Antisemitismus vorgeworfen:Berlin: Linken-Politikerin Emde droht der Rauswurf
Vanessa Emde (Linke) sorgt in Berlin für Unruhe, wegen ihrer israelkritischen Positionen. Den möglichen Regierungspartnern SPD und Grünen ist sie ein Dorn im Auge. Muss sie gehen?
Nach Kritik an der Abgeordneten Vanessa Emde distanziert sich die Berliner Linke von ihr - sie kooperiere nicht mit der Partei. Emde hatte online umstrittene Äußerungen zu Israel geteilt.
16.10.2026 | 4:19 minWährend Linke, Grüne und SPD weiter an einem möglichen Regierungsbündnis für Berlin arbeiten, geht es für die Linke-Abgeordnete Vanessa Emde heute darum, ob sie Teil dieses Bündnisses sein darf oder nicht. Ihr Fraktionsvorstand berät über den weiteren Umgang mit ihr. Grund sind Emdes Positionen zu Israel und zum Nahost-Konflikt bzw. zum Thema Antisemitismus.
Emde hatte durch ihre israelkritischen Positionen mehrfach Diskussionen ausgelöst. Sie ist zu der Beratung eingeladen - ihr könnte der Rauswurf aus der Linke-Fraktion im Abgeordnetenhaus drohen. Ihr Mandat würde sie dennoch behalten.
Wahl in Berlin: Emde setzte auf Solidarität mit Palästinensern
Die frisch gewählte Abgeordnete aus Neukölln hatte im Wahlkampf stark auf das Thema Solidarität mit Palästinenserinnen und Palästinensern gesetzt. Im Wahlkampf sprach sie etwa einem Rapper, der israelischen Soldaten bei einer Linken-Veranstaltung den Tod wünschte, ihre "volle Solidarität" aus.
Sie hatte auch die These vertreten, dass es kein Existenzrecht für Staaten gebe, sondern nur für Menschen. Am vergangenen Donnerstag wiederholte sie das in einem Instagram-Video ausdrücklich.
Ich stehe zu meinen Aussagen, und ich nehme keine einzige dieser Aussagen zurück.
Vanessa Emde (Linke)
Emde kritisierte auch eine Erklärung zum Antisemitismus, die sie wie alle Linke-Fraktionsmitglieder noch zwei Tage zuvor unterschrieben hatte. Darin bekennen sich die Unterzeichner unter anderem zum Existenzrecht Israels. Nach Emdes Kritik erklärte die Fraktionsspitze, sie sehe keine Grundlage mehr für eine Zusammenarbeit mit ihr.
Der Überfall der Hamas hat das Leben vieler Menschen in Israel verändert. Was hat sich für Jüdinnen und Juden in Deutschland verändert?
07.10.2026 | 2:48 minGrüne und SPD für Koalitionsverhandlungen
Emde wurde am 20. September bei der Wahl in Berlin mit 46,2 Prozent der Stimmen direkt ins Berliner Parlament gewählt. SPD und Grüne forderten, dass Emde nicht Teil der Linksfraktion in Berlin sein dürfe - dennoch wurde sie aufgenommen. Das bezeichnete Emde als "kleinen Geländegewinn gegen die Staatsräson", berichtete ZDF-Hauptstadtstudio-Reporter Johannes Lieber.
Unterdessen wollen die Berliner Grünen und die SPD mit dem Wahlsieger Linke Koalitionsverhandlungen aufnehmen. Bei einem kleinen Parteitag der Grünen stimmte am Abend eine breite Mehrheit einem entsprechenden Vorschlag der Parteispitze zu. Kurz zuvor hatte sich auch der SPD-Landesvorstand auf Basis des Sondierungspapiers der drei Parteien für Koalitionsgespräche entschieden.
Die SPD in Berlin hat sich von der Kritik aus der Bundespartei nicht beirren lassen. Am Montag stimmte der Landesvorstand für die Aufnahme von Koalitionsverhandlungen mit Linken und Grünen.
19.10.2026 | 1:39 minLinke will am 31. Oktober über Koalitionsgespräche abstimmen
Die Linke befindet darüber erst auf einem Parteitag am 31. Oktober. Grund sind die zweiwöchigen Herbstferien in Berlin. Im Falle einer Zustimmung können die Koalitionsgespräche Anfang November beginnen.
Der Landesvorstand der Berliner Linken sprach sich nach Angaben eines Sprechers bereits am Abend bei einer Gegenstimme dafür aus, Koalitionsverhandlungen mit Grünen und SPD aufzunehmen.
Antisemitismus-Vorwürfe belasten Sondierungsgespräche
Bei der Berlin-Wahl am 20. September war die Linke mit 25,7 Prozent stärkste Kraft geworden. Dahinter folgen CDU (18,8 Prozent), AfD (16,3 Prozent), Grüne (14,3 Prozent) und - mit ihrem historisch schlechtesten Ergebnis - die SPD (12,1 Prozent).
Die Berliner Linke steht nach ihrem Wahlerfolg vor einer schwierigen Debatte: Spitzenkandidatin Elif Eralp hat sich ausdrücklich zum Schutz jüdischen Lebens in der Hauptstadt bekannt.
22.09.2026 | 6:41 minDie bisher regierende CDU/SPD-Koalition hat ihre Mehrheit verloren. Nun wird versucht, eine rot-grün-rote Regierung zu bilden. Gelingt das, könnte Linke-Fraktionschefin Elif Eralp erste Regierende Bürgermeisterin ihrer Partei in Berlin werden.
Auf das am vergangenen Samstag vorgelegte Sondierungspapier hatten sich Linke, Grüne und SPD in zeitweise mühsamen Verhandlungen verständigt. Die Diskussion um ein konsequentes Vorgehen gegen Antisemitismus, angefacht durch mehrere Vorfälle in den Reihen der Linken, erschwerte die Gespräche.
Mehrere Bundestagsabgeordnete lehnen eine Berliner Koalition mit der Linken ab. SPD-Innenpolitiker Sebastian Fiedler meint: „Solange diese strukturellen Antisemitismus-Themen nicht vom Tisch sind, kann die SPD keine Koalition eingehen.“
19.10.2026 | 4:22 minMehr zu Rot-Grün-Rot in Berlin
"Chance für Berlin":Juso-Chef glaubt an Regierungsfähigkeit von Rot-Grün-Rot
mit Video4:05Sondierungen in Berlin:Rot-Grün-Rot: Banaszak fordert klare Absprachen
mit Video2:31Finanzsanktionen gegen Berlin?:Söder schießt scharf gegen Linke bei "Deutschlandtag"
mit Video1:35