Gespräche mit Grünen und SPD:Linke in Berlin entscheidet über Koalitionsverhandlungen
Die Berliner Linke entscheidet beim Parteitag am Samstag über die Aufnahme von Koalitionsgesprächen mit Grünen und SPD. Es wird Zustimmung erwartet - und Protest am Tagungsort.
Elif Eralp möchte Regierende Bürgermeisterin von Berlin werden. Ihre Partei die Linke stimmt heute ab, ob Koalitionsgespräche mit Grünen und SPD aufgenommen werden sollen. (Archivbild)
Quelle: Sebastian Gollnow / dpaSechs Wochen nach der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus entscheidet die Berliner Linke am Samstag über den Start von Koalitionsverhandlungen mit Grünen und SPD. Auf einem Parteitag in Lichtenberg wird eine klare Mehrheit dafür erwartet. Die anderen beiden Parteien hatten bereits in der Vorwoche zugestimmt. Passiert das auch bei der Linken, sollen die Dreier-Koalitionsgespräche am Montag beginnen.
Allerdings gibt es bei der Linken auch kritische Stimmen, die sich womöglich auf dem Parteitag bemerkbar machen. So lehnt die Linksjugend Solid ein rot-grün-rotes Bündnis ab und plädiert stattdessen für eine "starke sozialistische Opposition" im Landesparlament und auf der Straße. Angekündigt ist auf Social-Media-Kanälen zudem eine Kundgebung vor dem Tagungsort - gegen "Wähler:innenverrat" und für "konsequente Palästinasolidarität und Vergesellschaftung".
Das Wähler-Votum sei das, was die Richtung vorgebe, sagt Joachim Gauck bei "maybrit illner". Die Berliner hätten die Linke zur stärksten Kraft gemacht, daher sollten sie regieren.
30.10.2026 | 1:44 minElif Eralp könnte Regierende Bürgermeisterin in Berlin werden
Bei der Berlin-Wahl am 20. September war die Linke mit 25,7 Prozent stärkste Kraft geworden. Es folgen die CDU (18,8 Prozent), die AfD (16,3 Prozent), die Grünen (14,3 Prozent) und die SPD (12,1 Prozent). Die bisher regierende CDU/SPD-Koalition hat ihre Mehrheit verloren. Gelingt die Bildung einer rot-grün-roten Koalition, könnte Linke-Fraktionschefin Elif Eralp erste Regierende Bürgermeisterin ihrer Partei in Berlin werden.
Basis für die angestrebten Koalitionsverhandlungen ist ein vor zwei Wochen vorgelegtes Sondierungspapier der drei Parteien. Es enthält schon eine ganze Reihe konkreter Pläne. Bundesweit am umstrittensten dürfte das Vorhaben sein, etwa 160.000 Wohnungen aus dem Besitz von fünf Konzernen zu vergesellschaften. Eine solche Überführung in Gemeineigentum gegen Entschädigung, die im Grundgesetz vorgesehen ist, wäre in Deutschland bislang einmalig.
Dobrindt will per Gesetz die Vergesellschaftung großer Wohnungsbestände erschweren. Ob der Vorstoß des Innenministers rechtlich durchsetzbar wäre, erklärt Experte Timo Laven bei ZDFheute live.
26.10.2026 | 8:41 minAntisemitismusdebatte belastet Gespräche
Der gesamte Prozess der Regierungsbildung wurde durch eine Debatte um ein konsequentes Vorgehen gegen Antisemitismus erschwert. Auslöser waren mehrere Vorfälle in den Reihen der Linken. Eine gemeinsame Erklärung über Antisemitismus, das Existenzrecht Israels und den Schutz jüdischen Lebens, auf die sich die drei Parteien noch vor Beginn der Sondierungen verständigten, soll in den angestrebten Koalitionsvertrag aufgenommen werden. Angedacht sind bei Verstößen gegen die vereinbarten Grundsätze Sanktionen bis hin zum Fraktionsausschluss.
Ob ein solches Szenario bei der wegen ihrer Positionen zum Nahost-Konflikt umstrittenen Linken-Abgeordneten Vanessa Emde zum Tragen kommt, ist noch offen. Die Fraktionsspitze um Eralp sieht keine gemeinsame Arbeitsgrundlage mehr mit ihr. Partei- und Fraktionsgremien wollen weiter über den Fall beraten, der die Koalitionsgespräche belasten könnte.
In mehreren Städten feiern Linke Erfolge - teils mit radikalen Vorschlägen. Warum ist das so und ist das nachhaltig? Mirko Drotschmann erklärt.
29.10.2026 | 12:27 minNach "Spiegel"-Bericht: Eralp erhält bei Parteitag Polizeischutz
Am Donnerstag sorgte ein "Spiegel"-Bericht für neuen Wirbel, wonach Eralp die Sicherheit ihrer Familie in Gefahr sieht, wenn sie sich explizit zu einem bekannten Palästina-Aktivisten äußert. Mit Blick darauf in Verbindung mit den angekündigten Protesten beim Parteitag erhält Eralp am Samstag Polizeischutz, wie es aus Sicherheitskreisen hieß.
Die "Spiegel"-Veröffentlichung interner Notizen der Linken Elif Eralp sorgt für weitere Unruhen rund um die Koalitionsgespräche in Berlin. ZDFheute live ordnet die Folgen des Leaks ein.
30.10.2026 | 21:04 minLaut "Spiegel" geht Eralps Befürchtung aus internen Anmerkungen zu einem Interview hervor, das das Magazin mit ihr geführt hat. Der Interviewtext wurde demnach von Eralps Büro versehentlich samt interner Kommentare an das Magazin zurückgeschickt. In der CDU und auch in den Reihen des potenziellen Bündnispartners SPD wurde Eralps Angst als Erpressbarkeit interpretiert und vor einer Beteiligung an einer Koalition unter Führung der Linken gewarnt.
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