Vor Spitzentreffen: Schwarz-Rot bei Reformen auf der Ziellinie?

Vor Spitzentreffen im Kanzleramt:Schwarz-Rot bei Reformen auf der Ziellinie?

von Stefanie Reulmann

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Am Sonntag trifft sich die Spitze der Koalition im Kanzleramt. Im Mittelpunkt steht die geplante Steuerreform, die am 1. Januar 2027 in Kraft treten soll. Die Zeit drängt.

Markus Söder, Ministerpräsident von Bayern, Bärbel Bas, Bundesministerin für Arbeit und Soziales, Bundeskanzler Friedrich Merz und Lars Klingbeil, Bundesminister der Finanzen.

Das aktuelle Politbarometer zeigt auch, wie die Arbeit der Bundesregierung bewertet wird.

Quelle: dpa / Kay Nietfeld

Nächsten Mittwoch will die Bundesregierung im Koalitionsausschuss die großen Reformprojekte grundsätzlich beraten: Steuern, Rente, Krankenversicherung und Pflege. Bis zur Sommerpause Mitte Juli soll dann das große Reformpaket geschnürt worden sein. Es soll auch Arbeitsmarktreformen und Bürokratieabbau enthalten.

Abstimmung der Eckpunkte im kleinen Kreis

Um sich vorab auf Eckpunkte zu verständigen, treffen sich die Spitzen der Koalition am Sonntag im Kanzleramt – im ganz kleinen Kreis. Nur Bundeskanzler und CDU-Chef Friedrich Merz, CSU-Chef Markus Söder und die beiden Parteivorsitzenden der SPD, Bärbel Bas und Lars Klingbeil, nehmen teil. Denn noch gibt es viele Unstimmigkeiten.

Im Koalitionsvertrag haben sich CDU/CSU und SPD darauf geeinigt, "die Einkommensteuer für kleine und mittlere Einkommen zur Mitte der Legislatur" zu senken. Einig scheinen sich die Koalitionspartner deshalb darin zu sein, dass man den Spitzensteuersatz von 42 Prozent statt bei knapp 70.000 Euro erst bei einem höheren Einkommen, etwa bei 100.000 Euro, beginnen lässt.

SPD-Generalsekretär Tim Klüssendorf im Berlin-direkt-Studio

SPD-Generalsekretär Tim Klüssendorf äußert sich im ZDF zu den Knackpunkten der geplanten Einkommensteuerreform der schwarz-roten Koalition.

10.05.2026 | 5:30 min

Ringen um Gegenfinanzierung der Steuerpläne

Doch offen ist die Gegenfinanzierung. Im Gegensatz zur Union will die SPD die Steuerreform aus Steuern gegenfinanzieren und höhere Einkommen stärker belasten. Eine Erhöhung des Spitzensteuersatzes, eine höhere Erbschaftsteuer oder eine Erhöhung der sogenannten Reichensteuer wären für sie denkbar.

Aktuell greift die Reichensteuer ab einem Einkommen von rund 278.000 Euro und liegt bei 45 Prozent. Eine Anhebung könnte entweder einen höheren Steuersatz bedeuten oder eine Herabsetzung der Einkommensgrenze.

Alexander Hoffmann, CSU-Landesgruppenchef

CSU-Landesgruppenchef Alexander Hoffmann in der ZDF-Sendung "Berlin direkt" über anstehende Reformen und mögliche Einsparpotenziale.

07.06.2026 | 5:08 min

Keine Steuererhöhungen – so lautet bislang das Credo der Union. Doch angesichts der Lücken im Haushalt haben in den vergangenen Wochen bereits mehrere Unionspolitiker Entgegenkommen bei der Reichensteuer signalisiert. An der Stelle hätte sich dann die SPD durchgesetzt. Eine Erhöhung der Erbschaftsteuer lehnt die Union aber ab.

Union will Subventionen kürzen

Für CDU/CSU muss die Steuerreform nicht aufkommensneutral sein. Sie will möglichst viele Steuerzahler entlasten, auch um die Konjunktur anzukurbeln.

Berlin direkt mit Diana Zimmermann
Quelle: ZDF

Mehr zum Thema Reformen gibt es am Sonntag ab 19:10 Uhr bei Berlin direkt - dazu live im Gespräch: Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies (SPD). Moderiert wird die Sendung von Diana Zimmermann.


Im Gegensatz zur SPD kann sich die Union auch eine Finanzierung der Steuerreform außerhalb des Steuersystems vorstellen. Unionsfraktionschef Jens Spahn hatte jüngst eine Kürzung der Subventionen nach der Rasenmäher-Methode um pauschal fünf Prozent vorgeschlagen. Ob das gerecht ist und alle gesellschaftlichen Gruppen gleichermaßen treffe, ist aber umstritten.

Länder fordern Kompensation von Steuerausfällen

Gegenwind dürfte aus den Ländern kommen, die den Steuerplänen im Bundesrat zustimmen müssen. Die Einnahmen aus der Einkommensteuer gehen knapp zur Hälfte an die Länder. Käme es zu Steuerausfällen, erwarten die Länder eine Kompensation durch den Bund. Doch dafür fehlt das Geld.

Andreas Bovenschulte  SPD | Bundesratspräsident

"Wir müssen die Wirtschaft in Gang bringen", sagt Bundesratspräsident Andreas Bovenschulte (SPD). "Entscheidend ist, dass jetzt die Steuerreform kommt."

12.06.2026 | 7:33 min

Die Bundesregierung steht unter Druck, muss liefern. Im Herbst wird in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin gewählt. Die Umfragewerte für die Regierungsparteien sind im Keller. Schwarz-Rot muss Ergebnisse vorlegen und zeigen, dass die Koalition in Berlin handlungsfähig ist.

Rentenkommission hat Ergebnisse vorgelegt

Mitte der Woche sah es fast danach aus. Nachdem die Rentenkommission ihre Empfehlungen für eine Reform vorgelegt hat, haben Kanzler Merz und Arbeitsministerin Bas angekündigt, das Paket komplett umsetzen zu wollen. Ein Aufschnüren und Rosinenpicken sollte so verhindert werden. Doch trotzdem regt sich Widerstand in den eigenen Reihen.

Seniorin hält Geld in Händen

Die Kommission plant Aus der Rente mit 63, sowie einen am Kapitalmarkt angelegten Zusatzbetrag, um das Rentenniveau langfristig zu sichern. Das Echo bei Arbeitnehmern ist geteilt.

23.06.2026 | 2:15 min

Bayerns Ministerpräsident Söder (CSU) kritisiert die weitgehende Abschaffung von Minijobs. Das gefährde ganze "Branchen wie Gastronomie und Einzelhandel", sagt er dem ZDF.

Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD), die im Herbst Wahlen hat, kritisiert, dass es bei der Rente nach Lebenserwartung, nicht nach Arbeitsjahren gehen soll. Im ZDF sagt sie:

Ich finde es gerechter, dass es danach gehen muss, wieviel jemand gearbeitet und eingezahlt hat, also nach Beitragsjahren.

Manuela Schwesig, SPD, Ministerpräsidentin Schleswig-Holstein

Einigung der Koalition - noch nicht in Sicht

Ob bei der Rente oder der Steuerreform: Schwarz-Rot läuft Gefahr, sich am Ende der Reformdiskussionen wieder im Klein-Klein zu verlieren.

Stefanie Reulmann ist Redakteurin im ZDF-Hauptstadtstudio.

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Über dieses Thema berichtete das ZDF unter anderem in der Sendung "heute im Parlament" am 24.06.2026 ab 14:00 Uhr.