Generaldebatte: Merz wirbt für "neuen Konsens der Generationen"

Generaldebatte im Parlament:"Nichts übers Knie brechen" - Kanzler wirbt für Geduld

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Die Erwartungen ans Reformtempo seien teils größer als die Erfüllbarkeit: Kanzler Merz wirbt im Bundestag um Geduld. Scharfe Kritik kommt von der Opposition.

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) schaut zu Alice Weidel, Fraktions- und Bundesvorsitzende der AfD, während sie in der Generaldebatte im Bundestag zum Haushalt spricht.

Kanzler Merz sieht die Regierung auf dem richtigen Weg. Bei der Generaldebatte im Bundestag kamen scharfe Attacken aus der Opposition - von der AfD, aber auch von den Grünen.

26.11.2025 | 1:54 min

Die Bundesregierung werde "den Weg der Erneuerung unseres Landes" weitergehen: Vor dem Hintergrund wachsender Kritik an seiner Regierung wirbt Bundeskanzler Friedrich Merz um Geduld. Die "Reformerwartungen" seien "zum Teil größer, als wir sie im Augenblick erfüllen", räumte der CDU-Chef in der Generaldebatte im Bundestag ein. Angesichts der Größe der Aufgaben wolle seine Regierung aber "nichts übers Knie brechen".

"Ich höre immer wieder, dass gesagt wird: Diese Regierung müsste sich doch nur irgendwo mal einen Ruck geben - zwei, drei große Vorhaben -, und schon wären die Probleme verflogen in unserem Land", sagte Merz. Die "ehrliche Antwort" auf solche Erwartungen laute aber:

Unser Land ist ein hochkomplexes Land, und hochkomplexe Sachverhalte erfordern komplexe Antworten und nicht unterkomplexe Redensarten.

Friedrich Merz, Bundeskanzler

Friedrich Merz bei der Generaldebatte im Bundestag in Berlin, aufgenommen am 26.11.2025

Kanzler Merz kündigt bei der Generaldebatte im Bundestag schnelle Sozialreformen an. Einen Lösungsvorschlag im Rentenstreit macht er nicht, wirbt aber für einen "Konsens der Generationen".

26.11.2025 | 27:42 min

Merz begann seine Rede mit einer Aufzählung der bisherigen Beschlüsse der schwarz-roten Koalition: Senkung der Energiekosten, steuerliche Entlastung von Unternehmen, Rückbau der Bürokratie, Fortschritte bei der Digitalisierung. Der Kanzler betonte aber auch: Man stehe "erst am Anfang der Reformen, die unser Land so dringend benötigt".

Miersch verweist auf Rentenkommission

Vor allem wegen des Streits um das Rentenpaket war Merz in den vergangenen Tagen massiv unter Druck geraten. Die sogenannte Junge Gruppe in Unionsfraktion verweigert ihm wegen befürchteter Milliardenkosten die Gefolgschaft und bringt eine eigene Koalitionsmehrheit in Gefahr. Merz warb mit Blick auf die Rente im Bundestag für einen "neuen Konsens der Generationen".

So viel gibt der Bund für die Rente aus

ZDFheute Infografik

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SPD-Fraktionschef Matthias Miersch verwies auf die künftige Rentenkommission, welche "die großen Linien klären soll". Er betonte: Für uns ist das kein Arbeitskreis, den wir gründen, weil wir nicht weiter wissen. Er wende sich mit seinen Äußerungen ausdrücklich an die Abgeordneten im Haus, "die jünger sind", so Miersch.

Generaldebatte im Bundestag - Matthias Miersch, aufgenommen am 26.11.2025

SPD-Fraktionschef Miersch äußert sich im Bundestag zuversichtlich, dass im Rentenstreit eine Lösung gefunden werde. Mit Empathie könne man "in dieser Großen Koalition Großes bewirken", sagt er.

26.11.2025 | 10:55 min

Außenpolitisch beschwor Kanzler Merz den Zusammenhalt der Europäer im Ringen um einen Friedensplan für die Ukraine. "Europa ist kein Spielball", sagte er. Der Ukraine versicherte er die Solidarität im weiteren Verhandlungsprozess. "Wir werden in der Unterstützung der Ukraine nicht nachlassen." Er bekräftigte seine Bemühungen, dafür auch das in der EU eingefrorene russische Vermögen zu nutzen.

Weidel vergleicht Koalition mit "Titanic"

Vor der Kanzler-Rede hatte AfD-Fraktionschefin Alice Weidel das Agieren der Bundesregierung als "Narrentheater" bezeichnet, das sich Deutschland nicht mehr leisten könne. "Diese Koalition im Endstadium erinnert immer mehr an die Brücke der Titanic." Die Debatte über ein AfD-Verbotsverfahren bezeichnete sie als "primitives Antifa-Geschrei", "stumpfsinnig" und "demokratiefeindlich".

Weidel präsentierte auch einen Zwölf-Punkte-Plan als "Sofortprogramm für Deutschland". Unter anderem solle Deutschland Erdgas und Öl wieder in Russland kaufen. Dort sei es am günstigsten, weshalb der Kauf im "nationalen Interesse" liege. Weidel bot der Union erneut eine Zusammenarbeit mit der AfD an. Es gebe im Bundestag eine Mehrheit für eine "Mitte-Rechts-Politik".

Generaldebatte im Bundestag am 26.11.2025 - Alice Weidel

AfD-Fraktionschefin Weidel bezeichnet die Bundesregierung als Koalition "im Endstadium". Sie stellt einen Zwölf-Punkte-Plan vor, der unter anderem die Rückkehr zu russischem Gas und Öl vorsieht.

26.11.2025 | 20:03 min

Linke: "Haushalt der Hoffnungslosigkeit"

Die Linke indes warf der Koalition im Bundestag eine "massive Umverteilung von unten nach oben" vor. Fraktionschef Sören Pellmann sprach von einem "Haushalt der Hoffnungslosigkeit". Der Budgetentwurf für 2026 enthalte "sagenhaft viel Geld für Panzer und Jagdflugzeuge, aber eben wenig - und wir sagen: zu wenig - Geld für Familien, deren Kinder zukünftig wieder an genau diesem Kriegsgerät ausgebildet werden sollen".

Generaldebatte im Bundestag - Sören Pellmann, aufgenommen am 26.11.2025

Linken-Fraktionschef Pellmann kritisiert die Prioritätensetzung der Regierung bei der Ausgabenplanung. In Aufrüstung statt Infrastruktur zu investieren, erzeuge "Hoffnungslosigkeit".

26.11.2025 | 9:20 min

Grünen-Fraktionschefin Britta Haßelmann warf den Regierungsfraktionen vor, jeden Tag Erwartungen zu wecken und Dinge anzukündigen, "die sie am übernächsten Tag wieder einsammeln". Das schwindende Vertrauen in die Regierung habe auch mit dem "Chaos in dieser Regierung" und der "Führungslosigkeit der Fraktionen" zu tun. Vor allem von der Unionsfraktion gehe "null Stabilität aus". Auch warf die Grünen-Politikerin der Koalition vor, das Milliarden-Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaschutz nicht in ausreichendem Maße für zusätzliche Investitionen zu nutzen.

Britta Haßelmann bei der Generaldebatte im Bundestag am 26.11.2025 in Berlin

Grünen-Fraktionschefin Haßelmann wirft der Regierung Chaos und Unberechenbarkeit vor. Sie wecke jeden Tag Erwartungen und kündige Dinge an, "die sie am übernächsten Tag wieder einsammeln" müsse.

26.11.2025 | 16:02 min

Was steht im Haushaltsentwurf 2026?

Die abschließenden Bundestagsberatungen über den Haushalt 2026 erreichen mit der Generaldebatte über den Kanzleretat ihren Höhepunkt. Neben den Ausgaben für die einzelnen Ministerien - siehe Grafik - sieht die schwarz-rote Koalition auch Ausgaben zur Förderung des Wirtschaftswachstums vor. Der Preis dafür: eine weitere Neuverschuldung um acht Milliarden auf dann 98 Milliarden Euro.

Haushaltsentwurf 2026 nach Ministerien

ZDFheute Infografik

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Quelle: AFP, dpa, Reuters, ZDF

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