagenknecht (M, BSW Bündnis Sahra Wagenknecht), Bundesvorsitzende, nimmt zwischen Fabio De Masi (l) und Amira Mohamad Ali, BSW Bundesvorsitzende, an einer Pressekonferenz zur Neuaufstellung des BSW teil.

    Einspruch des BSW gescheitert:Ausschuss: Bundestagswahl muss nicht neu ausgezählt werden

    mit Video0:29

  7. Sahra Wagenknecht zwischen Fabio De Masi und Amira Mohamad Ali

  8. Gruppe an Leuten mit ihren Smartphones
    Grafiken

    Schlagzeilen, Promis und mehr:Google-Suche 2025: Was besonders im Trend lag

    von Lukas Wagner
    mit Video2:31